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  Berni Schödler - "Ich bin Trainer in Russland. Wolfgang ist klar der Cheftrainer"
   skispringen.com-Interview (29.05.08)

In Russland entsteht etwas. Wolfgang Steiert war der Vorreiter, der damit begonnen hat, das russische Team wieder an die Skisprungweltspitze heranzuführen. Nun rückt mit Berni Schödler viel Kompetenz nach.
Die Strukturen scheinen neu und mit viel Potential ausgestattet zu sein. Der russische Verband steckt das Geld in die Athleten und die infrastruktur, Steiert und Schödler finanzieren sich über Sponsoren. Neben den sportlichen Ressourcen lockt mit Russland auch wirtschafts- und marketingtechnisch ein schlafender Riese.
Berni Schödler will mitwecken. Über seinen spektakulären Wechsel nach Russland erzählt er im ausführlichen Interview mit skispringen.com.
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Skispringen.com: Wann entstand die Idee der Zusammenarbeit mit dem russischen Team?
Berni Schödler: Wolfgang Steiert hat mich das erste Mal auf eine solche Idee anlässlich der Vierschanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen angesprochen. Am 01.01.08 also wurde ich erstmals mit dem Gedanken konfrontiert.

Sie waren für alle möglichen Posten im Gespräch, vor allem auch in Deutschland. War das jemals eine ernste Option, gab es konkrete Gespräche mit dem DSV?
Ja, die gab es. Ich habe einige tolle und sehr offene Gespräche mit Führungspersönlichkeiten des DSV geführt. Es waren ehrliche, motivierte und absolut leistungsorientierte Gespräche.

Wann gab es den ersten konkreten Kontakt mit Russland, im Sinne von Gesprächen, Verhandlungen?
Ich stand ab Januar ständig in Kontakt mit Wolfgang und auch mit anderen Nationen. Januar ist für mich jedoch sehr früh. Ich hatte da einen absolut tollen Job und eine faszinierende Aufgabe mit den „Red Hot Chilli Jumpers“ in der Schweiz. Wir waren mitten in den Alpencups und in der Vorbereitung zur Junioren-WM. Dazu kamen die Einsätze als FIS Assistent TD, die für mich eine absolut lohnende Weiterbildung waren. Konkreter wurden alle Angebote erst nach dem Nordic Tournament.

Wie ist Ihre Position definiert, wie darf man Sie nennen?
Am liebsten ist mir, wenn man mich Berni nennt…Wir sind derzeit intensiv am Planen und am Abstecken der Verantwortlichkeiten. Ich bin Trainer in Russland mit klarer Weltcup-Team-Zugehörigkeit. Zu zweit haben wir doch sehr viel Power, die es zu nutzen gilt.

Welche Zuständigkeiten und Aufgaben haben Sie konkret?
Ich bin verantwortlich für die Planung der Trainingsinhalte und Kursprogramme, Test - und Videowesen, Auswertungen, Organisationen des Weltcup Teams. Unser Ziel ist aber auch, dass wir mittelfristig im Bereich Nachwuchs-Juniorenförderung und in der Trainerausbildung der russischen Coaches einige Anker setzen können. Hier bin ich auch gefragt, zumal ich diesbezüglich ja in der Schweiz auch einige Erfahrungen sammeln konnte.

Wer ist Ihnen vorgesetzt, mit wem müssen Sie Ihr Vorgehen absprechen?
Wir haben die Möglichkeit einen etwas anderen Weg zu gehen, als ich bisher gewohnt war. Mit der Firma Bionorica habe ich einen unglaublich starken Partner im Rücken. Bionorica ist Marktführer für pflanzliche Arzneimittel in Deutschland und auch in Russland wahnsinnig erfolgreich, und dazu der wichtigste Partner für mich die nächsten zwei Jahre. Dazu kommt das Netzwerk Bionorica-Adidas-Gazprom Germany, in das unser Tun eingebetet ist. Ich erlebe eine absolute Vollgas- Mentalität, die sehr erfolgshungrig ist. Genau darum geht es uns Trainern ja auch. Unsere Partner stehen voll hinter uns, aber reden uns nicht in die sportlichen Entscheidungen rein, besser geht es wohl kaum. Auch der russische Verband setzt sich stark für die Skispringer ein. Somit steht uns ein sehr wettbewerbsfähiges Umfeld zur Verfügung.

Wie ist die Zuständigkeit mit Wolfgang Steiert abgegrenzt?
Wir sind Partner und Dienstleister für die russischen Skispringer. Es soll eine lohnende Ergänzung werden. Wir haben beide total unterschiedliche Stärken, die wir so gebündelt in die russische Mannschaft einbringen können.

Sind Sie sein "Chef", Kollege, wie kann man es nennen?
Wir sind über die Jahre sicher gute Freunde geworden. Allerdings kann so eine Zusammenarbeit nicht nur auf bloßer Freundschaft bestehen. Die Vision, die uns antreibt, ist das Entscheidende. Wolfgang ist klar der Cheftrainer. Ich denke, solche Systeme sind neu, aber werden ja seit neustem auch in der Politik angewandt. In der Schweiz bin ich gewohnt, so zu arbeiten .

Wie viel Zeit verbringen Sie im Ausland und speziell in Russland? Ich bin natürlich wieder etwas mehr on the road. So werde ich an den Weltcups wieder präsent und aktiv sein. In Russland war ich noch nicht und werde wohl auch nicht in nächster Zeit hinfahren. Noch fehlt die optimale Infrastruktur dort. So werden wir vor allem in Finnland und im Schwarzwald anzutreffen sein. Wir wollen auf modernen Schanzen an unserer Technik feilen.

Wie viel ist von Ihren ehemaligen Aufgaben übriggeblieben? Arbeiten Sie noch direkt am Mann und wenn ja, mit wem?
Ja, natürlich arbeite ich mit dem ganzen A-Team zusammen. Wir werden in den nächsten Tagen eine Sichtung der besten russischen Nachwuchsspringer machen. So kommt evtl. das eine oder andere Talent zur bestehenden Mannschaft hinzu. Wir wollen zu den großen Teams im Skisprung gehören. Da reicht ein Trainer nicht mehr aus. Ich werde sehr viel in das Analyzing und in die direkte Zusammenarbeit an der Schanze investieren. Wichtig ist auch ein sauberes und zielorientiertes Powerprogramm. Da haben wir nun doch bereits ein paar wichtige Komponenten einfließen lassen. Aber auch die mentalen Komponenten werden mich intensiv beschäftigen. Dazu möchte ich jedoch das Team und die einzelnen Mentalitäten, Charakter und individuellen Stärken besser kennen lernen.

Was sind die ersten Projekte, an denen Sie aktuell arbeiten? Zurzeit natürlich unser erstes großes Camp in Finnland. Wir werden dort zusammen mit 10 russischen Coaches und etwa 30 Athleten einen ersten Basislehrgang absolvieren. Also sind doch ein paar intensive Abende im Team und unter uns Coaches zu planen.

Zum Schluss: Was sagt Ihre Frau dazu, dass Sie nun wieder so viel auf Achse sind statt in Einsiedeln um die Ecke?
Wir haben natürlich im Vorfeld sehr viel darüber gesprochen. Es gibt immer Chancen und Gefahren, aber ich denke, dass sie sich sehr über meine neue Aufgabe freut. So ist es auch an mir wieder vermehrte Einzahlungen aufs „Beziehungskonto“ einzugeben…Da meine Frau einmal sechs Jahre Russisch in der Schule hatte, wird vieles sicher auch für sie sehr spannend.

(aw)












(c) Text + Bilder
skispringen.com

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