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Er muss selbst zurückdenken um sich zu
erinnern, wann er das letzte Mal in seiner langen
sportlichen Karriere so locker und gelöst
war wie in diesen Tagen. Und wahrscheinlich
weiß er es selbst nicht so genau. Andreas
Goldberger, mit 30 Jahren der Senior in der
internationalen Skisprung-Elite, aber nach körperlichem
Aussehen nicht älter als sein Red-Bull-Kollege
Thomas Morgenstern (16, wird am 30. Oktober
17), setzt zu neuen Höhenflügen an.
Derzeit trainiert der Oberösterreicher
in Lahti, und von dort berichtet er: Sturmwarnung
am Dienstag, mit Wind-geschwindigkeiten von
25 m/Sek., Abbruch der Übungen nach einigen
Sprüngen unter erschwerten Bedingungen:
"Macht nix, auch im Winter herrschen zuweilen
schwere Verhältnisse, da muss man durch!"
"Der Sommer gibt
mir Mut für die Zukunft"
Goldberger schwebt (oder springt?) auf Wolke
sieben.
Die Operation an der linken Schulter im Frühjahr,
der dreimonatige, oftmals nervtötende Krankenhausaufenthalt,
die erste Phase der Therapie - all dies ist
Vergangenheit.
Die Gegenwart heißt: Sprungtraining seit
Anfang Juli, Verzicht auf den ersten Teil des
Sommer-Grand-Prix ("weil ich für Wettkampfsprünge
einfach nicht vorbereitet war"), gutes
Austesten des Materials, tadelloser Einstieg
in die Konkurrenzen von Predazzo und Innsbruck.
"Ich war einigermaßen mit dabei",
resümiert der sympathische Sportler, "überbewerten
will ich meine Ergebnisse, Elfter in Italien,
Siebter am Bergisel, aber auch nicht.
Viele werden noch mit dem Material ihre Probleme
gehabt haben, und der Anlauf war extrem lang.
Nimm ein oder zwei Stundenkilometer Fahrt weg,
und die Sache sieht auch schon anders aus! Doch
was mich am meisten freute: ich hatte nicht
nur einen oder zwei gute Wettkampfsprünge,
sondern war auch im Training mit dabei. Nicht
meine Platzierungen, Moment- aufnahmen, sind
wichtig, sondern die dabei an den Tag gelegte
Konstanz. Das gibt Mut für die Zukunft!"
"Meine Lebensqualität
ist gestiegen"
Rund 200 Sprünge hat Andreas Goldberger
seit dem 1. Juli absolviert, unter der Aufsicht
von Teamchef Hannu Lepistö oder in der
Gruppe von Alex Dieß, Cotrainer des B-Kaders
und in Rif beheimatet.
"Bis der Weltcup losgeht, werden es schon
rund 300 Versuche sein, die ich hinter mir habe.
Das muss ausreichen, wenn die Qualität
stimmt. Auf diese kommt es nämlich an,
nicht auf die Quantität." Goldberger
strahlt Zuversicht aus, die gemischt ist mit
einer Brise Euphorie. "Meine Grundform
stimmt. Körperlich bin ich gut drauf. Jeder
Trainingstag verbessert meine Stimmung, auch
wenn die Bewegungsfreiheit an der Schulter noch
nicht ganz gegeben ist. Schwere Dinge heben
kann ich noch nicht - und einen Handstand machen
auch noch nicht. Aber das muss ich auch nicht.
Die therapeutischen Übungen, die täglich
mindestens eine halbe Stunde in Anspruch nehmen
sollten, nehme ich jedenfalls sehr ernst und
versuche, sie gewissenhaft zu machen. Und zuviel
kann man in der Rehabilitation nie tun!"
Golf (Handicap 16) und Tennis kann der gebürtige
Waldzeller bereits wieder spielen, bei Fuß-
und Volleyball hält er sich derzeit noch
zurück. "Aber ich fühle mich
wohl, ich habe keine mentalen Sperren mehr.
Ich denke nicht andauernd daran, dass ich mich
verletzen könnte oder dass ich die eine
oder andere Bewegung nicht ausführen soll
oder darf oder kann. Meine Lebensqualität
ist gestiegen - und das ist ein Umstand, um
den ich unheimlich dankbar bin."
Weiter
mit Teil 2 des Interviews 
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