Mittlerweile ist Anders Jacobsen schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern einer der Stars in dieser Skisprung-Saison. Von Super-Trainer Mika Kojonkoski entdeckt, feierte der 21-Jährige aus Hønefoss beim letzten Weltcup vor der Vierschanzentournee in Engelberg seinen ersten Weltcup-Sieg und gilt nun als einer der Mitfavoriten für das anstehende Traditionsevent. Der junge Norweger, der gerne Zeit mit Freunden verbringt oder an seinem 72er VW-Käfer rumbastelt, sieht den Trubel um seine Person noch relativ gelassen und schaut voller Vorfreude auf alles, was da so auf ihn zukommt. Im exklusiven Gespräch mit skispringen.com erzählt er vom Beginn seiner Karriere.
Skispringen.com: Wann hast du mit dem Skispringen angefangen?
Anders Jacobsen: Ich habe mit acht Jahren begonnen. Mein Vater kaufte mir Sprungski, worüber ich mich gleich zu Beginn sehr freute, denn ich war schon immer ein Kind, das gerne draußen war. Ich liebe es Ski zu fahren, egal ob Telemark oder Slalom. Alles, was schnell ist, ist genau das Richtige für mich! Deswegen bin ich dann gleich auf eine kleine Schanze, die so zirka ein 17m-Bakken war. Ich habe einen Tag dort trainiert und am nächsten direkt an einem Wettkampf teilgenommen. Dort wurde ich Zweiter, so weit ich mich erinnern kann, auf jeden Fall war ich ganz vorne mit dabei. Das war eine große Motivation. Also habe ich weitertrainiert und bin nach und nach von größeren Schanzen gesprungen.
Skispringen.com: Hast du davon geträumt ein professioneller Springer zu werden?
Jacobsen: Nein, daran habe ich damals noch überhaupt nicht gedacht! Es war eher reiner Spaß, bis ich ungefähr 15 Jahre alt war. Dann habe ich angefangen das Training ernster zu nehmen und habe mich immer mehr auf das Springen konzentriert. Das war auch die Zeit, in der ich mit dem Fußballspielen aufgehört habe und nur noch Ski gesprungen bin. Es gab ausschließlich Schule und Skispringen für mich, und es wurde immer mehr Springen. Bis es heute dann nur noch das Skispringen ist!
Skispringen.com: Hast du irgendein Vorbild unter den Springern?
Jacobsen: Auf jeden Fall Janne Ahonen! Er ist so gut und war so lange dort oben an der Spitze. Alleine als ich im Programmheft von Engelberg gelesen habe, dass er seit 1993 fünf Mal in der Schweiz gewonnen hat - das ist riesig, finde ich!
Skispringen.com: Viele sagen, Skispringen wäre bis zu diesem Sommer dein Hobby gewesen, dabei hast du bereits einige Male seit 2003 erfolgreich beim Continentalcup teilgenommen!
Jacobsen: Man konnte meine bisherige Skisprung-Karriere als Hobby bezeichnen, weil ich vor meinem Durchbruch nebenbei voll als Klempner gearbeitet habe. Bis zu diesem Sommer, als ich zum A-Team gekommen bin, habe ich die ganze Zeit neben dem Training diesen Beruf gehabt. Es war nicht immer leicht zu arbeiten, zu trainieren und mich auf das Springen zu konzentrieren. Deswegen war dieses Jahr für mich extrem gut. Nachdem ich den Job aufgegeben hatte, blieb mir viel Zeit nur Ski zu springen und daneben sogar noch einiges mit Freunden zu unternehmen. Darum bin ich jetzt sowohl in physischer als auch in mentaler Hinsicht in einer wesentlich besseren Verfassung. Und das wirkt sich eben auch auf meine Leistung an der Schanze aus.
Skispringen.com: Warst du die ganze Zeit im norwegischen B-Kader?
Jacobsen: Ich war ein wenig „on and off“ im B-Team. Aber ich gehörte die ganze Zeit zur Mannschaft in Vikersund, dem Flying Team Vikersund. Vier Jahre lang war ich dort und bin während dieser Zeit immer mal wieder im B-Team zu Wettkämpfen gefahren. In Norwegen war ich während dieser Zeit unter den Top-10-Springern, aber nie wirklich an der Spitze.
Teil 2 des Interviews 
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