Als Heimtrainer von Topspringern wie Matti Hautamäki, Toni Nieminen, Janne Happonen und einigen anderen legte Pekka Niemelä seit 1997 den Grundstein für viele internationale Karrieren. Im Jahr 2002 ging der Finne aus Kuopio nach Japan und wurde Coach des Teams Tsuchiya, zu dem unter anderen Noriaki Kasai und Daiki Ito gehören. Nun wagt sich der 32-Jährige, der früher selbst aktiver Springer war, an die nächste große Aufgabe heran: Niemelä möchte innerhalb der nächsten vier Jahre die französischen Skispringer an die Topelite des Weltcups heranführen und in Frankreich eine breitere Basis für den Sprungsport schaffen. Der Vater von zwei kleinen Söhnen weiß um die Schwierigkeit dieser Aufgabe, aber genau das reizt den studierten Profi-Coach, wie er im Interview mit skispringen.com erzählt.
skispringen.com
Wie kam es, dass Sie französischer Skisprungtrainer wurden?
Pekka Niemelä
Es war einfach Zeit mich nach neuen Möglichkeiten umzusehen. Ich habe die letzten neun Jahre als persönlicher Trainer von finnischen sowie japanischen Topathleten gearbeitet, und diese im Weltcup, bei Weltmeisterschaften und bei Olympischen Spielen nach vorne gebracht. Die letzten vier Jahre als Coach in Japan waren für mich sehr interessant, aber nach einer so langen Zeit bei einem Team war es nötig den nächsten Schritt in meiner Karriere zu tun. Frankreich suchte gerade einen Trainer für das A-Team, wir schafften es eine gute Kooperation auszuarbeiten und so war meine Entscheidung klar.
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Warum wurden Sie nicht, nach den langjährigen Erfahrungen in Japan, japanischer Cheftrainer?
Niemelä
Das ist eine interessante Frage, aber ich bin nicht der Einzige, der sie beantworten kann! Aber ja, es gab Gespräche über diese Stelle und auch eine Situation, in der es nicht undenkbar war. Ich hatte jedoch den Vier-Jahresvertrag mit dem Team Tsuchiya, und es war somit nicht meine Zeit. Vielleicht ja irgendwann in der Zukunft, man weiß nie!
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Was reizte Sie besonders an der Arbeit in Frankreich?
Niemelä
Die Herausforderung! Ich habe bereits vor vier Jahren gemerkt, wie viel einem das bringt. Als ich 2002 nach Japan ging, lief bis dahin in meiner Trainerkarriere alles gut und stabil. Ich war in Finnland B-Kader- und Head-Coach des Puijo-Skiclub in Kuopio und mein persönlicher Athlet Matti Hautamäki hatte gerade zwei Medaillen bei den olympischen Spielen in Salt Lake City gewonnen. Viele dachten, dass es sehr riskant sei das Angebot aus Japan anzunehmen, aber für mich war es eine Herausforderung. Ich wollte neue Dinge dazulernen, eine andere Kultur kennenlernen und sah es als eine einzigartige Chance im Leben. Außerdem wusste ich: Wenn ich es schaffe dort etwas auf die Beine zu stellen, bringt mich das in meinem Beruf weiter. Jetzt nach den vier Jahren kann ich den nächsten Schritt tun. Natürlich ist meine Aufgabe in Frankreich schwierig, wenn ich mir die letzten Ergebnisse anschaue. Aber das ist gerade der Grund, warum die Arbeit interessant und für mich als Coach herausfordernd ist. Wenn man mit Athleten arbeitet, die sich bereits in den Top-10 befinden, muss man sich darauf konzentrieren ihr Level zu halten und die Qualität zu verbessern. In Frankreich muss ich von unten anfangen und mich Schritt für Schritt durcharbeiten. Dadurch kann ich für mich sehen, was ich als Coach überhaupt bewirken kann. Es ist das erste Mal, dass ich Cheftrainer einer A-Nationalmannschaft bin, und ich glaube es wird eine schwere aber mögliche Aufgabe.
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Wann begann das Training mit den französischen Springern?
Niemelä
Ich habe meinen Vertrag im Mai 2006 unterschrieben und das erste Camp fand Mitte Juni in Courchevel statt. Es war zu Beginn viel einfacher mit ihnen als beispielsweise in Japan. Denn damals bemerkte ich beim ersten Treffen, dass die Springer fast kein Englisch sprachen und ich natürlich kein Japanisch! Bei den Franzosen war es vom ersten Tag an so, dass man die positive Atmosphäre spüren konnte. Ich hatte das Gefühl, dass mir die Jungs vom ersten Lehrgang an Vertrauen schenkten und sehr aufnahmewillig waren. Genau darum hatte ich in Frankreich gebeten: Wir beginnen ganz langsam und unten, aber wenn ihr aufnahmebereit für neue Dinge seid, dann können wir Schritt für Schritt aufwärts gehen!
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Was haben Sie an dem Training verändert?
Niemelä
Skispringen ist ein sehr spezieller Sport: Wir brauchen eine gute Physis und gleichzeitig eine gute Technik. Beides zur selben Zeit zu verbessern, ist nicht einfach. Wenn ich die besten finnischen, japanischen und französischen Skispringer vergleiche, sehe ich genau an welchen Stellen wir hintendran sind. Die französischen Athleten haben das ebenfalls erkannt und verstehen nun, was wir tun müssen. Wir sind in den Bereichen Anlaufgeschwindigkeit, Kraft, BMI und Technik ziemlich zurück und können uns wesentlich verbessern. David Lazzaroni hat dies beispielsweise bereits in vielen Gebieten geschafft, da sein physisches Level und seine Koordination ein wenig besser waren als bei den anderen. Deswegen kann ich mit ihm schneller vorangehen. Mit den restlichen Jungs muss ich zuerst eine starke physische Basis aufbauen, was Zeit kostet. In einem Jahr kann man vielleicht 10 oder 15 Prozent verbessern, mehr geht nicht. Und meine Athleten sind 20 bis 30 Prozent hinter den Weltbesten ….
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Auf was achten Sie beim Training besonders?
Niemelä
Skispringen setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Natürlich gibt es nur einen Sprung, aber wir haben die Anlaufgeschwindigkeit, die Physis, den BMI, die Technik (Absprung, Flug), die Ausrüstung, die Psyche und so weiter. Am Beispiel der Geschwindigkeit kann 1 km/h bereits 5 Weitenmeter auf der Großschanze bedeuten. Auch an der Absprungstärke müssen wir arbeiten, da sind wir ca. 20 Prozent hinter den besten Teams. Zudem bringt beim BMI 1 kg weniger ungefähr 2 Meter - auch hier sind wir vom Möglichen weit entfernt. Als ich in Frankreich anfing, war man dort überzeugt, dass besonders die technischen Probleme die Springer behindern. Aber nein, es sind viele andere Dinge, die alle zusammen wie ein Puzzle sind. Wir können auf kein einziges Teil verzichten, wenn wir Erfolg haben wollen.
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Erstellen Sie individuelle Trainingspläne für jeden Springer?
Niemelä
Ja, und ich bin auch für das französische Juniorenteam und den B-Kader bezüglich der Trainingsphilosphie und der Physis verantwortlich. In diesen drei Teams betreue ich neun Jungs und jeder von ihnen ist auf einem anderen Level - das ist eine echte Herausforderung als Trainer! Aber mein Co-Trainer Remy Trachsel hilft mir viel bei meiner Arbeit. Er ist ein sehr netter, normaler Typ mit guter Motivation. Und für das französische System ist es perfekt, dass auch ein Franzose mitarbeitet. Ich bin sehr froh ihn an meiner Seite zu haben! Außerdem arbeitet der vorherige Cheftrainer Arnaud Bousset mit den Junioren zusammen. Es ist hilfreich einen vertrauensvollen Mann wie ihn im Rücken zu haben, und ich hoffe durch ihn werden neue Springer den Weg nach oben finden.
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Alles über das Training, die Verfassung und die Ziele der französischen Skispringer lesen Sie in Teil 2 des Interviews 
(ak)
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