zurück zur
 Übersicht-Interview
 
 home
 Aktuelles
 Terminplan
 Ergebnisse
 Archiv
 Tickets/Reisen
  
 Interaktiv
 Gästebuch
 Forum
 Chat
 

  
 
  Im Gespräch: Stefan Horngacher (26.08.2002)
   Wechsel der Perspektiven

Stefan Horngacher ist nicht mehr einer der charismatischten Sportler im Springer-Zirkus, sondern einer der charismatischen Trainer der Szene.

Eine Einzelmedaille blieb ihm verwehrt
Der letzte, große Triumph war ihm verwehrt geblieben, obwohl Stefan Horngacher aus Wörgl in Tirol bis zuletzt darum gerungen hatte. "Eine Einzelmedaille bei einer Großveranstaltung, und dann aufhören", hatte er immer wieder im Kreise von Freunden und Journalisten deponiert.
Mannschaftsmedaillen? Ja, schon, gut - aber hatte er nicht schon 1991 in Val di Fiemme Gold gewonnen mit den Sportfreunden Heinz Kuttin, Andreas Felder und Ernst Vettori? Hatte er nicht 1993 Bronze bei der WM in Falun erobert, 1994 und 1998 Plaketten derselben Farbe bei Olympischen Winterspielen in Lillehammer und Nagano?


Es mag sein Fluch gewesen sein, oder sein Schicksal: Stefan Horngacher, der am 20. September 33 Jahre alt wird, ist bis zuletzt an seinem Ziel vorbeigesprungen: zurückgeworfen von Stilwechsel oder Viruserkrankungen, von Jury und Punktrichtern zu Fall gebracht, wie in Ramsau 1999 von der Normalschanze, verdrängt vom Mannschaftskollegen Martin Höllwarth, der sich in Lahti zwei Jahre später Bronze gesichert hatte auf dem kleinen Bakken, just vor Horngacher.

Mannschaftsmedaillen? Ja, schon gut - bei der Heim-WM
unter der Führung von Mika Kojonkoski Bronze, bei den Titelkämpfen in Finnland, die im Zeichen des bei einem Autounfall verstorbenen Cheftrainers Alois Lipburger standen, Bronze von der großen, Gold von der kleinen Schanze.

"Es ist schön ernst genommen zu werden"
Doch auch wenn Stefan Horngacher vielleicht um den gerechten Lohn seiner Bemühungen gebracht worden war, so erarbeitete er sich in seiner über zehnjährigen Weltcupkarriere viel wichtigeres: den Respekt der Szene, die Freundschaft von seinen Mannschaftsgefährten. "Es ist schön, wenn man von
jüngeren Springern ernst genommen wird, wenn man eine Art Vorbild ist", hatte er einmal gesagt. "In dieser Mannschaft fühle ich mich wohl."

Nun hat sich die Perspektive für den Familienvater, der seinem Traumberuf nachgehen kann, geändert. Er ist nicht mehr jener, der seinen Mitstreitern, falls gefragt, mit guten Ratschlägen zur Seite steht, sondern jener, der bei Notwendigkeit auch seine Meinung durchsetzen muss. Horngacher ist Trainer, nicht Sportler. Horngacher rät nicht, er entscheidet.
In dieser Woche befindet er sich in Stams, in den ersten Septembertagen wird vor dem Sommer-GP in Lahti ebendort trainiert. Sein Einstand als Betreuer verlief nach Maß. Das Trainerteam Österreichs, mit dem Finnen Hannu Lepistö an der Spitze, mit Heinz Kuttin und Stefan Horngacher, bejubelte drei Siege von Andreas Widhölzl.

"Die Zusammenarbeit mit Lepistö klappt hervorragend"
"Die Zusammenarbeit mit Lepistö klappt hervorragend", sagt
Horngacher. "Mein Aufgabenbereich ist das Material und die Analyse der Flugphase." Was der Tiroler optimal findet: "Ich kann meine Ideen einbringen, genieße großen Spielraum." Bei aller Freude an seiner Arbeit verheimlicht er jedoch nicht, das es irrsinnig anstrengend ist ("es gibt viel zu tun, mit der neuen Situation zu dealen") - aber es ist derzeit fruchtbringend.

Seinem Freund und Schützling Andreas Widhölzl attestiert Horngacher größtmögliche Zielstrebigkeit. Zu Saisonbeginn hätten sich Sportler und Trainer zusammengesetzt, Ziele ausgemacht, Strategien erarbeitet.
"Alles, was wir uns bisher vorgenommen haben, wurde 1:1 umgesetzt", sagt Horngacher, nicht stolz, wie er es sein könnte, sondern in aller Bescheidenheit und Demut. "Widhölzls Hauptproblem war, dass er einfach zu unstabil agierte. An
dieser Problematik haben wir den Hebel angesetzt, und zwar in allen Bereichen."

Doch Horngacher vergisst auch nicht Martin Hölwarth, Dritter von
Hinterzarten, zu erwähnen, oder Martin Koch oder Wolfgang Loitzl, oder junge Springer in seinem Team. Und er vergisst auch Andreas Goldberger nicht, mit dem er in den Jahren zuvor, als sie noch beide Athleten waren, einige Sträuße auszufechten hatten.

weiter 
 


Stefan Horngacher bei seinem letzten aktiven Einsatz in Oslo 2002




Stefan Horngacher und Hannu Lepistö
in Courchevel