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Wissen Sie schon Einzelheiten bezüglich der Schanzenprojekte?
Steiert
Mit Sicherheit werden in den nächsten zwei Jahren drei Schanzen in Moskau und fünf in Sankt Petersburg gebaut. Das dortige Projekt ist auf 130 Millionen Euro angelegt, es werden unter anderem zwei Hotels, eine Bobbahn und ein Langlaufressort im Komplex enthalten sein. Das alles geschieht natürlich unter der Obhut von Wladimir Putin, der ja aus St. Petersburg stammt. Ich schätze, dass die Schanzen dort im Jahr 2008 oder spätestens 2009 fertig gestellt sind. Was uns im Vergleich mit den anderen Nationen fehlt, ist schlicht und einfach die Infrastruktur. Für den Nachwuchs gibt es keine Sprungschanzen, wie 15m, 30m, 50m oder 70m. Da fällt es einem schon schwer, gegenüber den anderen Nationen konkurrenzfähig zu bleiben. Gerade im Jugendbereich ist das problematisch.
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Wo sehen Sie weitere Probleme?
Steiert
Wir haben genug Geld, um zu trainieren, was nötig ist. Aber die Struktur von oben bis unten fehlt in Russland. Es fehlen im Nachwuchsbereich gut ausgebildete Trainer, es fehlen die Anlangen. Nur so könnte man aus tausend oder zweitausend jungen Springern fünf Weltklasse-Athleten finden. Genug junge Springer wären da, aber sie können ja gar nicht richtig trainieren im Sommer!
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Wenn Schanzen gebaut werden, heißt das ja, dass die Öffentlichkeit in Russland sich für das Skispringen interessiert, oder?
Steiert
Ja, auf jeden Fall. Die Springen werden regelmäßig auf zwei Kanälen übertragen. Meistens auf einem speziellen Sportkanal und dem russischen ersten Fernsehen. Es gibt unheimlich viele Zuschauer! Ich habe bis jetzt noch nie die Quoten gehört, aber was man so mitbekommt, ist der Sport unglaublich populär. Wenn wir jetzt noch einen Mann hätten, der regelmäßig in die Top-3 springt, würde alles natürlich gleich zwei oder drei Schritte nach oben gehen! Aber das ist schwer. Ich muss immer sagen: Man sollte auf dem Boden bleiben, obwohl Vassiliev schon Vierter oder Sechster war, und er bei Olympia geführt hat. Es ist also machbar.
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Wirkt sich das öffentliche Interesse auch auf das Budget für die Skisprungmannschaft aus? Sie hatten ja beispielsweise angedacht einen Physiotherapeuten einzustellen, oder?
Steiert
Das ist aus der Welt. Wir haben jetzt zwar einen für die Woche während der Vorbereitung in der Ramsau dabei, aber das war´s. Wenn ich mir aber beispielsweise anschaue, wie das bei den Schweizer geht: Die haben einen Techniker, der gleichzeitig teilweise auch noch Physio macht, und der bringt tolle Leistungen. Man braucht nicht unbedingt einen Physiotherapeuten. Außerdem: Je größer der Betreuerstab wird, desto schwieriger ist es teilweise mit dem Trainieren. Mit unserem Techniker in Winter, Jari Mantila, habe ich einen der besten Leute auf diesem Gebiet. Er ist auch als Mensch unheimlich wichtig für die Mannschaft. Zudem komme ich mit meinem Co-Trainer bestens aus. Er spricht Deutsch, und ich habe hundertprozentiges Vertrauen in ihn.
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Was genau steht bis zum Saisonstart noch auf dem Trainingsplan?
Steiert
Wir werden eine Woche in der Ramsau trainieren. Momentan kann man hier im Umfeld nur dort oder in Seefeld springen. Da wir unser ganzes Material in München haben und unsere Flugtickets am 19. von dort nach Kuusamo gehen, bleibt uns gar nicht viel anderes übrig. Bei meiner Arbeit in Deutschland war das früher ganz anders. Da konnte man sagen: „Ok, fliegen wir eben nach Amerika, oder lass uns die Tickets stornieren und wir fliegen nach Finnland.“ In Russland ist alles anders. Hier wird es vom Staat gesteuert. Das bedeutet, die Flugtickets werden einen Monat oder sechs Wochen vorher gebucht. Und das wiederum heißt, dass sie genutzt werden müssen. So sind die Regeln, hier läuft das teilweise alles noch auf Staatskosten. Und wenn das so nicht passiert, dann kriegt der Trainer eins auf die Rübe.
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Haben Sie mit solchen Dingen gerechnet, bevor Sie die Arbeit aufgenommen haben?
Steiert
Nein, eigentlich nicht! (lacht) Es ist in Russland auch so, dass man den Plan früher erstellen muss und dieser dann den ganzen Sommer gilt. Der Finanzplan sowie der Lehrgangsplan sollten zu hundert Prozent eingehalten werden. Denn die Gelder fließen genauso, die Flüge werden gebucht und so weiter. Drei Monate im Voraus sollte man also sagen, wann man wohin fliegt. Damit muss man leben, aber ich verstehe es auch: Meine Leute in Russland kommen aus einem Umkreis von 6000km. Für mich gab es da viel zu lernen. Aber im Endeffekt ist man als Trainer immer dabei irgendwelche Probleme zu bewältigen. Egal mit welcher Nationen man arbeitet.
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Was erhoffen Sie sich für die kommende Saison?
Steiert
Wenn man bei euch sagt, man will unter die ersten Sechs springen, dann steht das gleich als Schlagzeile oben! (lacht) Nein, aber wir wollen natürlich regelmäßiger vorne rein springen. Ein Traum wäre es mit zwei Leuten, das wäre dann ein sehr gutes Resultat. Letztes Jahr war Vassiliev schon Vierter und Sechster, der Anspruch wird sicher nicht geringer, sondern eher größer, auch in Russland. Bei der Weltmeisterschaft in Japan haben wir den Vorteil, dass ich nun fünf Mann habe. Bei der Olympiade hatte ich ja nur vier, und wenn da einer krank wird, hat die Mannschaft ein Problem. Vielleicht kommt sogar während des Winters noch ein sechster junger Springer dazu. Ziel im Team ist, dass wir unter die besten Sechs springen. Letzte Saison waren wir regelmäßig unter den besten Acht, beim Grand-Prix in Hinterzarten wären wir mit einem halben Punkt mehr Vierter geworden. Aber Medaillen oder so etwas kann man nicht planen. Da muss jeder eine hundertprozentige Form haben.
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Apropos planen – wie lange geht eigentlich Ihr Vertrag in Russland noch?
Steiert
Obwohl es sehr viel Arbeit ist, macht es mir viel Spaß Cheftrainer in Russland zu sein. Deswegen gehe ich davon aus, wenn nichts dazwischen kommt, dass es bis 2010 weiter geht.
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Bestens, dann wären die Schanzen in Sankt Petersburg ja bereits fertig!
Steiert
Ja! (lacht) Es wäre ja schlecht, wenn ich aufhöre und dann geht’s auf einmal da drüben so richtig los!
(ak)
Teil 1 des Interviews 
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Denis Kornilov


Dmitri Vassiliev

Dimitry Ipatov
(Bild: U. Wagner)

Ildar Fatkullin

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(soweit nicht anders vermerkt)
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