Stürze, wie der von Jan Mazoch am 20. Januar, brennen sich bei Skisprung-Fans und Skispringern ins Gedächtnis. Allerdings ist „Skispringen eine sehr sichere Sportart“, wie der DSV-Mannschaftsarzt Dr. Christof Rühl bestätigt.
Dr. med. Rühl betreut die deutschen Skispringer seit März 2006. Zusammen mit Dr. Ernst Jakob kümmert er sich vor allem während der Wettkampfwochenende um die Gesundheit der Sportler. Außerdem springt der Facharzt für Allgemeinmedizin, Chirotherapie und Sportmedizin, der zudem noch Diplome als Osteopath und Akupunkteur besitzt, seit 25 Jahren selbst aktiv Ski und ist Mitglied im Verein WSV Rastbüchl. “Viele Sportler sind ja ein bisschen stolz darauf, wie tollkühn das Springen nach außen wirkt. Aber in Wirklichkeit ist es recht sicher. Vor allem, weil die Schanzen so extrem gut berechnet sind, was die Höhen der Flugkurven angeht. Wenn sich jemand mal überschlägt, geschieht dies meist in einem so flachen Winkel, dass es in der Regel zu Prellungen führt und mehr nicht“, erklärt der 37-Jährige.
Als aktiver Springer und Betreuer hat Dr. Rühl bisher sehr wenige Stürze mit dramatischem Ausgang erlebt. „Ich habe schon lange mit dem Skispringen zu tun, und kenne Springer jeden Alters. Deshalb sehe ich auch bei den jungen Burschen, dass ein Sturz meistens nur zu Prellungen oder zu einem nassen Anzug führt und nicht mehr. Der Rest ist wirklich eine Ausnahme, auch im Bereich der Jugendlichen und Kinder“, so Dr. Rühl. „Wenn es zu ernsthaften Verletzungen kommt, zeigt die Erfahrung, dass dies meistens beim Fußballspielen oder ähnlichen Trainingssportarten passiert ist!"
Schlimme Abstürze, wie der von Mazoch, passieren beim Skispringen hingegen eher selten „Das war eine der erwähnten Ausnahmen. Aktive Springer gehen mit solchen Stürzen sehr einfach um. Sie sind geschult, sich diese nicht anzusehen. Meistens schauen sie deshalb direkt weg, sobald der erste Verwackler erkennbar ist. Auch in der Wiederholung schauen sich die Springer Stürze nicht an. Sie sehen sich Sprünge mit einem Wackler in der Wiederholung erst dann an, wenn sie erfahren haben, dass es nicht zu einem Sturz kam.“
Neben Stürzen und Verletzungen klagen einige aktive Springer auch über Knie- und Rückenschmerzen. Als Laie kombiniert man schnell, dass dies eine Folge der vielen harten Landungen sein muss. Falsch gedacht, wie Dr. Christof Rühl erklärt: „Skispringen imponiert ja gerade, weil die Schanze und der Aufsprunghang so steil sind. Aber genau deswegen ist der Winkel, in dem ein Springer aufkommt, recht flach.“ Bei einer normalen Landung, werden die Gelenke und Knochen der Athleten somit keinem extremen Härtetest unterzogen. „Wenn jemand in dem Bereich landet, in dem das steilste Stück des Aufsprunghangs beginnt, dann ist der Druck bei dieser Landung vergleichbar mit dem, wenn man von einem normalen Stuhl herunter springt. Das ist dann eher wie ein Schritt nach vorne, und man muss nur plötzlich sein Körpergewicht wieder selbst tragen. Denn an diesem früher Normpunkt genannten Punkt stimmt der Flugwinkel fast genau mit dem Winkel der Schanze überein! Selbstverständlich ist es anders, wenn jemand früher oder weiter unten landet.“
Eine gute Nachricht für kleine und große Springer ist, dass Folgeschäden für Aktive sehr selten auftreten. „Nach der Karriere normalisiert sich der Rücken meistens wieder. Und bei den Knie kommt es darauf ab, ob es Verletzungen im Bereich der Knorpel sind, die zu den Schmerzen führen, oder ob es Überreizungen im Bereich der Sehnen und Bänder sind. Zweitgenanntes ist nach dem Sport dann auch sofort wieder in Ordnung. In der Regel sind alte Leute, die früher Ski gesprungen sind, gesund. Sie gehören auch zu den Menschen, die statistisch gesehen gesünder sind als Nichtsportler – auch wenn sie Skispringer waren!“
Falls einem der deutschen Adler ein Sturz zustößt, sind die Skispringer bestens versorgt. Wie zuletzt beim Trainingssturz von Michael Uhrmann in Sapporo. Denn fast immer sind Dr. Christof Rühl oder sein Kollege Dr. Ernst Jakob bei den Einsätzen der Weltcupspringer anwesend. „Wenn etwas passiert, werden meine Aufgaben auch um die Koordination der medizinischen Maßnahmen im dortigen Land erweitert. Da geht es um Einwilligungen und solche Dinge, bei denen es immer gut ist, wenn ein Deutscher als Fachkraft vor Ort ist. Auch für die Koordinationsfragen bezüglich der Rückholung, Transportfähigkeit und diese Angelegenheiten ist es wichtig, dass ein Ansprechpartner vor Ort ist, der sich um alles kümmert."
(ak)
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