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   Skispringen.com Interview - Heinz Kuttin: 17.06.2004
  "Ein starkes Team bei Olympia ist das Ziel"

Seit knapp zwei Monaten ist der 1971 geborene Österreicher Heinz Kuttin Cheftrainer der polnischen Skispringer.
Nach einem Jahr als Trainer des polnischen B-Kaders trat Kuttin im April das Erbe von Apoloniusz Tajner an.
Jetzt sind alle Augen (und alle Erwartungen) in Polen auf den ehemaligen Weltklassespringer gerichtet.

ss.com: Mit welcher Zielsetzung ist Heinz Kuttin als polnischer Chefcoach angetreten?

Heinz Kuttin: "Das eigentliche Ziel ist mit den Olympischen Spielen 2006 klar definiert. Ein starkes Polnisches Team bei Olympia in Turin, das ist das Ziel unserer Arbeit.
Natürlich wollen wir mit Adam Malysz im kommenden Winter einen Platz unter den ersten fünf im Weltcup erreichen, und natürlich wollen wir die beiden WM-Titel von Adam Malysz in Oberstdorf verteidigen. Aber wir wollen auch ein konkurrenzfähiges Team".
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ss.com:Taucht damit nicht gleich eines ihrer größten Probleme auf? Benötigt der Weltklassemann Adam Malysz nicht eine höhere Aufmerksamkeit der Trainer als der Rest des Teams, um das extrem hohe Niveau zu halten auf dem er seit Jahren springt?

Heinz Kuttin: "Nein, im Prinzip ist das Gegenteil der Fall. Je besser ein Athlet springt, desto weniger Aufmerksamkeit und Unterstützung der Trainer benötigt er. Je schwächer einer springt, desto mehr kümmern wir uns um denjenigen. Falls natürlich einer dauerhaft im Leistungsniveau 'durchhängt', führt der Weg in den B-Kader und ein anderer rückt nach".
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ss.com: Das heißt also, dass beispielsweise Marcin Bachleda mehr Unterstützung des Trainers erhält als Adam Malysz?

Heinz Kuttin: "Wenn Adam so wie momentan in Top-Form ist, dann stimmt das. Allerdings testet Adam jetzt noch verschiedenes Material, in dieser Phase erhält er natürlich unsere erhöhte Aufmerksamkeit.
In zwei Wochen sollte Adam das Material gefunden haben, mit dem er beim Sommer-Grand-Prix startet. Er muss vor den Wettkämpfen drei bis vier Wochen Zeit haben, sich an dieses Material zu gewöhnen, dann ist es vom Timing optimal.
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ss.com: Wie steht es mit den Tests, wird Adam Malysz im kommenden Winter Elan oder Fisher Skier anschnallen?

Heinz Kuttin: "Das steht noch nicht fest, wir sind mit den Skiern bisher noch nicht auf einer Großschanze gesprungen. Es wird in jedem Fall alleine die Entscheidung von Adam sein welche Marke er wählt. Wichtig ist, dass er im Moment zwei erstklassige Produkte für die Tests zur Verfügung hat
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ss.com: Welche Platzierung ist Adam Malysz denn in diesem Sommer zuzutrauen?

Heinz Kuttin: "In seiner derzeitigen Verfassung wird er unter den ersten drei der Gesamtwertung landen, da bin ich mir sicher".
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ss.com: Wie wichtig ist der Sommer-Grand-Prix generell?

Heinz Kuttin: "Eigentlich ist es ein Training unter erschwerten Bedingungen, aber wenn man dabei ist möchte man natürlich auch gut abschneiden. Und, nicht zu vergessen: es geht um die Quote. Der Sommer zählt voll für die Quotenregelung der FIS. Wer im Sommer vorne dabei ist, bekommt wichtige Punkte für Startplätze im Winter, das macht den Sommer wichtig".
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ss.com: Ihr größter Erfolg im vergangenen Winter war zweifellos der Titel des Junioren-Weltmeisters von Mateusz Rutkowski. Dürfen wir Rutkowski in absehbarer Zeit dauerhaft in den Top-Ten des Weltcups erwarten?

Heinz Kuttin: "Mateusz hat zweifellos das Zeug Stammgast in den Top-Ten zu werden, aber er befindet sich im Moment in einer schwierigen Phase. Er muss an seiner Persönlichkeit arbeiten, unter anderem ist Mateusz einfach zu schwer.
Ich begrüsse wie die meisten anderen auch die neue Gewichtsregel, diese reglementiert nach unten, aber nach oben ist einfach aus physikalischen Gründen auch kein grenzenloser Spielraum. Mit einem BMI über 22 hast Du keine Chance in der Weltspitze".
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ss.com: Die Meldung, dass ihr ehemaliger ÖSV-Trainerkollege Stefan Horngacher das polnische B-Team trainieren wird, hat etwas überrascht, wie wichtig war diese Entscheidung für Sie persönlich?
Heinz Kuttin: "Das ist für mich der Idealzustand. Ich habe den Posten des Cheftrainers in Polen nur unter der Bedingung angenommen, dass ein fähiger Mann das Training des B-Kaders übernimmt. Die optimale Betreuung des B-Kaders ist ein ganz elementarer Baustein bei unserer Arbeit im Team".
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ss.com: Wie groß war ihr persönlicher Einfluss auf die Entscheidung von Stefan Horngacher?
Heinz Kuttin: "Sicher wusste der 'Steff', dass ich optimale Arbeitsbedingungen als Trainer in Polen hatte, wir unterhalten uns ja oft. Und ich wusste, dass er Interesse an einem Auslandsengagement hatte, so kam eben das Eine zum Anderen".
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ss.com: Ihr Vorgänger, Apoloniusz Tajner ist am Wochenende nicht ins Europaparlament gewählt worden. Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Tajner eine übergeordnete Aufgabe im polnischen Ski-Verband übernimmt. Wäre das hilfreich für Heinz Kuttin?
Heinz Kuttin: "Ich leite das Training in Eigenverantwortung und brauche keine Ratschläge, aber ich würde mich freuen, wenn Apoloniusz im Verband aktiv wäre, es gibt viel zu tun".
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ss.com: Wie zufrieden ist Heinz Kuttin am heutigen Tag mit dem 'Paket', also den Rahmenbedingungen, dem Umfeld, der Leistung und Motivation der Athleten etc. das ihm bei der Mission 2006 zur Verfügung steht auf einer Skala von eins bis zehn?
Heinz Kuttin: "Wenn ich es positiv sehe zwischen sechs und sieben. Es wird ein brutales Stück Arbeit, ich hänge mich voll rein, im Oktober will ich auf dieser Skala die Stufe neun erreicht haben, das müssen wir schaffen".

Kuttin lässt bei keiner seiner Antworten auch nur für den Bruchteil einer Sekunde Zweifel daran aufkommen, dass er den Erfolg will, und davon überzeugt ist, dass er den Erfolg erringen wird.

Die neue Position fordert nicht nur den exzellenten Skisprungtrainer Kuttin, sondern auch den Kämpfer Kuttin.
Dass er ein Kämpfer ist hat Kuttin in der Vergangenheit oft genug bewiesen.
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Heinz Ernst Kuttin, * 5. 1. 1971 Gassen (Kärnten),
Mehrfacher Juniorenweltmeister, 2-facher Weltmeister 1991 in Predazzo (Normalschanze und Mannschaft) (mit Ernst Vettori, Andreas Felder und Stefan Horngacher);
Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1992 in Courchevel auf der Großschanze und Silbermedaille mit der Mannschaft.
 





Marcin Bachleda




















 
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