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Im Rahmen des FIS Sommer Grand Prix probiert der Internationale Skiverband eine grundlegend Regeländerung aus. Ende Juli veröffentlichte die FIS ein fünfseitiges "Fact Sheet" zum Thema. Es soll erklären, warum es nicht notwendig ist, einen Skisprung-Durchgang bei gleichbleibender Anlauflänge durchführen zu müssen.
Ansatzpunkt der Überlegungen für eine variable Anlauflänge war, dass häufig die überragenden Springer wie Janne Ahonen oder Gregor Schlierenzauer für die Wahl der Startluke verantwortlich waren. Nicht so gute Athleten hatten mit dieser für sie zu kurzen Anlauflänge keine Chance auf schöne Weiten. Außerdem müssen immer wieder Durchgänge aufgrund von Windveränderungen abgebrochen oder neu gestartet werden. Das soll sich nun ändern, indem die Anlauflänge variabel angepasst wird und die Punkte anhand einer mathematischen Formel errechnet werden. In diese Berechnung fließt nicht nur die gewählte Anlauflänge, sondern auch die Windstärke hinein.
FIS-Renndirektor Walter Hofer sieht dem Testlauf für diese neue Regel erwartungsfroh entgegen und erklärt, dass es keine Veränderung der Anlauflänge nach jedem Springer geben wird. "Es ist klar, dass es eine Inflation an Lukenveränderungen nicht geben darf und wird. Wir denken, dass bei 30 Wettkämpfen die Trainer vielleicht drei oder vier Mal eingreifen werden. Denn die Jury gewinnt durch das neue Reglement in Extremsituationen größeren Handlungsspielraum und kann mit dem Balken hinauf- oder hinunterwandern, der Trainer darf den Anlauf hingegen nur verkürzen." Hofer erklärt weiter, dass das neue Reglement nicht in allen schwierigen Situationen eingreifen wird. "Unterschiedliche Bedingungen in der Anlaufspur können mit dem neuen System nicht kompensiert werden. Wenn beispielsweise die Spur langsamer wird aufgrund von Schneefall können wir nicht einfach den Anlauf verlängern, da der Sportler ja dann von unseren mathematischen Formeln her automatisch benachteiligt würde."
Nicht sehr begeistert von der neuen Regel zeigen sich bisher einige Athleten, wie DSV-Adler Martin Schmitt. „Der Gedanke, fairere Bedingungen zu schaffen, ist sicher richtig. Aber bei dieser Variante habe ich Bedenken. Es ist vor allem für die Zuschauer schwer nachvollziehbar. Momentan springt einer weit, alle jubeln. Mit dem neuen System springt einer weit, alle jubeln und plötzlich sagt der Stadionsprecher ´War doch nicht so toll. Der ist 10 Punkte hinten dran´. Am Ende macht man so den Sport kaputt. Denn der lebt von Emotionen.“ Auch sein österreichischer Kollege Gregor Schlierenzauer ist in Bezug auf die neue Regel skeptisch. "Die neuen Regeln gefallen mir nicht sonderlich, da ich befürchte, dass die Wettbewerbe in eine taktische Angelegenheit, inszeniert von Trainern und Athleten, enden können. Zudem soll man äußere Verhältnisse nicht dem Computer und dessen Berechnungen überlassen. Drittens, der Zuschauer wird noch weniger Einsichten bekommen und sich wundern, wenn der Athlet mit einem kürzeren Sprungversuch gewinnt. Gewinnen soll jender, der am weitesten springt, der Show bietet!"
Ob die neue Anlauf-Regel nach dem Sommer auch im Winter eingesetzt wird, ist laut Renndirektor Hofer noch vollkommen offen. "Vielleicht ergibt sich eine partielle Veränderung des aktuellen Weltcup-Reglements, vielleicht wird das neue Reglement auch verworfen. Wir wissen nur, dass es - derzeit zumindest auf dem Papier - ein großer Schritt nach vorne hinsichtlich Sicherheit und Fairness im Skisprung wäre."
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