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Tommi Nikunen ist mit 30 Jahren der jüngste
Spitzentrainer im internationalen Geschäft.
Seit dem vergangenen Winter ist er Chefcoach
der Finnischen Nationalmannschaft Skisprung.
Nikunen ist neben dem Norweger Mika Kojonkoski
der derzeit erfolgreichste Trainer im Skispringzirkus.
Drei Springer aus dem finnischen Team rangieren
momentan in den Top-Ten der Weltcup-Gesamtwertung.
Janne Ahonen führt den Gesamt-Weltcup mit
204 Punkten Vorsprung vor dem Norweger Sigurd
Pettersen an.
Matti Hautamaeki (Platz 7) und Veli-Matti Lindstroem
(Platz 10) sind ebenfalls in den Top-Ten. Mit
Ahonen, Hautamaeki und Tami Kiuru stellt das
Team in diesem Winter bereits drei Siegspringer.
Ist
Tommi Nikunen mit dem Verlauf des bisherigen
Winters rundum zufrieden?
Tommi Nikunen: "Ich
weiß nicht, ob man jemals rundum zufrieden
sein kann, aber wenn man die bisherigen Ergebnisse
mit dem vergangenen Winter vergleicht, dann
ist es für uns viel besser gelaufen als
vor einem Jahr. Skispringen ist ein Sport bei
dem jeder Athlet im Lauf eines Winters Höhen
und Tiefen erlebt. Also bin ich zufrieden, dass
fünf Athleten aus unserem Team gut sind.
Vor einem Jahr hatten wir Janne Ahonen der gut
in Form war und die Vierschanzen-Tournee gewonnen
hat. Aber wenn Janne nicht vorne mit dabei war,
war eben kein Finne mit vorne dabei. Ich bin
momentan zufrieden, weil wir es geschafft haben,
dass sich mehr Athleten aus unserem Team in
der Weltspitze etablieren konnten".
Janne
Ahonen war der Top-Favorit für die 52.
Vierschanzen-Tournee. Woran lag es, dass er
am Ende auf Rang fünf lag?
Tommi Nikunen: "Sigurd
Pettersen war bei der Tournee in einer unglaublich
guten Verfassung und es wäre für Janne
schwer geworden, selbst wenn er in Oberstdorf
normal gesprungen wäre. Zweiter hätte
er werden können, aber Sigurd Pettersen
war bei dieser Tournee einfach zu stark".
Der
derzeitige Weltcup-Leader Janne Ahonen ist seit
vielen Jahren im Weltcup ganz vorne dabei, den
Gesamt-Weltcup konnte er aber noch nie gewinnen.
Er war einmal Zweiter und zweimal Dritter in
der Gesamtwertung. In diesem Jahr sieht es so
aus als wenn Ahonen es zum ersten Mal packen
kann.
Von welcher Bedeutung wäre ein Sieg im
Gesamt-Weltcup für Ahonen?
Tommi Nikunen: "WENN,
und ich muss betonen, dass es zu
diesem Saisonzeitpunkt ein großes 'wenn'
ist, er den Gesamt-weltcup gewinnen sollte,
wäre es natürlich eine riesige Sache
für ihn. Es ist seit fünf oder sechs
Jahren sein Ziel und er war wiederholt ganz
nah dran, konnte es aber noch nie erreichen.
Im Vergleich zum vergangenen Winter, als seine
Krise eigentlich in Liberec begonnen hatte,
bin ich erleichtert, dass wir jetzt schon einige
Wochen weiter sind und dass es in Japan wirklich
gut gelaufen ist. Janne hat sehr viel erreicht,
nur diesen Titel noch nicht. Ich weiß
nicht wie es mit den anderen Jungs im Team aussieht,
aber Janne ist ganz sicher derjenige der am
'hungrigsten' auf den Gesamtweltcup ist.
Wie
sieht es mit dem Trainer aus, und mit 'den Finnen'
an sich, wie hoch wäre der Stellenwert
eines Weltcup-Titels, wo man
sich in Finnland doch eigentlich hauptsächlich
auf Weltmeister-schaften und Olympische Spiele
konzentriert?
Tommi Nikunen: "Ich glaube, dass
in der finnischen Bevölkerung dieser Titel
keine besondere Anerkennung finden wird, weil
Weltmeisterschaften und Olympische Spiele einen
wesentlich höheren Stellenwert haben. Ich
persönlich bewerte diese Titel dagegen
sehr hoch, weil man während der ganzen
Saison gut sein muss, nicht nur bei einer Veranstaltung".
Finnland
liegt derzeit in der Nationen-Wertung mit 271
Punkten Rückstand auf Norwegen auf Rang
zwei. Wie wichtig ist diese Wertung für
Tommi Nikunen?
Tommi Nikunen: "Ich
bin mir sicher, dass jeder Trainer diese Wertung
im Auge hat. Das gilt auch für mich. Es
war eines unserer Ziele für diesen Winter
diese Wertung zu gewinnen. Dieses Ziel zu erreichen
wird sehr schwer werden, weil das
Team bei jedem Springen ganz vorne dabei sein
muss um das
zu erreichen. Wir hatten einen wirklich schlechten
Wettkampf in Oberstdorf, dort haben wir nur
57 Punkte erreicht, Norwegen kam auf 193 Punkte,
alleine dieser Wettkampf hat uns eine Menge
Boden gekostet. Es waren bisher immer vier Nationen
die um diesen Titel gekämpft haben, jetzt
ist Deutschland etwas abgeschlagen. Wie gesagt,
es ist ein harter Wettbewerb und
ich hoffe, dass wir bis zum Saisonfinale im
Rennen sind".
Überrascht,
dass Norwegen derzeit die führende Nation
ist?
Tommi Nikunen: "Ja,
es ist in gewisser Weise eine Überraschung.
Aber man sieht einfach den gewaltigen Skispringen-Hype
in Norwegen.
Die Athleten, die Trainer die Betreuer und die
Stimmung im ganzen Land, derzeit ist es klasse
ein Skispringer in Norwegen
zu sein, das sieht man im ganzen Land. Wenn
man das alles betrachtet, ist es keine so große
Überraschung, dass Norwegen ganz vorne
ist".
Es
gab in diesem Winter eine heftige Diskussion
um die Noten der Haltungsrichter. Speziell für
die Sprünge von Janne Ahonen bei der Vierschanzen-Tournee
in Garmisch-Partenkirchen. Was denkt der Trainer
über solche Diskussionen?
Tommi Nikunen: "Das ist ein ernsthaftes
Problem. Es gibt ja immer wieder diese grundsätzliche
Diskussion ob man die Haltungsnoten beim Skispringen
überhaupt braucht. Ich war eigentlich immer
der Meinung, dass man sie braucht weil sie einfach
zu diesem Sport gehören.
Aber in diesem Winter gab es beispielsweise
ein Continental-
Cup Springen bei dem sechs Springer für
ihre Sprünge die Note 20 erhalten haben.
Janne Ahonen bekommt für einen Sprung bei
dem der Telemark exakt den Regeln entspricht
17,5 Punkte. Das heißt für mich eindeutig,
dass sich die Punktrichter nicht wirklich mit
den Regeln auskennen.
So etwas kann einfach nicht sein. Solche Sprungrichter
brauchen wir dann nicht. Die Athleten sind Profis
und die Sprungrichter machen das nebenberuflich.
Die Punkte die vergeben werden sind ausschlaggebend
für die Top-Platzierungen".
Was
ist das Ziel für das finnische Team bei
der Skiflug-WM in Planica?
Tommi Nikunen:
"Wir haben kein vorgegebenes Ziel vom Verband.
Aber natürlich ist eine Medaille unser
Ziel. Und natürlich hat jeder einzelne
Springer sein persönliches Ziel. Um eine
Medaille zu gewinnen, muss man in einer wirklich
guten körperlichen Verfassung sein, das
Wachs und die Ausrüstung müssen optimal
sein und man braucht immer auch etwas Glück.
Wie wir im Verlauf des bisherigen Winters gesehen
haben, gibt
es ungefähr 15 Athleten die eine Medaille
gewinnen können.
Also kann es sein, dass wir eine oder mehr Medaillen
gewinnen können, wir können aber auch
leer ausgehen".
Was
denkt Tommi Nikunen über die Gewichts -
und Magersucht Diskussionen im Fall Frank Löffler?
Ist da was dran oder ist das ein von den Medien
gepuschtes Thema?
Tommi Nikunen:
"Hochgepuscht, das ist es was ich im ersten
Moment gedacht habe. Was das finnische Team
angeht prüfen wir das Gewicht überhaupt
nicht. Ich mache mir auch keine Sorgen, dass
die Jungs zu wenig essen, eher zuviel"
sagt Nikunen lachend.
Was diesen Frank Löffler angeht, den kenne
ich nicht persönlich. Mit dem was er gesagt
hat, hat er mich allerdings nicht beeindruckt,
ich halte das für lächerlich".
Juha-Matti
Ruskanen ist in Liberec zum Team gestoßen
und springt seitdem sehr gut, Platz sechs in
Hakuba. Ist das eine Überraschung für
sie?
Tommi Nikunen: "Ja, das war eine
Überraschung. Aber wenn wir ehrlich sind,
waren die Ergebnisse besser als seine Sprünge,
er hat bei seinen Sprüngen viel Glück
gehabt. Aber Juha-Matti hat zweifellos das Talent
in die Spitze zu kommen. Technisch wartet noch
eine Menge Arbeit auf ihn. Die nächsten
Schritte werden jetzt entscheidend sein. Wenn
er diese gut meistert kann er bald zu Besten
gehören.
Was
ist mit Risto Jussilainen?
Tommi Nikunen: "Ich hatte in letzter
Zeit keinen Kontakt zu ihm weil ich immer unterwegs
war. Was ich gehört habe war ziemlich hart.
Er hatte Probleme mit seinem Absprung. Ich glaube,
dass am Ende dieser Saison ein entscheidender
Punkt für seine Karriere sein wird, ich
meine ob er weiter macht oder nicht. Ich möchte
nicht sagen, dass er zu alt ist, aber er kennt
sich selber ganz genau, wenn er so weiter springt
wie bisher dann macht es für ihn keinen
Sinn an internationalen Springen teilzunehmen".
Interview geführt
von Heidi Lehikoinen
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