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  Janne Marvaila über Finnlands Nachwuchs: "Die Clubtrainer sind sehr wichtig für uns"
   skispringen.com-Hintergrund

Mit Neid schauen viele Nationen auf das finnische Trainings- und Verbandssystem, das ständig Spitzenspringer hervorbringt und aus dem einige der weltbesten Trainer stammen. Janne Marvaila ist in Finnland als nordischer Sportdirektor für die Sparten Skisprung und Nordische Kombination verantwortlich und arbeitet seit 1998 daran das erfolgsgekrönte System immer weiter zu verbessern. „Ich versuche mich meistens darauf zu konzentrieren, was wir bei uns tun. Denn wenn ich darüber nachdenke, was in anderen Nationen vor sich geht, macht das uns ja nicht besser. Mir ist es wichtiger genau darauf zu achten, was wir heute tun können, um morgen besser zu sein. Deswegen kenne ich mich nicht so gut bei den anderen aus. Natürlich weiß ich, dass die Österreicher beispielsweise ihr Internatssystem haben. Bei uns in Finnland wird die Basisarbeit von den einzelnen Skiclubs geleistet. Deswegen sind die Clubtrainer sehr wichtig für uns. Sie kümmern sich um die Youngsters, stellen ihnen Einrichtungen und Wissen zur Verfügung, bevor der Skiverband sie dann ab einem Alter von 12 Jahren gesammelt unterstützt“, erzählt der studierte Sport- und Gesundheitserzieher, der nach seiner Tätigkeit als Lehrer für drei Jahre beim finnischen Golfverband arbeitete.

Von außen gesehen, scheint es eher problematisch, dass viele Trainer einen Athleten betreuen. Aber der 41-Jährige sieht dies anders: „Es könnte Schwierigkeiten geben. Aber meiner Meinung nach ist genau das eine der Stärken unseres Systems, denn es sind immer mehrere Personen, die sich um einen Athleten kümmern. Die Kooperation zwischen den Coaches ist der Schlüssel.“ Allerdings muss es natürlich eine Person geben, die das letzte Wort hat und beispielsweise bei den Nominierungen eine Entscheidung fällt. „Das bin dann ich. Die Trainer, beim Skispringen Tommi Nikunen, präsentieren mir nach jedem Wochenende, wie sie sich das Team für den kommenden Wettkampf vorstellen. Ich frage dann nach, warum und ob es andere Möglichkeiten gibt, und so weiter. Erstens will ich wissen, was so passiert, denn ich kann ja nicht überall vor Ort sein. Und zweitens, wenn er diese Dinge zuerst mir erklärt, dann fällt es ihm später leichter es der Presse zu sagen“, erklärt Marvaila, der selbst bis 1989 aktiv Ski gesprungen ist.

Dass der Finne alles bestens im Blick hat, zeigte sich bereits 1999, als der finnische Sprung-Nachwuchs plötzlich weniger wurde. Marvaila ergriff sofort Maßnahmen und seit sich ab Mai 2006 der frühere Nationalcoach Kari Pätäri um die jungen Talente und die Trainerausbildung kümmert, sind alle Sorgen verflogen. „Ich kann Kari für seine tolle Arbeit nur danken. Er gibt den jungen Springern in Finnland eine positive und gute Atmosphäre und sie können sich in Ruhe auf den Sport konzentrieren. Daneben ist er die perfekte Person für Gespräche mit jungen Menschen, und um ihnen bei der Verwirklichung ihrer Träume zu helfen. Ich denke, es ist schwer für das A-Team ohne ihn.“ Aber Marvailas Ideologie setzt an der Basis an, und er ist davon überzeugt, dass nur erstklassige Trainer das Talent junger Springer fördern können. „Ich sehe es gerne, wenn der erfahrenste und beste Trainer die Jüngsten trainiert. Mit den Älteren ist es eine wesentlich einfachere Arbeit, die jungen Kerle brauchen aber das beste Training. Deswegen weiß ich: Wenn Kari auf dem Ausbildungslevel arbeitet, ist das eine sehr gute Sache!“

Und auch auf etwas anderes ist Janne Marvaila stolz. „Viele andere Sportarten in Finnland sind neidisch auf uns, weil wir etlichen früheren Athleten nach ihrer Karriere einen Arbeitsplatz bieten. Diese Leute haben eines Tages ihr Herz an den Skisprung verloren und kennen sich innerhalb dieser sehr speziellen Welt bestens aus. Es ist einfacher für sie ein guter Trainer oder so etwas zu werden, als für Menschen von außerhalb. Bestes Beispiel hierfür sind Janne Väätäinen oder Kimmo Savolainen.“
Dass Superstar Janne Ahonen sich dafür entschieden hat seine Karriere fortzusetzen, erleichtert Janne Marvaila seine Arbeit, und dies nicht nur auf der Marketing-Ebene. „Ich weiß, dass Janne erfolgreich sein wird, was auch immer er macht. Aber natürlich bin ich froh, dass er weitermacht, nicht nur weil er ein gutes Beispiel für die jüngeren Springer ist, sondern auch als Motivator für seine Teammitglieder. Der Wettkampf innerhalb eines Teams ist die stärkste Kraft, die einen vorwärts treibt. Wenn man in einer Mannschaft eine große Konkurrenz herrscht, konzentriert man sich gar nicht so sehr darauf, was außerhalb des eigenen Teams passiert.“

Perfektionist Marvaila gibt sich mit den Erfolgen der Vergangenheit nicht zufrieden, sondern findet immer Punkte, die er verbessern möchte. „Ein hungriger Wolf bekommt die fetteste Beute! Deswegen versuchen wir heute alles besser zu machen, damit wir morgen noch besser sind. Ich möchte dem Team alles ermöglichen was es braucht, und finde immer einen Weg. Außerdem habe ich mit meinen Chefs eine tolle Truppe hinter mir, mit denen ich über alles reden und diskutieren kann. Es ist also nicht alles meine Weisheit, sondern wie auch bei den Trainern eine Gruppe von Leuten, die diese Möglichkeiten schaffen“, so Marvaila.

Gemeinsam haben die Finnen in der Saison 2006/2007 vor allem ein Großevent im Visier: “Unser Hauptziel während dieser Saison ist die Weltmeisterschaft in Sapporo. Wir wollen dort zwei Medaillen gewinnen, egal welches Metall. Und natürlich ist für uns Finnen auch die Nordische Tournee sehr wichtig.“

(ak)
  











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