zurück zur
 Übersicht-Interview
 
 home
 Aktuelles
 Terminplan
 Ergebnisse
 Archiv
 Tickets/Reisen
  
 Interaktiv
 Gästebuch
 Forum
 Chat
 

  
 
  Interview Tommi Nikunen / 29.01.2004
  "Die Dominanz Norwegens überrascht mich"

Tommi Nikunen ist mit 30 Jahren der jüngste Spitzentrainer im internationalen Geschäft. Seit dem vergangenen Winter ist er Chefcoach der Finnischen Nationalmannschaft Skisprung.
Nikunen ist neben dem Norweger Mika Kojonkoski der derzeit erfolgreichste Trainer im Skispringzirkus. Drei Springer aus dem finnischen Team rangieren momentan in den Top-Ten der Weltcup-Gesamtwertung.
 
Janne Ahonen führt den Gesamt-Weltcup mit 204 Punkten Vorsprung vor dem Norweger Sigurd Pettersen an.
Matti Hautamaeki (Platz 7) und Veli-Matti Lindstroem (Platz 10) sind ebenfalls in den Top-Ten. Mit Ahonen, Hautamaeki und Tami Kiuru stellt das Team in diesem Winter bereits drei Siegspringer.
 
 
  Ist Tommi Nikunen mit dem Verlauf des bisherigen Winters rundum zufrieden?
 
Tommi Nikunen: "Ich weiß nicht, ob man jemals rundum zufrieden sein kann, aber wenn man die bisherigen Ergebnisse mit dem vergangenen Winter vergleicht, dann ist es für uns viel besser gelaufen als vor einem Jahr. Skispringen ist ein Sport bei dem jeder Athlet im Lauf eines Winters Höhen und Tiefen erlebt. Also bin ich zufrieden, dass fünf Athleten aus unserem Team gut sind.
Vor einem Jahr hatten wir Janne Ahonen der gut in Form war und die Vierschanzen-Tournee gewonnen hat. Aber wenn Janne nicht vorne mit dabei war, war eben kein Finne mit vorne dabei. Ich bin momentan zufrieden, weil wir es geschafft haben, dass sich mehr Athleten aus unserem Team in der Weltspitze etablieren konnten".
 
 
  Janne Ahonen war der Top-Favorit für die 52. Vierschanzen-Tournee. Woran lag es, dass er am Ende auf Rang fünf lag?
 
Tommi Nikunen: "Sigurd Pettersen war bei der Tournee in einer unglaublich guten Verfassung und es wäre für Janne schwer geworden, selbst wenn er in Oberstdorf normal gesprungen wäre. Zweiter hätte er werden können, aber Sigurd Pettersen war bei dieser Tournee einfach zu stark".
 
 
  Der derzeitige Weltcup-Leader Janne Ahonen ist seit vielen Jahren im Weltcup ganz vorne dabei, den Gesamt-Weltcup konnte er aber noch nie gewinnen. Er war einmal Zweiter und zweimal Dritter in der Gesamtwertung. In diesem Jahr sieht es so aus als wenn Ahonen es zum ersten Mal packen kann.
Von welcher Bedeutung wäre ein Sieg im Gesamt-Weltcup für Ahonen?
 
Tommi Nikunen: "WENN, und ich muss betonen, dass es zu
diesem Saisonzeitpunkt ein großes 'wenn' ist, er den Gesamt-weltcup gewinnen sollte, wäre es natürlich eine riesige Sache
für ihn. Es ist seit fünf oder sechs Jahren sein Ziel und er war wiederholt ganz nah dran, konnte es aber noch nie erreichen.
Im Vergleich zum vergangenen Winter, als seine Krise eigentlich in Liberec begonnen hatte, bin ich erleichtert, dass wir jetzt schon einige Wochen weiter sind und dass es in Japan wirklich gut gelaufen ist. Janne hat sehr viel erreicht, nur diesen Titel noch nicht. Ich weiß nicht wie es mit den anderen Jungs im Team aussieht, aber Janne ist ganz sicher derjenige der am 'hungrigsten' auf den Gesamtweltcup ist.
 
  
  Wie sieht es mit dem Trainer aus, und mit 'den Finnen' an sich, wie hoch wäre der Stellenwert eines Weltcup-Titels, wo man
sich in Finnland doch eigentlich hauptsächlich auf Weltmeister-schaften und Olympische Spiele konzentriert?
 
Tommi Nikunen:
"Ich glaube, dass in der finnischen Bevölkerung dieser Titel keine besondere Anerkennung finden wird, weil Weltmeisterschaften und Olympische Spiele einen wesentlich höheren Stellenwert haben. Ich persönlich bewerte diese Titel dagegen sehr hoch, weil man während der ganzen Saison gut sein muss, nicht nur bei einer Veranstaltung".
 
 
  Finnland liegt derzeit in der Nationen-Wertung mit 271 Punkten Rückstand auf Norwegen auf Rang zwei. Wie wichtig ist diese Wertung für Tommi Nikunen?

Tommi Nikunen: "Ich bin mir sicher, dass jeder Trainer diese Wertung im Auge hat. Das gilt auch für mich. Es war eines unserer Ziele für diesen Winter diese Wertung zu gewinnen. Dieses Ziel zu erreichen wird sehr schwer werden, weil das
Team bei jedem Springen ganz vorne dabei sein muss um das
zu erreichen. Wir hatten einen wirklich schlechten Wettkampf in Oberstdorf, dort haben wir nur 57 Punkte erreicht, Norwegen kam auf 193 Punkte, alleine dieser Wettkampf hat uns eine Menge Boden gekostet. Es waren bisher immer vier Nationen die um diesen Titel gekämpft haben, jetzt ist Deutschland etwas abgeschlagen. Wie gesagt, es ist ein harter Wettbewerb und
ich hoffe, dass wir bis zum Saisonfinale im Rennen sind".
 
 
  Überrascht, dass Norwegen derzeit die führende Nation ist?
 
Tommi Nikunen: "Ja, es ist in gewisser Weise eine Überraschung. Aber man sieht einfach den gewaltigen Skispringen-Hype in Norwegen.
Die Athleten, die Trainer die Betreuer und die Stimmung im ganzen Land, derzeit ist es klasse ein Skispringer in Norwegen
zu sein, das sieht man im ganzen Land. Wenn man das alles betrachtet, ist es keine so große Überraschung, dass Norwegen ganz vorne ist".
 
 
  Es gab in diesem Winter eine heftige Diskussion um die Noten der Haltungsrichter. Speziell für die Sprünge von Janne Ahonen bei der Vierschanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen. Was denkt der Trainer über solche Diskussionen?
 
Tommi Nikunen:
"Das ist ein ernsthaftes Problem. Es gibt ja immer wieder diese grundsätzliche Diskussion ob man die Haltungsnoten beim Skispringen überhaupt braucht. Ich war eigentlich immer der Meinung, dass man sie braucht weil sie einfach zu diesem Sport gehören.
Aber in diesem Winter gab es beispielsweise ein Continental-
Cup Springen bei dem sechs Springer für ihre Sprünge die Note 20 erhalten haben. Janne Ahonen bekommt für einen Sprung bei dem der Telemark exakt den Regeln entspricht 17,5 Punkte. Das heißt für mich eindeutig, dass sich die Punktrichter nicht wirklich mit den Regeln auskennen.
So etwas kann einfach nicht sein. Solche Sprungrichter brauchen wir dann nicht. Die Athleten sind Profis und die Sprungrichter machen das nebenberuflich. Die Punkte die vergeben werden sind ausschlaggebend für die Top-Platzierungen".
 
 
  Was ist das Ziel für das finnische Team bei der Skiflug-WM in Planica?
 
Tommi Nikunen: "Wir haben kein vorgegebenes Ziel vom Verband. Aber natürlich ist eine Medaille unser Ziel. Und natürlich hat jeder einzelne Springer sein persönliches Ziel. Um eine Medaille zu gewinnen, muss man in einer wirklich guten körperlichen Verfassung sein, das Wachs und die Ausrüstung müssen optimal sein und man braucht immer auch etwas Glück. Wie wir im Verlauf des bisherigen Winters gesehen haben, gibt
es ungefähr 15 Athleten die eine Medaille gewinnen können.
Also kann es sein, dass wir eine oder mehr Medaillen gewinnen können, wir können aber auch leer ausgehen".
 
 
  Was denkt Tommi Nikunen über die Gewichts - und Magersucht Diskussionen im Fall Frank Löffler? Ist da was dran oder ist das ein von den Medien gepuschtes Thema?
 
Tommi Nikunen: "Hochgepuscht, das ist es was ich im ersten Moment gedacht habe. Was das finnische Team angeht prüfen wir das Gewicht überhaupt nicht. Ich mache mir auch keine Sorgen, dass die Jungs zu wenig essen, eher zuviel" sagt Nikunen lachend.
Was diesen Frank Löffler angeht, den kenne ich nicht persönlich. Mit dem was er gesagt hat, hat er mich allerdings nicht beeindruckt, ich halte das für lächerlich".
 
 
  Juha-Matti Ruskanen ist in Liberec zum Team gestoßen und springt seitdem sehr gut, Platz sechs in Hakuba. Ist das eine Überraschung für sie?
 
Tommi Nikunen:
"Ja, das war eine Überraschung. Aber wenn wir ehrlich sind, waren die Ergebnisse besser als seine Sprünge, er hat bei seinen Sprüngen viel Glück gehabt. Aber Juha-Matti hat zweifellos das Talent in die Spitze zu kommen. Technisch wartet noch eine Menge Arbeit auf ihn. Die nächsten Schritte werden jetzt entscheidend sein. Wenn er diese gut meistert kann er bald zu Besten gehören.
 
 
  Was ist mit Risto Jussilainen?
 
Tommi Nikunen:
"Ich hatte in letzter Zeit keinen Kontakt zu ihm weil ich immer unterwegs war. Was ich gehört habe war ziemlich hart. Er hatte Probleme mit seinem Absprung. Ich glaube, dass am Ende dieser Saison ein entscheidender Punkt für seine Karriere sein wird, ich meine ob er weiter macht oder nicht. Ich möchte nicht sagen, dass er zu alt ist, aber er kennt sich selber ganz genau, wenn er so weiter springt wie bisher dann macht es für ihn keinen Sinn an internationalen Springen teilzunehmen".
 
  
Interview geführt von Heidi Lehikoinen















Juha-Matti Ruuskanen


Risto Jussilainen










 
 zurück