Zum Glück gehen dem Sprungsport nicht alle Athleten nach ihrem Rücktritt verloren. Andi Goldberger hat die Skisprung-Szene während seiner überaus erfolgreichen Karriere sportlich und persönlich geprägt. Im Anschluss daran hat Goldi beim Fernsehsender ORF eine Tätigkeit gefunden, die ihm und den Zuschauern viel Freude bereitet. Der Publikumsliebling ist unbestrittener Experte bei allem rund um das Skispringen, hat in den vergangen Monaten viel erlebt und stand skispringen.com exklusiv für ein Interview zur Verfügun
Skispringen.com: Wie hast du deine letzten Monate verbracht?
Andi Goldberger: Erstmal war ich ja noch voll bei der Sendung „Dancing Stars“ eingebunden. Das war am Anfang für mich sehr schwierig. Kein Wunder, wenn man mit dem Tanzen überhaupt nichts zu tun hat und weder Takt- noch Musikgefühl besitzt! Deswegen war es total verblüffend zu sehen, was man alles lernen kann. Und dann wird´s auch lustig und macht Spaß! Die Show an sich war eine ganz neue Erfahrung, und es hat gut getan mal keine Sportveranstaltung zu machen, sondern etwas im Entertainmentbereich.
Skispringen.com: Hättest du gedacht, dass du bis ins Finale kommst?
Goldberger: Nein, niemals! Als ich es das erste Mal probiert habe, dachte ich: „Das ist nichts für dich“. Deswegen war ich doch sehr verwundert. Und mich hat es wahnsinnig gefreut, dass ich so weit gekommen bin, gerade weil mich das Publikumsvoting immer weiter gebracht hat. Da hat man gemerkt, dass die Leute einen gern haben.
Skispringen.com: Tanzt du jetzt noch?
Goldberger: Nur gewisse Sachen, denn Grundschritte lernt man dort wenige. Außer Fox und Walzer, und das tanze ich schon noch, ja. Für Veranstaltungen, auf die ich eingeladen bin, ist es ja auch gut, dass ich das kann. Früher habe ich einen weiten Bogen um die Tanzfläche gemacht, weil ich wusste, dass mir das nicht taugt.
Skispringen.com: Und was stand im Sommer auf deinem Terminplan?
Goldberger: Durch Dancing Stars haben sich viele neue Werbesachen, Termine und Veranstaltungen ergeben. Außerdem habe ich versucht jetzt den Leuten etwas zurückzugeben, die mich damals als Sportler unterstützt haben. Früher musste ich vieles absagen, weil Wettkämpfe oder Training anstanden. Jetzt, wo ich Zeit habe, versuche ich die Dinge etwas nachzuholen. Daneben habe ich auch meinen zweiten Beruf gemacht, denn ich bin selbstständig, wickle meine Arbeit aber über die Verpackungsfirma meines Managers Edi Federer ab. Für den Verkauf von Hotelzubehör und solchen Dinge haben ich versucht mir einen Kundenstock aufzubauen. Für mich es ist wichtig, dass ich auch etwas Berufliches mache. Da geht es nicht wirklich ums Geldverdienen, aber ich komme ins normale Berufs- und Wirtschaftsleben rein, kann Erfahrungen sammeln und mache etwas, das nichts mit Sport zu tun hat.
Skispringen.com: Und lief das gut für dich bisher?
Goldberger: Ja, und ich habe im Endeffekt wieder gemerkt: Egal, ob im Sport oder im Berufsleben, es kommt überall auf das Gleiche an: Wenn du ein Ziel hast, das du verfolgst, und die Sache gerne tust, dann hast du auch Erfolg. Höhen und Tiefen liegen natürlich nicht so eng beieinander wie im Sport. Von dem her ist der Sport schon eine sehr gute Lebensschule. Und ich hatte mit anderen Leuten zu tun, das war bestens. Ich bin nervös, wenn ich bei einem Fünf-Sterne-Hotel anrufe und den Direktor oder den Einkäufer um einen Termin bitte und ihm dann die Produktpalette vorführen muss. Das ist etwas total Neues und eine echte Herausforderung. Ich freue mich dann riesig, wenn ich den Auftrag erhalte.
Skispringen.com: Hast du auch sportlich irgendetwas gemacht?
Goldberger: Ja, trainiert habe ich natürlich auch und bin Ski gesprungen. Ich habe einige Mattensprünge gemacht, weil wir ja jetzt im Winter, speziell für die Vierschanzentournee, einiges planen. Beim Kombinationsweltcup in der Ramsau werde ich ausprobieren, ob ich mit Helmkamera springen und währenddessen kommentieren kann. Das soll dann bei der Vierschanzentournee auch gemacht werden, wenn es geht. Aber das ist schwierig beim Springen. Im Anlauf und Auslauf geht’s, aber unter dem Sprung – das weiß ich noch nicht so genau. Ich habe es schon ein paar Mal zusammengebracht, aber da darf nicht viel schief gehen und alles muss passen.
Skispringen.com: Plant ihr sonst noch Neues?
Goldberger: Ja! Wir wollen ein paar weitere Sachen versuchen, wie zum Beispiel Puls- und Stressmessung während des Sprungs. Damit man einfach sieht, was sich währenddessen im Körper abspielt. Mich hat das sehr interessiert, und viele Leute sagen zu mir immer: „Ich würde mich niemals trauen zu springen, ich hätte einen zu hohen Puls, mir wäre das zu stressig.“ Wir haben die Messungen bisher noch nicht gemacht, aber tüfteln gerade und vielleicht gelingt uns das. Es wäre im Sinne des Sprungsports, dass man den Zuschauern daheim vermitteln kann, was sich beim Skispringen abspielt. Für all das musste ich natürlich weiter trainieren, denn ohne Training kann ich keine gute Technik springen, und ohne gute Technik komme ich nicht weit und es wäre viel zu gefährlich!
2. Teil des Goldi-Interviews 
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