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   Interview - Toni Innauer: 16.05.2004
  "Die Zeit ausländischer Trainer in Österreich ist vorbei"

Als am Freitag und Samstag in Seekirchen am Wallersee bei Salzburg die Sportreferenten-Tagung im Nordischen Bereich des Österreichischen Skiverbandes stattfand, sinnierte Toni Innauer über Vergangenes und Zukünftiges.
"Wir stehen vor einem Neustart, nachdem wir wahnsinnig lange damit beschäftigt waren, die letzten beiden Jahre aufzuarbeiten", sagte Innauer im Gespräch mit skispringen.com

Ss.com: Auch wenn's weh tut: wie sehen Sie die letzte Saison?
Toni Innauer: "Es tut nicht besonders weh, denn wir haben einen Großteil der Ziele erreicht, Medaillen bei Skiflug-WM und Junioren-WM geholt, bei der Vierschanzentournee und im Weltcup im Blickpunkt gestanden.
Sicher, der Saisonabgang war jener einer Skisprungnation, die wir sein wollen, unwürdig. Andreas Widhölzl, Martin Höllwarth, Florian Liegl traten ja gar nicht mehr zu den Konkurrenzen an, und mit Trainer Hannu Lepistö gab es einige Missstimmung.
Er war nicht auf unsere offizielle Linie zu bringen gewesen. Tatsache ist: zwei, drei Sportler hielten ein hohes Niveau - Höllwarth und Morgenstern, Kofler bedingt -, viele andere sind auf der Strecke geblieben".

Ss.com: Nun wird vieles anders. Neue Trainer, neue Kader, neue Ziele.
Toni Innauer:" Wir haben in allen Trainingsgruppen neue Mitarbeiter und interessante Persönlichkeiten wie beispielsweise Richard Schallert als Cotrainer von Alexander Pointner. Für uns geht es um einen Neustart. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich neue Leute bewähren und wie Kooperationen zwischen den Trainingsgruppen funktionieren. Für mich ist klar: die Zeit, in der wir Trainer aus dem Ausland holten - Mika Kojonkoski 1997 zuerst, Hannu Lepistö 2002 dann -, ist vorbei. Wir haben ein großes eigenes Potenzial, wir haben junge Leute, die vielleicht keinen Riesen-Namen haben, dafür aber viel Engagement, Fachwissen und Systematik. Diesen will ich den Rücken stärken, ehe ich mich selbst, in zwei, drei Jahren wahrscheinlich, aus dem ÖSV zurück ziehe".

Ss.com: Wie sehr schmerzt der Umstand, dass nach Heinz Kuttin auch Stefan Horngacher zu den Polen wechselte?
Toni Innauer: Er schmerzte kurzfristig. Doch dann machte ich mir klar, dass es eine Tatsache war, die im Profisport immer normaler wird. Zudem muss man schon sagen, dass Horngacher für die Cheftrainerposition, wie kolportiert wurde, eher nicht in Frage gekommen wäre. Alexander Pointner hatte im Gegensatz zu Horngacher schon Hauptverantwortung getragen im B-Kader, bringt Abgeklärtheit mit, und, ganz wichtig: ging diesen Weg aus eigenem Antrieb heraus.

Ss.com: Ein Blick in die Zukunft: was sind die Ziele 2004/05?
Toni Innauer: Das Ziel von uns Betreuern muss sein, professionell und begeistert zu arbeiten, alle Athleten bestens zu unterstützen. Das Ziel der Sportler muss sein, es besser zu machen als im Winter 2003/04. Wir müssen unser gesamtes Potenzial ausschöpfen und nicht jenes von einigen wenigen. Den Umstand, dass Österreich seit über 1000 Tagen, wie die Medien vorrechnen, kein Tourneespringen mehr gewonnen hat, oder dass wir den Gesamt-Weltcup seit der Hoch-Zeit von Andreas Goldberger nicht mehr für uns entschieden haben, sehe ich nicht als eine der Kategorien, die sich auf die Psyche der Springer legt. Das ist eher eine Kategorie für die Statistiker im Umfeld unseres Sports. Selbstverständlich wollen wir 2005 in Oberstdorf auch Medaillen gewinnen bei der Weltmeisterschaft, in den Mannschafts- wie Einzelbewerben. Aber das ist kein erklärtes Ziel, das wird ohnehin von uns verlangt.

Ss.com: Wird Andreas Goldberger der Skisprung-Szene als Sportler erhalten bleiben?
Toni Innauer: Derzeit steht er im Nationalkader, er selbst wird sich wohl im Juni, Juli entscheiden. Derzeit weiß ich es nicht.

Ss.com: Sie waren immer schon bekannt für innovative Wege. Welche werden es in diesem Jahr?
Toni Innauer: Wir werden was machen im Mentaltraining, aber vor allem wollen wir trainingsbegleitende und -unterstützende Maßnahmen, die in den letzten beiden Jahren nicht genutzt wurden, wieder vermehrt in unser System integrieren. Die Methodik des Krafttrainings, dessen Diagnostik und Steuerung, wurde schon zu Zeiten Kojonkoskis an der Universität Innsbruck mit Harald Pernitsch begonnen; diese Ressource lag dann unter Lepistö brach. Wir werden sie wieder mehr nutzen.

Ss.com: Abschließend eine Frage zum neuen Reglement. Muss einer der österreichischen Springer Gewicht "auftrainieren", um den geforderten Body Mass Index von 18,5 zu erreichen?
Toni Innauer: (lacht) Nein, diese Probleme haben wir nicht. Ich finde die neue Regelung sehr gut, sie sorgt im Rahmen der Möglichkeiten für Chancengleichheit in dieser Sportart. Der menschliche Körper gehört beim Skispringen zum Flugsystem, er muss einbezogen werden in das Reglement. Denn Gewichtslimitationen gibt es nicht nur beim Boxen und Judo, sondern auch beim Segelfliegen oder der Formel-1. Im Skispringen gehen wir einen optimalen Weg, suchen nicht absolute Gewichtskategorien, sondern relative. Ich als Vater eines Nachwuchsspringers brauche mir keine Sorgen zu machen, dass sich mein Sohn bei der Ausübung dieses Sports zu Tode hungern soll oder muss. Und darüber bin ich sehr glücklich.

Ss.com: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der Saison 2004/05






























 
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