Skispringen.com: Wie kamst du denn zu dem Nachwuchswettbewerb für das Team „Oslo 2011“, bei dem Mika Kojonkoski dich entdeckte?
Jacobsen: Der norwegische Skiverband hat eine Liste aufgestellt, auf der ungefähr 30 junge Talente standen. Sie alle kamen im Mai 2006 nach Lillehammer und durften auf der dortigen Mattenschanze am Trainingscamp teilnehmen. Wir hatten vier Sprungtage mit physischem Training und auch Einzelgesprächen mit den Coaches. Es lief dort ganz gut für mich, denke ich! Meine Sprünge waren zwar nicht perfekt, aber in Ordnung. Physisch war ich sehr gut, und ich denke Mika wollte das ganze Paket aus allen Einzelteilen haben, die einen Skispringer ausmachen. Vielleicht haben sie genau das in mir gesehen.
Skispringen.com: Und wie ging es danach weiter?
Jacobsen: Wir wussten direkt nach dem Camp nicht, wer genommen wurde. Ich bin erstmal wieder nach Hause gefahren, habe eine weitere Woche mit Arbeit und Training verbracht. Tja, und dann kam der Anruf von Clas Brede Bråthen, dem Sportchef Skisprung des norwegischen Skiverbandes. Er hat mir gesagt, dass ich in das A-Team darf, und ich konnte das am Anfang gar nicht glauben! Dann ging ich zusammen mit Tom Hilde, der ebenfalls ausgewählt wurde, zu dieser großen Pressekonferenz nach Oslo. Dort waren all diese Fotografen und Presseleute. Es ist komisch sich selbst im Fernsehen zu sehen, und ehrlich gesagt ist es kein großer Spaß. Aber danach standen viele Reisen, das Kennenlernen von neuen Freunden und jede Menge toller Sachen an.
Skispringen.com: Und nun bist du bester Norweger im Weltcup, wie fühlt sich das an?
Jacobsen: Das ist absolut unglaublich – und gleichzeitig irgendwie seltsam! Ich weiß auch nicht, es war alles einfach nur toll. Aber ich hätte das so eben niemals erwartet! Mein Ziel war es unter die besten Zwanzig zu kommen. Und es hat den Anschein, dass es für mich bisher sehr gut gelaufen ist! Deswegen freue ich mich einfach nur auf die anstehenden Wettkämpfe und hoffe, dass wir gute Bedingungen haben.
Skispringen.com: Spürst du für die anstehenden Wettkämpfe irgendeinen Erwartungsdruck?
Jacobsen: Natürlich kann ich mir selbst ein wenig Druck aufbauen, aber von außen tut das keiner. Selbstverständlich berichten die Medien viel über mich, aber ich habe ehrlich gesagt damit aufgehört irgendwelche Zeitungen zu lesen. Stattdessen lese ich jetzt lieber Comics, die sind wesentlich besser! Ich lasse von all dem so wenig wie möglich an mich heran. Es gab da diesen Mann vom Dagbladet, einer norwegischen Zeitung, der mich fragte, ob ich weiß, dass wenn ich nach dem Weltcup in Engelberg an der Spitze des Gesamtklassements stehe, das einen weiteren Startplatz für Norwegen bedeutet. Ich habe gesagt: „Ja, das weiß ich“, und er fragte, ob ich das als Druck empfinde. Und nein, für mich bedeutet das keinen Druck, sondern für mich ist das eine Herausforderung!
Skispringen.com: Welche Ziele hast du für diese Saison?
Jacobsen: Die Weltmeisterschaft in Sapporo ist definitiv eines meiner Ziele. Ich möchte gerne mit der norwegischen Mannschaft nach Japan gehen. Ich habe dort keine speziellen Platzierungsziele oder so etwas, aber ich möchte Teil dieser Mannschaft sein! Natürlich muss man erstmal abwarten wie meine Form bis dahin aussieht. Ich muss jeden Tag einfach so nehmen wie er kommt und das Beste daraus machen. Ich versuche alles hundertprozentig zu erledigen – und mehr kann ich nun mal nicht tun!
(ak)
Teil 1 des Interviews 
|



(c) Text + Bilder
skispringen.com
|