· Adam Malysz
ist Doppelweltmeister von Predazzo 2003. Dieser
Streich ist zuletzt 1974 einem Skispringer gelungen:
da gewann der legendäre Hans-Georg Aschenbach
aus der DDR beide Einzelspringen der Weltmeisterschaft.
Nach dem jüngsten Triumph von Malysz darf der
Pole sich dreifacher Weltmeister nennen: vor zwei
Jahren bei der WM in Lahti hat er seinen ersten
WM-Titel erkämpft, ebenfalls auf der Normalschanze.
Adam Riese' ist der dritte Skispringer der
Geschichte, der mehr als einmal auf der Normalschanze
Weltmeister werden konnte. Jens Weißflog gewann
diesen Titel ebenfalls zweimal: in 1985 (WM in Seefeld)
und vier Jahre später (WM in Lahti).
Dem großen Birger Ruud ist es sogar dreimal
gelungen: er gewann 1931, und dann 1935 und 1937.
(Die erste WM im Skispringen wurde 1925 ausgetragen,
es gewann Willi Dick aus Tschechien.)
Malysz sprang in allen 6 Wertungsdurchgängen
der WM in Val di Fiemme die Bestweite. (134 und
136 Meter auf der Großschanze - beide Sprünge
waren Schanzenrekord. 133.5 und 134 Meter beim Teamspringen.
104 und 107.5 Meter auf der Großschanze.)
Nach 66 Jahren verteidigt wieder der Sieger bei
der vergangenen WM seinen Titel auf der Normalschanze.
(Es war damals Birger Ruud, 1935-37). Auf der Großschanze
gelang das nur einem Springer: Martin Schmitt verteidigte
2001 in Lahti als einziger Skispringer überhaupt
seinen Weltmeistertitel von Ramsau, 1999.
· Es ist der 7. große Erfolg, den Malysz
während seiner glänzenden Karriere verbuchen
konnte:
· Vierschanzentournee-Sieger 2000/2001
· Weltmeister (Normalschanze, Lahti 2001)
· Gesamtweltcupsieger 2000/2001
· Gewinner des Sommer-Grand-Prix 2001
· Gesamtweltcupsieger 2001/2002
· Weltmeister (Großschanze, Predazzo
2003)
· Weltmeister (Normalschanze, Predazzo 2003)
· Außerdem gewann er zweimal am Mekka
des Skispringens in Oslo, Holmenkollen (1995/96
und 2000/2001), und er ist Silber- und Bronzemedaillengewinner
von Salt Lake City (2. auf der Großschanze,
3. auf der Normalschanze).
Er hat 21 Weltcupsiege gesammelt (Rang 5 auf der
ewigen Bestenliste).
· Der 8. Triumph der Karriere ist bereits
im Visier: der Rückstand von Malysz im Gesamtweltcup
auf Sven Hannawald beträgt momentan 74 Punkte.
Sollte Adam nur annähernd seinen derzeitigen
Höhenflug fortsetzen können, könnte
er den Deutschen noch überholen, und als erster
Springer überhaupt zum dritten Mal hintereinander
den Gesamtweltcup holen.
Malysz, der Überflieger -- so weit weg war
er eigentlich nicht. Trotzdem, es ist 14 Monaten
her, daß der Pole solche überragende
Sprünge zeigen konnte, als er ausgerechnet
in Predazzo (21-22.12.2001) seine Karrieresiege
19 und 20 beim Weltcup 2001/2002 eingefahren hatte.
Danach reiste er als absoluter Topfavorit nach Oberstdorf,
zum 50. Auflage der Vierschanzentournee. Jeder war
sicher, daß er die Tournee gewinnen wird,
und jeder zweite glaubte auch, daß er alle
vier Springen für sich entscheiden kann.
· Was danach passiert ist, ist Geschichte.
Sven Hannawald stahl
dem Polen die Show, er wurde der historische Vierfach-Sieger.
Hanni' zerbrach den Mythos der Tournee, während
Malysz noch nicht mal auf den Podest der Gesamtwertung
schaffte. Er sprang weiterhin gut bis sehr gut,
aber es fehlte eben ein kleines Plus. Die Zahlen
zeigen es eindeutig:
· 2001 hat er 17 von 27 Weltcupspringen gewonnen
(11 Siege in der 2. Hälfte der Saison 2000/2001
zwischen Innsbruck und Oslo; 7 Siege in der 1. Hälfte
der Saison 2001/2002 zwischen Kuopio und Predazzo).
nach den Triumphen 19 und 20 in Predazzo (21-22.2001)
hat er 2002 das ganze Jahr nur noch eins von 21
Weltcupspringen gewonnen (Saison 2001/2002, Zakopane).
In der Saison 2002/2003 gewann er (noch) kein Weltcupspringen.
Nach 8 Jahren Durststrecke (ganz genau sind es 2545
Tage!) steht jetzt wieder ein Norweger bei einer
WM auf dem Treppchen (bei einem Einzelspringen.
Der Springer, der es am 12.3.1995, und heute, am
28.2.2003 geschafft hat, ist dieselbe Person: Tommy
Ingebrigtsen.
· Der Tiger', wie ihn jeder nennt,
wurde völlig unerwartet Weltmeister in Thunder
Bay 1995 (Großschanze), als er erst 17 Jahre
jung war. Heute ist er 25, und wurde dank einem
sensationellen zweiten Sprung auf 105 Meter Vizeweltmeister
hinter Malysz. Der Weltrekord von Andreas Goldberger
wackelt - wenn Ingebrigtsen auf kleineren Schanzen
Top ist, dann landet er im März in Planica
möglicherweise jenseits der 225-Meter-Marke.
Denn Flugschanzen sind eigentlich die Heimat von
Ingebrigtsen - auch wenn er in den vergangenen Jahren
manchmal außer Form war, kratzte er in Planica
trotzdem locker an der 200-Meter-Linie.
· Ingebrigtsen wurde vor zwei Jahren letzter
bei der WM in Lahti (50. Normalschanze). Lediglich
ein Norweger war da im Finale: Roar Ljoekelsoey
wurde 20. Auf der Großschanze landete Ingebrigtsen
damals auf Rang 23.
· Die einzige Nation, die in allen drei Wettkämpfen
der WM in Predazzo Podestplätze erreicht hat
--- ist Japan. (Kasai
zweimal Dritter, die Mannschaft Zweiter). Nach Jahren
der Erfolglosigkeit melden sich die Japaner eindrucksvoll
zurück. Es ist allerdings zu befürchten,
daß dieser Formanstieg nicht dauerhaft sein
wird. Die besten japanischen Springer sind noch
immer die gleichen, wie die vor 6-7 Jahren: Kasai,
Miyahira, Funaki, Higashi. In ein Paar Jahren wird
diese Generation aufhören, und in Japan sind
im Moment keine vielversprechende Nachwuchsspringer
zu finden.
· Seit der WM in Falun 1993 passierte es
erstmals, dass die DSV-Adler
ohne Medaillen dastehen. Bester Deutscher heute
war Michael Uhrmann, auf Rang 13. Zuletzt war er
am 14.12.2002, als Fünfter (1.Springen in Titisee-Neustadt)
bester seines Teams. Danach war immer Sven Hannawald
der bester DSV-Springer (außer Hakuba und
Sapporo - nicht teilgenommen, und Willingen - vom
Winde verweht).
· Die heutige Plazierungen der deutschen
Springer sind ernüchternd: 13-20-22-24 (Uhrmann-Duffner-Späth-Hannawald).
Dagegen sind alle 4 Springer der Finnen unter den
Top-10 gelandet: 5-6-8-9 (Kiuru-Lappi-Lindstroem-Hautamaeki).
Die Finnen können aber auch nicht ganz zufrieden
sein: es war eindeutig mehr drin heute, nach den
Trainingsergebnissen war es zu vermuten, daß
mindestens ein Finne auf dem Podest landen könnte.
· 20 von 30 Springern sind im Finaldurchgang
weiter gesprungen, als im Durchgang 1. In der Liste
derer, die das nicht geschafft haben, ist Sven Hannawald,
der im Finale einen Meter kürzer sprang (95
m - 94 m) als im ersten Durchgang. Die anderen Springer,
die sich nicht verbessern konnten, sind 2 Slowenen,
2 Norweger, 2 Österreicher, 1 Franzose, 1 Finne
und 1 Japaner. (Kranjec, Peterka, Bystoel, Romoeren,
Nagiller, Höllwarth, Dessum, Hautamaeki und
Miyahira.)
· Das Debakel für Team Austria ist leider
komplett. Sie waren unglaublich konstant, stark
und fast unbesiegbar während des ganzen Winters.
Nach 7 Saisonsiegen und 27 Podestplätzen ist
das Ergebnis von der WM eigentlich gar nicht zu
erklären. Bei den 2 Einzelwettkämpfen
von Predazzo kam keiner von ihnen unter die besten
6. Auf der Großschanze war Florian Liegl (Platz
8) bester ÖSV-Adler. Auf der Normalschanze
konnte nur Routinier Martin Höllwarth einigermaßen
mit der Spitze mithalten (Rang 7). In 2 Bewerben
hatten sie lediglich Zwei Top-10 und fünf Top-20
Plazierungen: 8-11-14 (K120), 7-16 (K95).
· Zum Vergleich: vor 8 Wochen in Engelberg
hatten die Österreicher (in 2 Springen) drei
Podestplätze, neun Top-10 und zwölf Top-20
Plazierungen. Von der Überlegenheit des Saisonbeginns
ist keine Spur geblieben. In Predazzo ist ihnen
alles schief gelaufen -- keine Top-Plazierungen,
Liegl stürzt beim Teamwettbewerb, Kofler muß
verletzt nach Hause reisen, Widhölzl verliert
völlig die Form auf der Normalschanze, Nagiller
stürzt beim Springen auf der Normalschanze,
Liegl stürzt zum zweiten Mal innerhalb von
6 Tagen. Eine unglaubliche Pechsträhne. Jetzt
gilt es, die verkorkste WM abzuhaken, und auf ein
versöhnliches Saisonende zu hoffen. Sie haben
das Skispringen bestimmt nicht verlernt, vielleicht
gelingt es schon beim Wettkampf in Oslo wieder.