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Alexander Herr, aktuelles Mitglied des Deutschen
A-Kaders und neben Michael Neumayer und Georg
Späth bester Springer des DSV im Sommer-Grand-Prix
2004. Wie der Rest der deutschen Mannschaft
blickt Herr auf einen durchwachsenen Sommer
2004 zurück: "Natürlich waren
die Ergebnisse in diesem Sommer enttäuschend",
sagt Herr.
Dabei hatte der Sommer für den 25-jährigen
so verheißungsvoll begonnen, wie der vergangene
Winter aufgehört hatte. Konstante Form,
gute und weite Sprünge.
Die erste Station des Sommers 2004 war Oberstdorf
- Deutsche Meisterschaft. Dort konnte Herr nahtlos
an seine Spitzenleistungen aus dem vergangenen
März anknüpfen:
Überlegen sicherte er sich den Titel des
Deutschen Meisters, wobei Herr rückblickend
sagt: "Natürlich war das ein schöner
Erfolg, die Platzierung war mir aber relativ
egal, wichtiger war für mich, dass die
Sprünge durchweg gut und vor allem konstant
waren. Es war eine Bestätigung meines Trainings".
Folgerichtig reiste Herr mit hohen und gleichzeitig
realistischen Erwartungen zum Auftakt des Sommer-Grand-Prix
nach Hinterzarten.
"Ich hatte aus dem Verlauf des Sommers
Vergleichsmöglich-
keiten mit Adam Malysz und den Österreichern.
Wir hatten bereits gemeinsam trainiert und ich
wusste, dass ich mithalten konnte. Ich bin mit
der Zielsetzung in Hinterzarten angetreten,
um die Podestplätze mitzuspringen".
Trainingssprünge und Qualifikation von
Hinterzarten bestätigten Herr in dieser
Meinung: Platz 5 in Trainingsdurchgang 1, Platz
5 in Trainingsdurchgang 2, Platz 2 in der Qualifikation
- der Lokalmatador gehörte zu den Favoriten.
Im Wettkampf am Samstag kam dann aber alles
ganz anders, Platz 10 nach Durchgang 1 - am
Ende Platz 17.
"Das hatte verschiedene Gründe. Die
Spitze ist extrem dicht zusammen und wenn man
dann keine guten Bedingungen hat, hat man wenig
Chancen. Ich hatte bei meinem ersten Sprung
schlechte Bedingungen und das Ergebnis war Platz
10.
Beim zweiten Sprung habe ich es dann wohl auch
mit Gewalt versucht. Das Ergebnis war ein indiskutabler
Platz und tiefe Enttäuschung. Beim Teamspringen
am Sonntag war der erste Durchgang wieder in
Ordnung, im zweiten Versuch wollte ich dann
vermutlich wieder zuviel....
Keine Frage, beim Mannschaftsspringen haben
wir uns alle nicht gerade mit Ruhm bekleckert".
In den zweiten Wettkampf nach Courchevel ging
Herr aber dennoch optimistisch, das Niveau seiner
Sprünge war gut, es galt jetzt diese Qualität
der Sprünge beim Wettkampf umzusetzen.
"Ich war auch vor Courchevel gut drauf,
es war aus meiner Sicht ein realistisches Ziel,
auch in Courchevel um Spitzenplätze zu
kämpfen. Beim Training lief es dann noch
gut, es hatten sich allerdings kleine Fehler
in meinem Sprungsystem eingeschlichen, das hatte
ich gemerkt. Beim Versuch diese Fehler abzustellen,
erreichte ich aber das Gegenteil". Als
Folge kam Herr in Courchevel auf Platz 27, eine
weitere Enttäuschung.
"Dieses Spiel setzte sich dann in Zakopane
fort. An den Tagen an denen wir dort trainiert
haben, bin ich reihenweise auf 130 Meter gesprungen,
dann kam der Wettkampf und es lief nicht - Platz
20.
Die Form war durchgehend gut, aber mit solchen
Ergebnissen sinkt dann einfach zwangsläufig
das Selbstvertrauen. Predazzo und Innsbruck
waren eigentlich nur Springen bei denen ich
dabei war, ich war wirklich frustriert über
die Ergebnisse des Sommers bis dorthin",
resümiert Herr den Sommer-Grand-Prix 2004.
Kann es sein, dass Alex Herr verkrampft, sich
zu sehr unter Druck setzt, wenn es um Punkte
geht?
"Aus meiner Sicht ist das Gegenteil der
Fall", sagt Alex Herr. "Die Leute
sagen immer zu mir: Du musst locker sein, wenn
du oben sitzt, einfach nur locker. Aber ich
bin total locker, inzwischen glaube ich schon,
dass ich zu locker bin, wenn es um die Wurst
geht".
Seit diesem Sommer ist ein Psychologe beim Team,
der die Athleten unterstützen soll, wie
sind Deine Erfahrungen in diesem Bereich?
"Es ist kein Psychologe, sondern ein Motivationstrainer.
Er war bisher erst zwei Mal dabei und wir haben
uns in Zakopane etwas länger unterhalten,
dazu möchte ich im Moment noch nichts sagen".
Auf die beiden abschließenden Springen
des Sommer-Grand-Prix in Japan wird Alex Herr
verzichten, der Sommer ist, was Wettkämpfe
angeht, aus seiner Sicht also abgeschlossen.
"Inzwischen stimmt meine Form wieder, ich
spüre, dass der Wendepunkt überschritten
ist. Ich werde in den kommenden Wochen wie gewohnt
in Ruhe, also alleine trainieren und dann bei
den ersten Schneesprüngen wieder zum Team
stoßen.
Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig auf den
Winter und bin mir ganz sicher, dass im Winter
gute Ergebnisse herausspringen. Meine Motivation
ist, nicht zuletzt wegen der WM in Oberstdorf
optimal."
Wen siehst Du für den kommenden Winter
als größte Konkurrenz?
Da sind eine ganze Menge Athleten die stark
sind, die Österreicher natürlich,
die Norweger - da muss auch der Björn-Einar
nicht tief stapeln (siehe unser Romoeren-Interview),
wenn er nur Adam Malysz und Thomas Morgenstern
als Favoriten nennt. Aber Adam befindet sich
natürlich in einer bestechenden Form.
Sicher werden auch die Finnen wieder stark sein,
man hat ja gesehen, was Janne Ahonen in Innsbruck
abgeliefert hat.
Und die Japaner - das ist beeindruckend, was
die in diesem Sommer zeigen. Die muss man auf
jeden Fall auch auf der Rechnung haben".
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