Vor knapp zwei Jahren, im Dezember 2004, übernahm Wolfgang Steiert das Team Russland. Seither kann der ausgebildete Diplom-Trainer mit seinen Springern beachtliche Erfolge vorweisen und hilft dem russischen Skisprungsport auf die Sprünge. Im Gespräch mit skispringen.com zieht er Resümee über die diesjährige Vorbereitung, erzählt von Planungen in Russland und seinen persönlichen Einschätzungen.
Skispringen.com
Wie laufen die Vorbereitungen für die anstehende Saison?
Wolfgang Steiert
Wir haben ziemlich früh, bereits Mitte Mai, mit dem Training in Hinterzarten angefangen. Danach sind wir in ganz Europa gewesen, haben beispielsweise in Kuopio zusammen mit den Schweizern und den Koreanern trainiert. Außerdem waren wir einige Male in Klingenthal und sind mit die Ersten gewesen, die dort gesprungen sind. Unser Team hat dieses Jahr den kompletten Sommer-Grand-Prix mitgemacht, denn bei uns können die Athleten nicht daheim bleiben und dort trainieren, weil es da einfach keine Schanzen gibt. Die Matten-Wettkämpfe waren deswegen für uns ein gutes Trainingsmittel. Unter Wettkampfbedingungen haben besonders die zwei jungen Springer Ipatov und Kornilov sehr gute Resultate ersprungen.
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Waren Sie zufrieden mit dem Abschneiden Ihrer Springer beim Sommer-Grand-Prix?
Steiert
Man muss auf dem Boden bleiben. Wenn man sieht, auf welchem Niveau Gelder immer noch in andere Nationen wie Deutschland, Finnland, Norwegen, Österreich, Slowenien oder Japan gepulvert werden, und auch welche Manpower dort vorhanden ist, kann man das nicht vergleichen. Bei einer kleinen Mannschaft mit fünf Athleten, zwei Trainern und im Winter einem Techniker, bei der zusätzlich auch nicht der nötige Druck von jungen Nachwuchsspringern kommt, ist es fast das Maximale, was wir momentan herausholen können.
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Aber mit diesen Leistungen waren Sie zufrieden?
Steiert
Ja, ich bin eigentlich sehr zufrieden, wie der Sommer gelaufen ist. Meine Athleten haben sich gesteigert, vor allem Kornilov und Ipatov. Mit Rosliakov haben wir einen Jungen vom COC hoch geholt. Er hat eine sehr, sehr gute Entwicklung durchlaufen. Vor allem im technischen Bereich und der Kraftentwicklung. Von Anfang Mai bis Anfang November hat er sich meiner Meinung nach sensationell gemacht. Mir haben sein Sprungstil und seine Technik im COC überhaupt nicht gefallen. Wie er sich jetzt den Sommer über, auch mit dem Sprung in die Grand-Prix-Punkte, dargestellt hat, war sehr positiv.
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Sind all Ihre Springer denn verletzungsfrei über den Sommer gekommen?
Steiert
Eigentlich sind wir in der guten Lage, dass wir fünf Athleten haben und nur mit vier starten dürfen. Aber dadurch, dass die Struktur im COC und in der zweiten Reihe bei uns nicht hundertprozentig ist, bin ich gezwungen immer einen fünften Mann mitzunehmen. Der darf dann als Vorspringer starten. Gesund sind sie alle, aber für uns war wichtig, dass sie auch leistungsmäßig besser werden. Wir haben die ganze Zeit ja mit Vassiliev nur einen Mann gehabt. Durch die richtig guten Ergebnisse von Ipatov im Sommer wird die Hierarchie in der Mannschaft angegriffen. Und wenn der Kapitän leistungsmäßig attackiert wird, ist das ein gutes Zeichen, dass sich die Sportler gegenseitig hochschieben.
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Wurden in Russland auch Sommer-Meisterschaften durchgeführt?
Steiert
Nein, in Russland gibt es keine Infrastruktur für Sommerwettkämpfe. Aber es sollen einige Schanzen gebaut werden. Deswegen haben wir in diesem Sommer aber alle Grand-Prix mitgemacht. Das waren wichtige Wettkämpfe, bei denen die Athleten Erfahrungen sammeln konnten. Sie mussten sich durchbeißen, und mir war eigentlich egal, ob wir nach Japan oder sonst wohin fliegen. Zudem geht es ja auch um Quotenplätze, die unheimlich viel Geld im Winter ausmachen. Wir haben zwar einen Platz verloren, es werden nur noch fünf Leute gezahlt, aber das ist nicht das Schlimmste. Das Wichtigste ist, dass man eine entsprechende Quote hat.
Teil 2 des Interviews
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Bilder (3): U. Wagner
Text und Bilder (c):
skispringen.com
(soweit nicht anders vermerkt)
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