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   Skispringen.com Interview - Stephan Hocke: 13.07.2004
  "Die Stimmung im Team ist hervorragend"

Als im Winter 2001/2002 der damals 18-jährige Stephan Hocke seinen ersten Weltcup-Sieg in Engelberg landen konnte, versetzte er sowohl Fachleute als auch Fans in Entzücken.
Knapp zwei Monate später dann der Gewinn der Olympischen Goldmedaille mit dem DSV-Team in Salt Lake City.
Am Ende der Saison 01/02 ein Platz in den Top-Ten des Gesamtweltcups.
Vom Jahrhunderttalent wurde bereits gesprochen, in jedem Fall war ein neuer Star im deutschen Skispringen geboren - und die damit verbundenen Erwartungen.

Den Traumwinter 2001/02 konnte Stephan 'Honk' Hocke dann allerdings in Folge nicht bestätigen. Mit den Plätzen 52. (2002/2003) und 34. (2003/2004) im Gesamtweltcup landete der Thüringer auf dem harten Boden der Skispringer-Realität.

Doch Hocke ist nicht nur ein Ausnahmeskispringer, er ist auch einer der mit sportlichen Rückschlägen umgehen kann.
Hocke hat nach wie vor spürbaren Spaß beim Skispringen, daran haben auch die vergangenen beiden Jahre nichts geändert. Mit der ihm eigenen Lockerheit blickt Hocke zurück - und nach vorne.

"Der Medienrummel kam nicht zu früh"
Kann es sein, dass der Sieg in Engelberg (2001) und der damit verbundene Medienrummel rückblickend zu früh kam?
"Auf keinen Fall", sagt Hocke. "Für mich war es einfach ein schönes Erlebnis und der Medienrummel hat mich noch nie sonderlich interessiert. Im Skispringen gibt es nun mal Hoch- und Tiefpunkte da muss man durch".

"Wenn man anfängt zu überlegen geht gar nichts mehr"
Woran liegt es dann nach Meinung von Stephan Hocke,
dass er die Ergebnisse der Saison 2001/2002 bisher nicht wiederholen/bestätigen konnte?
" Ich denke es sind mehrere Sachen zusammen gekommen. Erstens diverse Verletzungen kurz vor Saisonbeginn und zweitens Materialprobleme. Wenn am Anfang der Saison nicht alles stimmt, ist es schwer seinen Rhythmus zu finden, da bei dem engen Terminplan kaum Zeit zum trainieren bleibt .
Wenn man dann noch anfängt zu überlegen woran es liegt, geht beim Skispringen gar nichts mehr. Und aus einen Tief heraus zu kommen ist bekanntlich schwer".

"Wer schafft es schon, sein Hobby zum Beruf zu machen?"
Wie schwer ist es, sich nach einem 'Überwinter' für zwei Jahre im Mittelmaß wiederzufinden? Es ist bekannt, dass Stephan Hocke ein Ausnahmetalent ist, und, wenn alles stimmt, dauerhaft in die Top-Ten springen kann bzw. muss.
" Das ist normal, dass es schwer ist sich nach Rückschlägen neu zu motivieren, aber immerhin ist Skispringen etwas was mir Spaß macht, auch wenn es manchmal schlecht läuft.
Aber wer schafft es schon sein Hobby zum Beruf zu machen, so wie es bei mir der Fall ist, das ist schon Motivation genug. Außerdem ist es ja nicht immer schlecht gelaufen, im Training oder in einzelnen Wettkämpfen ging es auch schon wieder ganz gut. Aus solch kleinen Erfolgserlebnissen schöpft man Mut und Kraft, dies zeigt einem, dass man es doch noch kann, auch wenn man im nächsten Wettkampf wieder einen Rückschlag einstecken muss.

"Der Sturz hat mich nicht weiter gestört"
Im August 2003 stürzte Stephan Hocke wegen eines Materialfehlers in Innsbruck schwer. Wie lange bleibt so ein Sturz im Hinterkopf hängen? Bekommt man den Kopf wieder völlig frei von Erinnerungen an diesen Sturz?
"Es hat mich nicht weiter gestört, da es nicht mein Fehler war der zum Sturz geführt hat. Außerdem sind zum Glück keine bleibenden Schäden entstanden.
Die ersten Sprünge nach dem Sturz waren zwar komisch und haben ein wenig Überwindung gekostet, aber die Sicherheit ist dann schnell zurückgekehrt. Das einzige was ich jetzt anders mache ist: ich schau jetzt öfter nach ob auch alle Schrauben der Bindung fest sind".

"Es war wichtig den Trend zu stoppen"
Wie steht Stephan Hocke zur neuen Gewichtsregel?
" Auf jeden Fall positiv, auch wenn dadurch die größeren Springer etwas bevorteilt werden. Aber es war wichtig den Trend vom letzten Jahr zu stoppen, dass die Springer immer dünner werden".

"Die Stimmung in der Mannschaft ist hervorragend"
Wie lässt sich denn derzeit die Stimmung im Team beschreiben?
"Die Stimmung ist zur Zeit hervorragend. Wir haben jede Menge Spaß auf Lehrgängen und verstehen uns auch alle prima".

"Lieber ist mir, der Sommer ist schlechter und der Winter besser"
Welche Ergebnisse möchte Stephan Hocke im Sommer erreichen, also in Platzierungen ausgedrückt.
" Wenn ich immer unter die ersten 30 komme, wäre es schon okay für den Sommer, wir sind ja noch in der Vorbereitungsphase und springen den Grand Prix aus dem Training heraus. Lieber ist mir, die Platzierungen im Sommer sind schlechter, aber dafür im Winter um so besser".

"Es braucht konstante Platzierungen in den Top-20"
Und im kommenden Winter, wenn die WM in Oberstdorf ansteht?
"Ganz klar die Teilnahme an der WM in Oberstdorf 2005, und in der Gesamtwertung der Vierschanzen-Tournee möchte ich mich im vorderen Drittel platzieren.
Um dies zu schaffen, braucht es konstante Platzierungen unter den Top 20, aber grundsätzlich kann ich für mich sagen, dass ich mir die Ziele von Weltcup zu Weltcup neu stecke, je nach dem wie die Form ist".

Zu wünschen ist dem Mann vom WSV Oberhof, dass er diese Ziele erreicht.
Seine blendende Laune an den Schanzen ging nämlich im Gegensatz zu seinen Platzierungen nie nach unten. Hocke hat Spaß am Skispringen, und die Zuschauer haben - zurecht - Spaß an Stephan Hocke.
 


















 
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