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  Skispringen.com Interview - Apoloniusz Tajner / 25.11.2003
  "Mit Adam sind wir eine Marke"

Apoloniusz Tajner blickt der neuen Skisprung-Saison zuversichtlich entgegen, erzählt von den Erwartungen in Polen und davon, dass immer mehr Kinder einfach nur Skispringer werden wollen.

Sein Vorzeigeschützling hat drei Mal in Serie den Gesamtweltcup gewonnen, und Adam Malysz schickt sich an, in dieser Saison mit Matti Nykänen gleichzuziehen - als einer, der die große Kristallkugel vier Mal erobern konnte. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. "Ich bin mit unserer bisherigen Arbeit zufrieden", sagt Trainer Tajner, und betont: "Es war nicht nur eine Vorbereitung auf den nächsten Winter, sondern auch eine Vorbereitung für die Olympischen Winterspiele 2006. Wir haben von allem mehr gemacht: mehr Kraft-, mehr Konditionstraining, mehr Mattensprünge. Es hat alles geklappt."

Dem Sommer-Grand-Prix, den Adam Malysz und Robert Mateja gar nicht und andere nur teilweise (in Hinterzarten, Predazzo und Innsbruck) bestritten haben, misst der 49-jährige polnische Trainer keine allzu große Bedeutung bei. "Wir waren dabei, um einen internationalen Vergleich zu haben, nicht mehr und nicht weniger." Wojciech Skupien, bester Pole und Siebter in Hinterzarten, ist in Kuusamo gar nicht am Start. Er trainiert mit der B-Gruppe unter Heinz Kuttin, bereitet sich auf den Continental-Cup vor und will in der ersten Phase unter den besten fünf erscheinen - um dann zur Tournee zu fahren.

A propos Kuttin. Der Österreicher, der nicht nur Skupien, sondern auch Wojciech Tajner, Sohn des Cousins des Cheftrainers, und fünf Junioren betreut, übt mit der zweiten Gruppe nach anderen Programmen als es der Chef in der A-Mannschaft tut.
"Wir sind alle neugierig auf die Resultate", sagt Apoloniusz Tajner. Doch Kuttin tut auch noch mehr. Er unterstützt besonders Malysz in seiner Suche nach dem optimalen Material, und er unterstützt den Skiverband mit Know-How, das er sich in Österreich angeeignet hat: macht viel mit dem Computer, vermittelt (wie auch Tajner) Informationen an andere Trainer, besticht durch dynamische Organisation.
Fazit: Die Nachwuchsarbeit in Polen wird besser und besser. Zahlen belegen es. Vor zehn Jahren gab es 15 Sportler, die auf einer K120-Schanze bestehen konnten, vor fünf Jahren waren es 35, heute sind es 100 und mehr. "Ein Ende ist nicht abzusehen", sagt Tajner zufrieden. "Ein Nachwuchswettkampf in Zakopane, bei dem vier Altersklassen antreten, dauert vier Stunden. Da sind 200, 250 Kinder dabei. Und der Verband, die Regierung unterstützen den Sport. Es gibt immer mehr Geld für Ski und Ausrüstung. Unser Problem: nicht mehr der Mangel am Nachwuchs, eher jener der Trainer…"

Apoloniusz Tajner ist wie Adam Malysz in Polen bekannt wie ein bunter Hund. "Ich glaube, jeder unserer Landsleute kennt unsere Gesichter", sagt er. Kein Wunder, wenn die Fernsehzahlen der vorigen Saison analysiert werden.
Das Auftaktspringen in Kuusamo 2002 verfolgten zwischen sieben und acht Millionen Polen, von hundert eingeschalteten TV-Geräten waren 64 auf den ersten (Skisprung-)Kanal synchronisiert. In Zakopane verfolgten 12,2 Millionen den zweiten Durchgang am Samstag (18.01.03), wobei 5,3 Millionen davon Frauen waren. In Val di Fiemme klebten über zehn Millionen vor dem Flimmerkasten (davon 1,5 Millionen Kinder zwischen vier und 15 Jahren), und in Planica neun Millionen.
Blumig umschreibt das staatliche Fernsehen, das 31 Mal Sprunglauf zeigte und dabei auf 50 Stunden kam, die Rekorde:
die Summe der Zuschauer, 234 Millionen, bedeutet die sechsfache Einwohnerzahl Polens (38 Millionen), und wenn diese übereinander gereiht werden, reichen sie von der Erde bis zum Mond oder zehn Mal um den Äquator: die Kette ist 398.700 Kilometer lang.

Es ist auch sein Erfolg, doch Apoloniusz Tajner ist ein zurückhaltender, ruhiger Mann. "Ich arbeite seit 24 Jahren im Sport, nicht nur als Trainer. Da macht man so seine Erfahrungen, da bewahrt man auch leichter Ruhe als ein Newcomer. Mein Credo ist, das Realisierbare zu realisieren, und im Glauben zu agieren, dass ich das Bestmögliche tue." Tajner arbeitete nach seinem Abschluss auf der Sportakademie von 1980 bis 1990 als Sprungtrainer bei den Nordischen Kombinierern, betreute dabei sieben Jahre lang das Olympia-Team.
In den Zeiten des politischen Umbruchs eröffnete er von 1990 bis 1994 mit seiner Frau Alexandra ein Sportartikel-Geschäft, war bis 1998 beim Skiklub oder als Funktionär im Skiverband tätig, ehe er Teamtrainer der Spezialspringer wurde.
"Die Distanz, die ich zeitweise vom Trainerjob hatte, tat mir gut. Ich kam mit mehr Erfahrung zurück in diesen Beruf, und ich habe die notwendige Distanz zu den Dingen."

Seit es einen Superstar Adam Malysz gibt, hat sich des Betreuers Leben um 180 Grad gedreht. Während der Athlet in seiner eigenen Kraftkammer trainiert (weil es in jedem anderen Fitnesscenter einen Menschenauflauf geben würde), kann sich Tajner noch einigermaßen frei bewegen. Angesprochen wird er andauernd, und die letzthin häufigsten Diskussionen verliefen sinngemäß so: "Super, dass Maylsz schon drei Mal den Gesamtweltcup gewonnen hat. Ein viertes Mal wird er es nicht schaffen, ist ja aber egal. Einfach toll, was ihr leistet. Gratulation. Ähh - ist es vielleicht doch ein viertes Mal möglich?

Tajner muss lächeln bei solchen Reden. Er erinnert sich zurück an die harte Zeit, die er vor rund einem Jahr in der polnischen Presse übertauchen musste, als man von ihm Erklärungen forderte, warum er dies und das tat und nicht jenes, wie es die Österreicher oder jenes, wie es die Deutschen machten.
"Wir hatten Journalisten, die uns auf die Pelle rückten, die alles in Frage stellten. Ich reagierte nicht, ich versuchte nur, Ruhe zu bewahren und meinen Weg weiter zu gehen. Es hat sich ausgezahlt." In diesem Jahr hielten sich die Medienvertreter zurück - nach drei Jahren hatten es die Springer geschafft, sich einen Bonus erarbeitet zu haben. "Wir sind eine Marke", sagt Tajner, nicht stolz, nicht überheblich, einfach nur so.

Der Triumph von Adam Maylsz im Gesamtweltcup ist auch bei ihm ein Thema, aber kein vordergründiges. "Adam ist in der Lage, wieder zu den Besten zu gehören", sagt der Betreuer, der am 17. April 50 Jahre alt wird.
"Aber er denkt nicht ergebnis-, sondern leistungsorientiert. Wichtig ist nicht, siegen zu wollen. Wichtig ist, gut springen zu wollen." Daneben sollen Pochwala, Bachleda, Mateja und sein Sohn regelmäßig unter die ersten 30 springen. "Bei jeder Konkurrenz zusätzlich zu Maylsz zwei bis drei weitere Athleten im Finale haben, das ist unser Ziel. "Einfach wird es nicht, weiß Tajner, aber was ist schon einfach im Springerweltcup. Geplant ist, dass der Superstar alle Wettbewerbe bestreitet, in Europa, in Asien, in Nordamerika. "Das ist der vorgegebene Weg. Aber wenn wir ihn ändern müssen, werden wir es tun." Erinnerungen an das Vorjahr werden wach, als auf das Springen in Willingen verzichtet wurde, und dadurch für Malysz die Trendwende zu WM-Siege und zum Erfolg im Gesamtweltcup eingeleitet wurde.

Bis 2006 will Tajner in seinem Amt verbleiben, und muss grinsen: "Das ist auch so ein Ziel, aber im Sport weiß man nie, was passiert." Sollten die Ergebnisse gut genug sein, wird er in Turin sicherlich auf dem Trainerturm stehen. Nach einem Jahr Pause könnte sich der Mann aus Wisla vorstellen, auf der Sportakademie und in der Trainerausbildung sein Wissen weiter zu geben. "Was sicher nicht eintritt: dass ich im Ausland arbeiten werde."

So sehr seine Arbeit auch international respektiert und anerkannt wird, so sehr ist Tajner auch Realist: Marke ist er in seinem Heimatland eher als anderswo.
 













 
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