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Er wird seinen 50. Geburtstag während der
Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Oberstdorf
in aller Stille feiern, weil er kein Mann großer
Auftritte oder großer Worte ist.
Walter Hofer, seit zwölf Jahren "Herr
der Schanzen" beschreibt im Interview mit
www.skispringen.com, was das Skisprungkomitee
der FIS dazu bewogen hat, erneute Regeländerungen
vorzunehmen, wie er Aktivitäten in China
und Russland rund um den Sprunglauf beurteilt
und was er sich von der neuen Saison erwartet.
Walter Hofer, nach den dürftigen Zuschauerzahlen
in Val di Fiemme und Innsbruck hat es einige
kritische Stimmen gegeben, die den Wert des
Sommer Grand Prix in Frage stellen.
Wie stehen Sie dazu?
Walter Hofer: "Wir
haben den Sommer Grand Prix sehr restriktiv
geplant, was die Anzahl der Wettkämpfe
betrifft - und wissen Sie was? Es gab genügend
Länder, die ein Springen hätten ausrichten
wollen. Wir von der FIS beschränkten uns
absichtlich auf vier Termine, es hätten
locker auch zehn sein können.
Wie es in Zukunft weiter geht? Diese Frage gebe
ich an die Mitgliedsverbände des Internationalen
Skiverbandes weiter.
Sie sind es, die für die weitere Entwicklung
des Sommerspringens gefragt sind".
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Der Sommer Grand Prix ist ja für die
FIS eine interessante Zeit des Testens. Neue
Regeln, neues Material werden ausprobiert.
Es gibt wieder andere Maße, die die Springer
beachten müssen. Der Anzug muss anliegend
sein, die Toleranz liegt bei sechs Zentimetern,
gemessen werden kann überall.
Der Laie stellt sich die Frage: ist es nun denn
nicht endlich genug mit den Neuerungen?
Walter Hofer: "Wenn
man sich erinnert, hat die Zeit der Reformen
begonnen, als wir im Skisprunglager mit dem
Thema Untergewichtigkeit konfrontiert wurden.
Vor drei oder vier Jahren hätten wir mit
radikalen Änderungen eine ganze Athletengeneration
ausradieren können.
Das wollten wir nicht, wir sind den Weg der
kleinen Schritte gegangen, und wir haben uns
auf den Anzug konzentriert, da dieser kostengünstiger
zu verändern ist als Sprungski oder Schanzenprofile.
Heuer mussten wir zwei anstelle von einem Schritt
machen, da unsere Regeln im Vorjahr von den
Mannschaften anders interpretiert worden waren.
Nun sehe ich nach den Beobachtungen im Sommer
unsere Bemühungen am Ziel: es wird nicht
noch mehr Einschnitte geben im Materialsektor,
weil wir ansonsten riskieren, den K-Punkt bei
einem Rückenwindspringen nicht mehr zu
erreichen".
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Das neue Material macht eine größere
Anlaufgeschwindigkeit von einem bis 1,5 Stundenkilometer
notwendig. Was ändert sich?
Walter Hofer: "Der
Unterschied ist schnell erklärt.
Mehr Aerodynamik, gegeben durch einen großen
Anzug und ein leichtes Gewicht, bedeutete im
Vorjahr:
geringe Anlaufgeschwindigkeit, dadurch geringere
Absprunggeschwindigkeit, eine flache Flugkurve,
eine geringe Flughöhe und ein spitzer Landewinkel,
deswegen auch ein geringer Landedruck.
Sehr große Weiten können noch gestanden
werden, aber die Streuung zwischen den guten
und weniger guten Sprüngen ist sehr groß.
Nun haben wir mit den neuen Materialvorgaben
einmal mehr die Athletik forciert.
Dies bedeutet: eine größere Anlaufgeschwindigkeit
und dadurch eine größere Absprunggeschwindigkeit,
eine höhere Flugkurve, dadurch ein hoher
Luftstand, ein weniger spitzer Landewinkel,
dadurch auch ein hoher Landedruck.
Es können nicht mehr so große Weiten
gestanden werden, aber durch die geringere Streuung
des Feldes wird der Wettkampf spannender. Das
gesamte Feld rückt enger zusammen, aber
große Weiten werden ausbleiben".
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Verstehen wir Sie richtig? Keine Schanzenrekorde,
keine Weltrekorde?
Walter Hofer: "In
der Theorie ist die Zeit der Rekordsprünge
und -flüge vorbei. Bei extrem guten Bedingungen
werden sicher große Weiten erreicht, aber
dann stellt sich ein anderes Problem: es wird
für den Akteur schwieriger, diese Versuche
zu stehen.
Das Springen wird jedenfalls spektakulärer,
aber nicht gefährlicher. In Innsbruck kam
das gesamte Feld über den
K-Punkt, aber kein einziger zu weit".
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Sie erklären, dass sich das Feld zusammenzieht.
Kann man da noch zwischen gutem und schlechtem
Sportler differenzieren?
Walter Hofer: "Auch
wenn der Unterschied in einem Durchgang zwischen
zwei Springern nicht mehr drei oder vier Meter
betragen wird wie im Vorjahr, sondern einen
oder zwei, so bleibt die Situation für
den schwächeren Springer gleich.
Es wird ihm genau so schwer fallen, den kleineren
Rückstand aufzuholen wie er im Vorjahr
chancenlos war, den größeren zu egalisieren.
Prinzipiell ist aber festzuhalten, dass wir
viel weniger schlechte Sprünge sehen werden,
und das wird unserer Disziplin sicherlich gut
tun".
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Wenn das Gros des Feldes auf den gleichen
Punkt hinspringt, muss angedacht werden, die
Weite nicht in halben Metern, sondern vielleicht
in Zentimetern zu messen.
Walter Hofer: "Messtechnisch
wären wir in der Lage, jeden Sprung bis
auf fünf Zentimeter Genauigkeit zu vermessen.
Doch dagegen spricht das biologische System
Mensch:
rund 1,60 bis 1,80 m groß, einen halben
Meter breit, 60 bis 70 kg schwer. Wo liegt der
Körperschwerpunkt? Wo messe ich was beim
Telemark-Aufsprung, den der eine in anderer
Form ausführt als der andere?
Ich bringe einen Vergleich: wenn der Speer in
der Erde steckt, kann die Weite auf den Zentimeter
genau bestimmt werden. Fällt er flach auf,
ist der Versuch ungültig. Fazit: Alles,
was bei uns Springern präziser ist als
ein halber Meter, ist derzeit nicht zielführend,
weil verzerrend".
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Vom Reglement zur Medizin: Bei den Alpinen
Skifahrern wird nunmehr auch auf das anabole
Steroid Tetrahydrogestrinon (THG) getestet.
Bei den Skispringern auch?
Walter Hofer: "Sicherlich.
Die Doping-Liste der Antidopingkommission WADA
gilt auch für uns. THG ist ein anaboles
Steroid, würde den Kraftaufbau unterstützen.
Wir sind aber froh, dass es derzeit strenge
Kontrollen gibt, dass wir aber noch keine positiven
Fälle hatten".
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Sie waren kürzlich in Moskau, und man
munkelt, dass es bald schon wieder Weltcupspringen
in Russland geben wird.
Wie konkret sind die Pläne?
Walter Hofer: "Derzeit
wenig konkret. Ich war in Moskau, um Lobbying
für den Skisprung-Sport zu betreiben.
Ich zeigte Funktionären des Nationalen
Olympischen Komitees, des Skiverbandes und politischen
Vertretern des Großraums Moskau auf, welch
Potenzial sie im Skispringen hätten.
Es gibt einige Schanzen, und es gibt eine glanzvolle
Vergangenheit mit Springern wie Zakadse, Kamenski
oder Napalkov. Es ist die Aufgabe der FIS, Länder
auf ihre Tradition im Nordischen Skisport aufmerksam
zu machen und sie zu unterstützen.
Ich glaube, dass in drei bis fünf Jahren
in Russland internationale Wettbewerbe stattfinden
könnten.
Im nächsten Frühjahr werde ich mich
drei Tage in Moskau aufhalten, potenzielle Wettkampfstätten
besichtigen und mit Rat und Tat bei der Ausarbeitung
eines konkreten Plans zur Verfügung stehen".
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In Dubai soll ja auch eine Sprungschanze
entstehen...
Walter Hofer: "Das
ist ein Projekt Dritter, das nichts mit einem
nationalen Verband zu tun hat. In Moskau sind
die ersten Akzente gar von der FIS gesetzt worden.
Die FIS hat, wie in Polen oder anderswo, Initiativen
gesetzt, den ersten Vorstoß gemacht".
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Und wann wird in China gesprungen?
Walter Hofer: "Die
Schanze in Harbin wurde bereits in den 90-er
Jahren erbaut, es wurden dort auch Winter-Asienspiele
abgehalten. Doch ich sehe Russland mittelfristig,
China langfristig. Derzeit arbeitet der Verband
mit privaten Investoren aus der Wirtschaft und
Trainer Heinz Koch am Aufbau einer Mannschaft,
2006 wollen die Asiaten in Turin ein Team stellen.
Von Seiten des Internationalen Skiverbandes
erhält China alle Informationen, die benötigt
werden, und Kontakte laufen auf informativem
Wege. Aber ein Weltcupspringen in China?
Da vergehen, glaube ich, noch zehn Jahre".
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Von der Zukunft in die Gegenwart. Was sind
Ihre Erwartungen für die neue Saison?
Walter Hofer: "Ich
glaube an die Fortsetzung der Tendenz mit vielen
verschiedenen Siegern, an ein starkes Wiederaufleben
traditioneller Nationen wie Slowenien und Tschechien,
an eine starke zweite Garnitur Polens und an
Siege der Top-5-Nationen Deutschland, Österreich,
Finnland, Norwegen und Japan.
Was ich hoffe: dass neue Gesichter - Kokkonen,
Morgenstern, Romoeren - den Arrivierten das
Leben schwer machen, dass uns aber etablierte
Sportler leistungsmäßig nicht wegfallen
und als Opinion leaders erhalten bleiben. Wir
können nicht auf einen Ahonen oder Goldberger
oder Schmitt verzichten, und wollen es auch
nicht. Ob es ein Jahr des Umbruchs ist? Das
sage ich Ihnen in sechs Monaten..."
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Sie sind seit zwölf Jahren in der FIS
als Renndirektor tätig? Schon mal gedacht,
Ihre Tätigkeit zu beenden?
Walter Hofer: "Mein
Gott, zwölf Jahre. Mir kommt es vor, als
hätte ich diesen meinen Aufgabenbereich
gerade erst übernommen - zumindest sehe
ich noch gleich viel Arbeit vor wie hinter mir".
Walter Hofer, vielen Dank für das Gespräch
und viel Erfolg in der neuen Saison!
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