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Apoloniusz Tajner blickt der neuen Skisprung-Saison
zuversichtlich entgegen, erzählt von den
Erwartungen in Polen und davon, dass immer mehr
Kinder einfach nur Skispringer werden wollen.
Sein Vorzeigeschützling hat drei Mal in
Serie den Gesamtweltcup gewonnen, und Adam Malysz
schickt sich an, in dieser Saison mit Matti
Nykänen gleichzuziehen - als einer, der
die große Kristallkugel vier Mal erobern
konnte. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht.
"Ich bin mit unserer bisherigen Arbeit
zufrieden", sagt Trainer Tajner, und betont:
"Es war nicht nur eine Vorbereitung auf
den nächsten Winter, sondern auch eine
Vorbereitung für die Olympischen Winterspiele
2006. Wir haben von allem mehr gemacht: mehr
Kraft-, mehr Konditionstraining, mehr Mattensprünge.
Es hat alles geklappt."
Dem Sommer-Grand-Prix, den Adam Malysz und
Robert Mateja gar nicht und andere nur teilweise
(in Hinterzarten, Predazzo und Innsbruck) bestritten
haben, misst der 49-jährige polnische Trainer
keine allzu große Bedeutung bei. "Wir
waren dabei, um einen internationalen Vergleich
zu haben, nicht mehr und nicht weniger."
Wojciech Skupien, bester Pole und Siebter in
Hinterzarten, ist in Kuusamo gar nicht am Start.
Er trainiert mit der B-Gruppe unter Heinz Kuttin,
bereitet sich auf den Continental-Cup vor und
will in der ersten Phase unter den besten fünf
erscheinen - um dann zur Tournee zu fahren.
A propos Kuttin. Der Österreicher, der
nicht nur Skupien, sondern auch Wojciech Tajner,
Sohn des Cousins des Cheftrainers, und fünf
Junioren betreut, übt mit der zweiten Gruppe
nach anderen Programmen als es der Chef in der
A-Mannschaft tut.
"Wir sind alle neugierig auf die Resultate",
sagt Apoloniusz Tajner. Doch Kuttin tut auch
noch mehr. Er unterstützt besonders Malysz
in seiner Suche nach dem optimalen Material,
und er unterstützt den Skiverband mit Know-How,
das er sich in Österreich angeeignet hat:
macht viel mit dem Computer, vermittelt (wie
auch Tajner) Informationen an andere Trainer,
besticht durch dynamische Organisation.
Fazit: Die Nachwuchsarbeit in Polen wird besser
und besser. Zahlen belegen es. Vor zehn Jahren
gab es 15 Sportler, die auf einer K120-Schanze
bestehen konnten, vor fünf Jahren waren
es 35, heute sind es 100 und mehr. "Ein
Ende ist nicht abzusehen", sagt Tajner
zufrieden. "Ein Nachwuchswettkampf in Zakopane,
bei dem vier Altersklassen antreten, dauert
vier Stunden. Da sind 200, 250 Kinder dabei.
Und der Verband, die Regierung unterstützen
den Sport. Es gibt immer mehr Geld für
Ski und Ausrüstung. Unser Problem: nicht
mehr der Mangel am Nachwuchs, eher jener der
Trainer
"
Apoloniusz Tajner ist wie Adam Malysz in Polen
bekannt wie ein bunter Hund. "Ich glaube,
jeder unserer Landsleute kennt unsere Gesichter",
sagt er. Kein Wunder, wenn die Fernsehzahlen
der vorigen Saison analysiert werden.
Das Auftaktspringen in Kuusamo 2002 verfolgten
zwischen sieben und acht Millionen Polen, von
hundert eingeschalteten TV-Geräten waren
64 auf den ersten (Skisprung-)Kanal synchronisiert.
In Zakopane verfolgten 12,2 Millionen den zweiten
Durchgang am Samstag (18.01.03), wobei 5,3 Millionen
davon Frauen waren. In Val di Fiemme klebten
über zehn Millionen vor dem Flimmerkasten
(davon 1,5 Millionen Kinder zwischen vier und
15 Jahren), und in Planica neun Millionen.
Blumig umschreibt das staatliche Fernsehen,
das 31 Mal Sprunglauf zeigte und dabei auf 50
Stunden kam, die Rekorde:
die Summe der Zuschauer, 234 Millionen, bedeutet
die sechsfache Einwohnerzahl Polens (38 Millionen),
und wenn diese übereinander gereiht werden,
reichen sie von der Erde bis zum Mond oder zehn
Mal um den Äquator: die Kette ist 398.700
Kilometer lang.
Es ist auch sein Erfolg, doch Apoloniusz Tajner
ist ein zurückhaltender, ruhiger Mann.
"Ich arbeite seit 24 Jahren im Sport, nicht
nur als Trainer. Da macht man so seine Erfahrungen,
da bewahrt man auch leichter Ruhe als ein Newcomer.
Mein Credo ist, das Realisierbare zu realisieren,
und im Glauben zu agieren, dass ich das Bestmögliche
tue." Tajner arbeitete nach seinem Abschluss
auf der Sportakademie von 1980 bis 1990 als
Sprungtrainer bei den Nordischen Kombinierern,
betreute dabei sieben Jahre lang das Olympia-Team.
In den Zeiten des politischen Umbruchs eröffnete
er von 1990 bis 1994 mit seiner Frau Alexandra
ein Sportartikel-Geschäft, war bis 1998
beim Skiklub oder als Funktionär im Skiverband
tätig, ehe er Teamtrainer der Spezialspringer
wurde.
"Die Distanz, die ich zeitweise vom Trainerjob
hatte, tat mir gut. Ich kam mit mehr Erfahrung
zurück in diesen Beruf, und ich habe die
notwendige Distanz zu den Dingen."
Seit es einen Superstar Adam Malysz gibt, hat
sich des Betreuers Leben um 180 Grad gedreht.
Während der Athlet in seiner eigenen Kraftkammer
trainiert (weil es in jedem anderen Fitnesscenter
einen Menschenauflauf geben würde), kann
sich Tajner noch einigermaßen frei bewegen.
Angesprochen wird er andauernd, und die letzthin
häufigsten Diskussionen verliefen sinngemäß
so: "Super, dass Maylsz schon drei Mal
den Gesamtweltcup gewonnen hat. Ein viertes
Mal wird er es nicht schaffen, ist ja aber egal.
Einfach toll, was ihr leistet. Gratulation.
Ähh - ist es vielleicht doch ein viertes
Mal möglich?
Tajner muss lächeln bei solchen Reden.
Er erinnert sich zurück an die harte Zeit,
die er vor rund einem Jahr in der polnischen
Presse übertauchen musste, als man von
ihm Erklärungen forderte, warum er dies
und das tat und nicht jenes, wie es die Österreicher
oder jenes, wie es die Deutschen machten.
"Wir hatten Journalisten, die uns auf die
Pelle rückten, die alles in Frage stellten.
Ich reagierte nicht, ich versuchte nur, Ruhe
zu bewahren und meinen Weg weiter zu gehen.
Es hat sich ausgezahlt." In diesem Jahr
hielten sich die Medienvertreter zurück
- nach drei Jahren hatten es die Springer geschafft,
sich einen Bonus erarbeitet zu haben. "Wir
sind eine Marke", sagt Tajner, nicht stolz,
nicht überheblich, einfach nur so.
Der Triumph von Adam Maylsz im Gesamtweltcup
ist auch bei ihm ein Thema, aber kein vordergründiges.
"Adam ist in der Lage, wieder zu den Besten
zu gehören", sagt der Betreuer, der
am 17. April 50 Jahre alt wird.
"Aber er denkt nicht ergebnis-, sondern
leistungsorientiert. Wichtig ist nicht, siegen
zu wollen. Wichtig ist, gut springen zu wollen."
Daneben sollen Pochwala, Bachleda, Mateja und
sein Sohn regelmäßig unter die ersten
30 springen. "Bei jeder Konkurrenz zusätzlich
zu Maylsz zwei bis drei weitere Athleten im
Finale haben, das ist unser Ziel. "Einfach
wird es nicht, weiß Tajner, aber was ist
schon einfach im Springerweltcup. Geplant ist,
dass der Superstar alle Wettbewerbe bestreitet,
in Europa, in Asien, in Nordamerika. "Das
ist der vorgegebene Weg. Aber wenn wir ihn ändern
müssen, werden wir es tun." Erinnerungen
an das Vorjahr werden wach, als auf das Springen
in Willingen verzichtet wurde, und dadurch für
Malysz die Trendwende zu WM-Siege und zum Erfolg
im Gesamtweltcup eingeleitet wurde.
Bis 2006 will Tajner in seinem Amt verbleiben,
und muss grinsen: "Das ist auch so ein
Ziel, aber im Sport weiß man nie, was
passiert." Sollten die Ergebnisse gut genug
sein, wird er in Turin sicherlich auf dem Trainerturm
stehen. Nach einem Jahr Pause könnte sich
der Mann aus Wisla vorstellen, auf der Sportakademie
und in der Trainerausbildung sein Wissen weiter
zu geben. "Was sicher nicht eintritt: dass
ich im Ausland arbeiten werde."
So sehr seine Arbeit auch international respektiert
und anerkannt wird, so sehr ist Tajner auch
Realist: Marke ist er in seinem Heimatland eher
als anderswo.
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