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  Interview Andi Goldberger / 24.09.2003
  "Ein Platz unter den ersten fünf ist Saisonziel"


Er muss selbst zurückdenken um sich zu erinnern, wann er das letzte Mal in seiner langen sportlichen Karriere so locker und gelöst war wie in diesen Tagen. Und wahrscheinlich weiß er es selbst nicht so genau. Andreas Goldberger, mit 30 Jahren der Senior in der internationalen Skisprung-Elite, aber nach körperlichem Aussehen nicht älter als sein Red-Bull-Kollege Thomas Morgenstern (16, wird am 30. Oktober 17), setzt zu neuen Höhenflügen an.
Derzeit trainiert der Oberösterreicher in Lahti, und von dort berichtet er: Sturmwarnung am Dienstag, mit Wind-geschwindigkeiten von 25 m/Sek., Abbruch der Übungen nach einigen Sprüngen unter erschwerten Bedingungen: "Macht nix, auch im Winter herrschen zuweilen schwere Verhältnisse, da muss man durch!"

"Der Sommer gibt mir Mut für die Zukunft"
Goldberger schwebt (oder springt?) auf Wolke sieben.
Die Operation an der linken Schulter im Frühjahr, der dreimonatige, oftmals nervtötende Krankenhausaufenthalt, die erste Phase der Therapie - all dies ist Vergangenheit.
Die Gegenwart heißt: Sprungtraining seit Anfang Juli, Verzicht auf den ersten Teil des Sommer-Grand-Prix ("weil ich für Wettkampfsprünge einfach nicht vorbereitet war"), gutes Austesten des Materials, tadelloser Einstieg in die Konkurrenzen von Predazzo und Innsbruck. "Ich war einigermaßen mit dabei", resümiert der sympathische Sportler, "überbewerten will ich meine Ergebnisse, Elfter in Italien, Siebter am Bergisel, aber auch nicht.
Viele werden noch mit dem Material ihre Probleme gehabt haben, und der Anlauf war extrem lang. Nimm ein oder zwei Stundenkilometer Fahrt weg, und die Sache sieht auch schon anders aus! Doch was mich am meisten freute: ich hatte nicht nur einen oder zwei gute Wettkampfsprünge, sondern war auch im Training mit dabei. Nicht meine Platzierungen, Moment- aufnahmen, sind wichtig, sondern die dabei an den Tag gelegte Konstanz. Das gibt Mut für die Zukunft!"

"Meine Lebensqualität ist gestiegen"
Rund 200 Sprünge hat Andreas Goldberger seit dem 1. Juli absolviert, unter der Aufsicht von Teamchef Hannu Lepistö oder in der Gruppe von Alex Dieß, Cotrainer des B-Kaders und in Rif beheimatet.
"Bis der Weltcup losgeht, werden es schon rund 300 Versuche sein, die ich hinter mir habe. Das muss ausreichen, wenn die Qualität stimmt. Auf diese kommt es nämlich an, nicht auf die Quantität." Goldberger strahlt Zuversicht aus, die gemischt ist mit einer Brise Euphorie. "Meine Grundform stimmt. Körperlich bin ich gut drauf. Jeder Trainingstag verbessert meine Stimmung, auch wenn die Bewegungsfreiheit an der Schulter noch nicht ganz gegeben ist. Schwere Dinge heben kann ich noch nicht - und einen Handstand machen auch noch nicht. Aber das muss ich auch nicht. Die therapeutischen Übungen, die täglich mindestens eine halbe Stunde in Anspruch nehmen sollten, nehme ich jedenfalls sehr ernst und versuche, sie gewissenhaft zu machen. Und zuviel kann man in der Rehabilitation nie tun!"

Golf (Handicap 16) und Tennis kann der gebürtige Waldzeller bereits wieder spielen, bei Fuß- und Volleyball hält er sich derzeit noch zurück. "Aber ich fühle mich wohl, ich habe keine mentalen Sperren mehr. Ich denke nicht andauernd daran, dass ich mich verletzen könnte oder dass ich die eine oder andere Bewegung nicht ausführen soll oder darf oder kann. Meine Lebensqualität ist gestiegen - und das ist ein Umstand, um den ich unheimlich dankbar bin."

Weiter mit Teil 2 des Interviews
 









 
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