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Als am Freitag und Samstag
in Seekirchen am Wallersee bei Salzburg die
Sportreferenten-Tagung im Nordischen Bereich
des Österreichischen Skiverbandes stattfand,
sinnierte Toni Innauer über Vergangenes
und Zukünftiges.
"Wir stehen vor einem Neustart, nachdem
wir wahnsinnig lange damit beschäftigt
waren, die letzten beiden Jahre aufzuarbeiten",
sagte Innauer im Gespräch mit skispringen.com
Ss.com: Auch wenn's weh tut:
wie sehen Sie die letzte Saison?
Toni Innauer:
"Es tut nicht besonders weh, denn wir haben
einen Großteil der Ziele erreicht, Medaillen
bei Skiflug-WM und Junioren-WM geholt, bei der
Vierschanzentournee und im Weltcup im Blickpunkt
gestanden.
Sicher, der Saisonabgang war jener einer Skisprungnation,
die wir sein wollen, unwürdig. Andreas
Widhölzl, Martin Höllwarth, Florian
Liegl traten ja gar nicht mehr zu den Konkurrenzen
an, und mit Trainer Hannu Lepistö gab es
einige Missstimmung.
Er war nicht auf unsere offizielle Linie zu
bringen gewesen. Tatsache ist: zwei, drei Sportler
hielten ein hohes Niveau - Höllwarth und
Morgenstern, Kofler bedingt -, viele andere
sind auf der Strecke geblieben".
Ss.com: Nun wird vieles anders.
Neue Trainer, neue Kader, neue Ziele.
Toni Innauer:"
Wir haben in allen Trainingsgruppen neue Mitarbeiter
und interessante Persönlichkeiten wie beispielsweise
Richard Schallert als Cotrainer von Alexander
Pointner. Für uns geht es um einen Neustart.
Es wird interessant zu sehen sein, wie sich
neue Leute bewähren und wie Kooperationen
zwischen den Trainingsgruppen funktionieren.
Für mich ist klar: die Zeit, in der wir
Trainer aus dem Ausland holten - Mika Kojonkoski
1997 zuerst, Hannu Lepistö 2002 dann -,
ist vorbei. Wir haben ein großes eigenes
Potenzial, wir haben junge Leute, die vielleicht
keinen Riesen-Namen haben, dafür aber viel
Engagement, Fachwissen und Systematik. Diesen
will ich den Rücken stärken, ehe ich
mich selbst, in zwei, drei Jahren wahrscheinlich,
aus dem ÖSV zurück ziehe".
Ss.com: Wie sehr schmerzt
der Umstand, dass nach Heinz Kuttin auch Stefan
Horngacher zu den Polen wechselte?
Toni Innauer:
Er schmerzte kurzfristig. Doch dann machte ich
mir klar, dass es eine Tatsache war, die im
Profisport immer normaler wird. Zudem muss man
schon sagen, dass Horngacher für die Cheftrainerposition,
wie kolportiert wurde, eher nicht in Frage gekommen
wäre. Alexander Pointner hatte im Gegensatz
zu Horngacher schon Hauptverantwortung getragen
im B-Kader, bringt Abgeklärtheit mit, und,
ganz wichtig: ging diesen Weg aus eigenem Antrieb
heraus.
Ss.com: Ein Blick in die Zukunft:
was sind die Ziele 2004/05?
Toni Innauer:
Das Ziel von uns Betreuern muss sein, professionell
und begeistert zu arbeiten, alle Athleten bestens
zu unterstützen. Das Ziel der Sportler
muss sein, es besser zu machen als im Winter
2003/04. Wir müssen unser gesamtes Potenzial
ausschöpfen und nicht jenes von einigen
wenigen. Den Umstand, dass Österreich seit
über 1000 Tagen, wie die Medien vorrechnen,
kein Tourneespringen mehr gewonnen hat, oder
dass wir den Gesamt-Weltcup seit der Hoch-Zeit
von Andreas Goldberger nicht mehr für uns
entschieden haben, sehe ich nicht als eine der
Kategorien, die sich auf die Psyche der Springer
legt. Das ist eher eine Kategorie für die
Statistiker im Umfeld unseres Sports. Selbstverständlich
wollen wir 2005 in Oberstdorf auch Medaillen
gewinnen bei der Weltmeisterschaft, in den Mannschafts-
wie Einzelbewerben. Aber das ist kein erklärtes
Ziel, das wird ohnehin von uns verlangt.
Ss.com: Wird Andreas Goldberger
der Skisprung-Szene als Sportler erhalten bleiben?
Toni Innauer:
Derzeit steht er im Nationalkader, er selbst
wird sich wohl im Juni, Juli entscheiden. Derzeit
weiß ich es nicht.
Ss.com: Sie waren immer schon
bekannt für innovative Wege. Welche werden
es in diesem Jahr?
Toni Innauer:
Wir werden was machen im Mentaltraining, aber
vor allem wollen wir trainingsbegleitende und
-unterstützende Maßnahmen, die in
den letzten beiden Jahren nicht genutzt wurden,
wieder vermehrt in unser System integrieren.
Die Methodik des Krafttrainings, dessen Diagnostik
und Steuerung, wurde schon zu Zeiten Kojonkoskis
an der Universität Innsbruck mit Harald
Pernitsch begonnen; diese Ressource lag dann
unter Lepistö brach. Wir werden sie wieder
mehr nutzen.
Ss.com: Abschließend
eine Frage zum neuen Reglement. Muss einer der
österreichischen Springer Gewicht "auftrainieren",
um den geforderten Body Mass Index von 18,5
zu erreichen?
Toni Innauer:
(lacht) Nein, diese Probleme haben wir nicht.
Ich finde die neue Regelung sehr gut, sie sorgt
im Rahmen der Möglichkeiten für Chancengleichheit
in dieser Sportart. Der menschliche Körper
gehört beim Skispringen zum Flugsystem,
er muss einbezogen werden in das Reglement.
Denn Gewichtslimitationen gibt es nicht nur
beim Boxen und Judo, sondern auch beim Segelfliegen
oder der Formel-1. Im Skispringen gehen wir
einen optimalen Weg, suchen nicht absolute Gewichtskategorien,
sondern relative. Ich als Vater eines Nachwuchsspringers
brauche mir keine Sorgen zu machen, dass sich
mein Sohn bei der Ausübung dieses Sports
zu Tode hungern soll oder muss. Und darüber
bin ich sehr glücklich.
Ss.com: Vielen Dank
für das Gespräch und viel Erfolg in
der Saison 2004/05
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