Skispringen.com: Hat diese Zusammenarbeit gleich gut funktioniert?
Ulmer: Ja, von Anfang an. Es hat sich schnell gezeigt, dass ich mich an Martin dranhängen kann und jede Menge von ihm lerne. Ich habe mit ihm einfach ein tolles Ziel vor Augen, wo ich hinkommen will. Sowohl vom Springen als auch von der Athletik und allem anderen. Durch die Arbeit mit ihm und Stefan konnte ich mich perfekt auf den Sommer-Grand-Prix vorbereiten.
Skispringen.com: Dort lief es dann ja auch super, in Klingenthal wurdest du mit Rang 16 bester Deutscher! Hast du damit gerechnet?
Ulmer: Nein, absolut nicht! Ich fand es schon toll, dass ich dabei sein konnte. Alleine dort antreten zu dürfen war schon mehr, als ich mir für diesen Sommer erhofft hatte. Als es dann mit den Ergebnissen so gut funktioniert hat, habe ich immer von Springen zu Springen geschaut und wollte nur jedes Mal ein wenig besser sein. Ich wusste vorher zwar, dass meine Sprünge besser geworden sind, aber dass sie für diese Platzierungen reichen, hätte ich nicht gedacht.
Skispringen.com: Als es dann doch so gut lief, hast du irgendwie Erwartungsdruck oder so etwas gespürt?
Ulmer: Wenn, dann nur, weil ich mir selbst welchen aufgebaut habe. Ich wollte einfach mit jedem Springen ein bisschen besser werden und einen besseren Platz erzielen. Aber von den Trainern oder der Familie oder sonst jemandem sehe ich eigentlich gar keinen Druck. Die Betreuer versuchen mich so gut wie möglich zu unterstützen. Mein eigener Druck kommt daher, weil ich mir eben ein Ziel vor Augen halte, das ich erreichen möchte. Sicher ist es dann schwer, denn wenn man einen guten Sprung machen möchte, muss man gut drauf sein. Man darf nicht anfangen an Kleinigkeiten zu zweifeln oder so etwas.
Skispringen.com: Und dass du als „einziger, junger, neuer, deutscher Hoffnungsträger“ eine spezielle Last auf den Schultern hast, spürst du auch nicht so?
Ulmer: Nein, kein bisschen! Ich meine, erstens bin ich ja gar nicht mehr so jung mit 22 Jahren. Und zweitens bin ich ja auch nicht wirklich neu. Denn ich habe vorher im Weltcup ja bereits bei den Kombinieren lange genug Erfahrungen sammeln können. Mhm, ehrlich gesagt kam mir dass noch nie in den Sinn, dass mich jemand so sehen könnte. Ich habe darüber noch nie nachgedacht – und schon gar nicht irgendetwas in diese Richtung gespürt!
Skispringen.com: Hast du dich innerhalb der Mannschaft gleich willkommen gefühlt?
Ulmer: Ja, ich habe mich sehr gut in das Team integrieren können, und ich bin von den anderen sehr gut aufgenommen worden. Von dieser Seite gab es niemals Probleme. Das ist ein sehr offenes und sehr lockeres Team. Klar, ab und zu muss ich mir schon als ehemaliger Kombinierer ein paar Sprüche anhören. Aber die sind eher lustig gemeint und ich kann auch darüber hinwegsehen! Und trotz der normalen Rivalität untereinander kann man sich freuen, wenn ein anderer gut ist. Das gefällt mir an dieser Mannschaft auch sehr gut: Dass das Team zusammenhält.
Skispringen.com: Welche Ziele hast du für deine erste Weltcupsaison?
Ulmer: Ich will hier erstmal gute Sprünge zeigen. Das ist das Wichtigste. Welches Resultat das dann wird, kann ich vorher nicht sagen. Ich hatte in diesem Winter noch nicht so viele Sprünge auf Schnee, deswegen ist es gerade sehr schwierig für mich meine Leistung selbst einzuschätzen. Ich schaue deswegen nun von Wettkampf zu Wettkampf.
Skispringen.com: Vermisst du irgendetwas im Vergleich zu deiner Zeit als Kombinierer?
Ulmer: Ne, also. Ich weiß nicht wirklich, ob ich etwas vermisse. Momentan bin ich sehr zufrieden mit meiner Situation als Springer, vermisse deswegen wohl gar nichts. Darum bin ich eigentlich schon sehr zufrieden den Weg gegangen zu sein.
(ak)
1. Teil des Interviews 
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