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Seit knapp zwei Monaten ist der 1971 geborene
Österreicher Heinz Kuttin Cheftrainer der
polnischen Skispringer.
Nach einem Jahr als Trainer des polnischen B-Kaders
trat Kuttin im April das Erbe von Apoloniusz
Tajner an.
Jetzt sind alle Augen (und alle Erwartungen)
in Polen auf den ehemaligen Weltklassespringer
gerichtet.
ss.com: Mit welcher Zielsetzung ist Heinz Kuttin
als polnischer Chefcoach angetreten?
Heinz Kuttin:
"Das eigentliche Ziel ist mit den Olympischen
Spielen 2006 klar definiert. Ein starkes Polnisches
Team bei Olympia in Turin, das ist das Ziel
unserer Arbeit.
Natürlich wollen wir mit Adam Malysz im
kommenden Winter einen Platz unter den ersten
fünf im Weltcup erreichen, und natürlich
wollen wir die beiden WM-Titel von Adam Malysz
in Oberstdorf verteidigen. Aber wir wollen auch
ein konkurrenzfähiges Team".
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ss.com:Taucht damit nicht gleich eines ihrer
größten Probleme auf? Benötigt
der Weltklassemann Adam Malysz nicht eine höhere
Aufmerksamkeit der Trainer als der Rest des
Teams, um das extrem hohe Niveau zu halten auf
dem er seit Jahren springt?
Heinz Kuttin:
"Nein, im Prinzip ist das Gegenteil der
Fall. Je besser ein Athlet springt, desto weniger
Aufmerksamkeit und Unterstützung der Trainer
benötigt er. Je schwächer einer springt,
desto mehr kümmern wir uns um denjenigen.
Falls natürlich einer dauerhaft im Leistungsniveau
'durchhängt', führt der Weg in den
B-Kader und ein anderer rückt nach".
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ss.com: Das heißt also, dass beispielsweise
Marcin Bachleda mehr Unterstützung des
Trainers erhält als Adam Malysz?
Heinz Kuttin:
"Wenn Adam so wie momentan in Top-Form
ist, dann stimmt das. Allerdings testet Adam
jetzt noch verschiedenes Material, in dieser
Phase erhält er natürlich unsere erhöhte
Aufmerksamkeit.
In zwei Wochen sollte Adam das Material gefunden
haben, mit dem er beim Sommer-Grand-Prix startet.
Er muss vor den Wettkämpfen drei bis vier
Wochen Zeit haben, sich an dieses Material zu
gewöhnen, dann ist es vom Timing optimal.
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ss.com: Wie steht es mit den Tests, wird Adam
Malysz im kommenden Winter Elan oder Fisher
Skier anschnallen?
Heinz Kuttin:
"Das steht noch nicht fest, wir sind mit
den Skiern bisher noch nicht auf einer Großschanze
gesprungen. Es wird in jedem Fall alleine die
Entscheidung von Adam sein welche Marke er wählt.
Wichtig ist, dass er im Moment zwei erstklassige
Produkte für die Tests zur Verfügung
hat
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ss.com: Welche Platzierung ist Adam Malysz denn
in diesem Sommer zuzutrauen?
Heinz Kuttin:
"In seiner derzeitigen Verfassung wird
er unter den ersten drei der Gesamtwertung landen,
da bin ich mir sicher".
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ss.com: Wie wichtig ist der Sommer-Grand-Prix
generell?
Heinz Kuttin:
"Eigentlich ist es ein Training unter erschwerten
Bedingungen, aber wenn man dabei ist möchte
man natürlich auch gut abschneiden. Und,
nicht zu vergessen: es geht um die Quote. Der
Sommer zählt voll für die Quotenregelung
der FIS. Wer im Sommer vorne dabei ist, bekommt
wichtige Punkte für Startplätze im
Winter, das macht den Sommer wichtig".
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ss.com: Ihr größter Erfolg im vergangenen
Winter war zweifellos der Titel des Junioren-Weltmeisters
von Mateusz Rutkowski. Dürfen wir Rutkowski
in absehbarer Zeit dauerhaft in den Top-Ten
des Weltcups erwarten?
Heinz Kuttin:
"Mateusz hat zweifellos das Zeug Stammgast
in den Top-Ten zu werden, aber er befindet sich
im Moment in einer schwierigen Phase. Er muss
an seiner Persönlichkeit arbeiten, unter
anderem ist Mateusz einfach zu schwer.
Ich begrüsse wie die meisten anderen auch
die neue Gewichtsregel, diese reglementiert
nach unten, aber nach oben ist einfach aus physikalischen
Gründen auch kein grenzenloser Spielraum.
Mit einem BMI über 22 hast Du keine Chance
in der Weltspitze".
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ss.com: Die Meldung, dass ihr ehemaliger ÖSV-Trainerkollege
Stefan Horngacher das polnische B-Team trainieren
wird, hat etwas überrascht, wie wichtig
war diese Entscheidung für Sie persönlich?
Heinz Kuttin:
"Das ist für mich der Idealzustand.
Ich habe den Posten des Cheftrainers in Polen
nur unter der Bedingung angenommen, dass ein
fähiger Mann das Training des B-Kaders
übernimmt. Die optimale Betreuung des B-Kaders
ist ein ganz elementarer Baustein bei unserer
Arbeit im Team".
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ss.com: Wie groß war ihr persönlicher
Einfluss auf die Entscheidung von Stefan Horngacher?
Heinz Kuttin:
"Sicher wusste der 'Steff', dass ich optimale
Arbeitsbedingungen als Trainer in Polen hatte,
wir unterhalten uns ja oft. Und ich wusste,
dass er Interesse an einem Auslandsengagement
hatte, so kam eben das Eine zum Anderen".
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ss.com: Ihr Vorgänger, Apoloniusz Tajner
ist am Wochenende nicht ins Europaparlament
gewählt worden. Jetzt ist die Wahrscheinlichkeit
groß, dass Tajner eine übergeordnete
Aufgabe im polnischen Ski-Verband übernimmt.
Wäre das hilfreich für Heinz Kuttin?
Heinz Kuttin:
"Ich leite das Training in Eigenverantwortung
und brauche keine Ratschläge, aber ich
würde mich freuen, wenn Apoloniusz im Verband
aktiv wäre, es gibt viel zu tun".
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ss.com: Wie zufrieden ist Heinz Kuttin am heutigen
Tag mit dem 'Paket', also den Rahmenbedingungen,
dem Umfeld, der Leistung und Motivation der
Athleten etc. das ihm bei der Mission 2006 zur
Verfügung steht auf einer Skala von eins
bis zehn?
Heinz Kuttin:
"Wenn ich es positiv sehe zwischen sechs
und sieben. Es wird ein brutales Stück
Arbeit, ich hänge mich voll rein, im Oktober
will ich auf dieser Skala die Stufe neun erreicht
haben, das müssen wir schaffen".
Kuttin lässt bei keiner seiner Antworten
auch nur für den Bruchteil einer Sekunde
Zweifel daran aufkommen, dass er den Erfolg
will, und davon überzeugt ist, dass er
den Erfolg erringen wird.
Die neue Position fordert nicht nur den exzellenten
Skisprungtrainer Kuttin, sondern auch den Kämpfer
Kuttin.
Dass er ein Kämpfer ist hat Kuttin in der
Vergangenheit oft genug bewiesen.
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Heinz Ernst Kuttin, * 5. 1. 1971 Gassen (Kärnten),
Mehrfacher Juniorenweltmeister, 2-facher Weltmeister
1991 in Predazzo (Normalschanze und Mannschaft)
(mit Ernst Vettori, Andreas Felder und Stefan
Horngacher);
Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1992
in Courchevel auf der Großschanze und
Silbermedaille mit der Mannschaft.
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