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  21.10.02: Skispringen.com - Hintergrundstory exklusiv

Ein Erlkönig sorgte für Erfolge im Sommer

Clint Jones, Roar Ljøkelsøy und Bjørn Einar Romøren hatten ihn.
Andreas Kofler, 18-jähriger Senkrechtstarter aus Österreich hatte ihn und Martin Koch hatte ihn.
Von außen waren keine Unterschiede zu den Skiern zu erkennen, die die Athleten auch im letzten Winter verwendet hatten.
Das Innenleben war allerdings im Vergleich zu den älteren Skiern dramatisch verändert.

Während des Sommer-Grand-Prix 2002 testete Fischer einen neuen, revolutionären Ski - in cognito allerdings.
Denn so sicher war man sich der Sache nun auch wieder nicht. "Nicht nur die FIS kann im Sommer mit den Regeln herumexperimentieren, auch wir haben im Sommer ein perfektes Testfeld", verrät Franz Gattermann, nordischer Rennsportleiter bei Fischer, jetzt, wenige Tage bevor die neuen Skimodelle an die Athleten ausgeliefert werden.

Um die neue Technik des neuen Skis zu verstehen, muss man zunächst einen kleinen Basislehrgang im Skibau absolvieren:
wie bei einem Sandwich werden Schichten übereinander gelegt, allerdings statt Käse, Schinken und Salat handelt es sich hier um raffiniert gewählte Materialen, die eines über der anderen geschlichtet, dann in eine Presse kommen, um dort unter höchsten Temperaturen quasi "getoastet" zu werden.

Nun hat sich in den neuen Ski eine zusätzliche Schicht eingeschlichen, deren Beschaffenheit dem Geigenbau entnommen ist.
Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht, denn Fischer brachte im Vorjahr bereits einen Alpinski namens "Stradivari" auf den Markt, der die Vibrationen, die entstehen, wenn der Ski über den Schnee gleitet, harmonisiert.
Neu ist die Überlegung, diese Technik auch im Skisprung anzuwenden.
Wer kennt nicht die Zeitlupenbilder von den auf und ab schwingenden Sprunggeräten nach dem Absprung?
Genau diese Schwingungen sollen neutralisiert werden und somit ein besseres Flugverhalten entstehen, verspricht jener "Guru aus Deutschland, der aus dem Musikinstrumentenbau kommt". Konkreter will Franz Gattermann nicht werden.
Die Schicht, die wie ein in Plastik gegossenes Metallgitter aussieht und in den Ski eingebaut wird, wurde von eben diesem Guru genau berechnet, designed und für Fischer patentiert.

Frequency Tuning heißt es, und es ist eine Technologie, die auch im Bau von Musikinstrumenten und Konzertsälen für einen perfekten Sound sorgt.
Durch Frequency Tuning werden hochfrequente Schwingungen in zusätzliche Energie umgewandelt. Anders als bei bisherigen Systemen dämpft Frequency Tuning den Ski nicht, sondern wandelt störende Schwingungen in positive Energie um.
Mittels dieser Technologie wird der Absprungimpuls harmonisiert - dem Springer ist es möglich, schneller in die optimale Sprungposition zu gehen.

Äußerlich ist dem Ski kein Unterschied anzumerken; im Sommer wurde das Gitternetz einfach in einen Ski mit dem alten Design eingebaut, und fertig war der Wolf im Schafspelz, der aus Clint Jones den Podestplatzspringer machte. Der Ski der es Romøren, Koch und Kofler ermöglichte für Furore zu sorgen.

Das Modell für den Winter, das neben Martin Koch und Andreas Kofler auch Andreas Goldberger bereits für sich beansprucht hat, wird natürlich in neuem, modernen Design erscheinen.

Sollte der Ski im Winter halten was er im Sommer versprochen hat, könnte es dem einen oder anderen Superstar, der langfristig an andere Hersteller gebunden ist, mulmig werden...

Auch Alex Herr aus dem DSV Team hat sich inzwischen für die neuen Ski entschieden.
 

Clint Jones

Andreas Kofler

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