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  Story: Ein Mann legt die Maske ab
  Janne Ahonen - Aus dem aktuellen "Skispringer" Magazin
 
Zum zweiten Mal gewann Janne Ahonen nach 1998/99 in diesem Jahr die Vierschanzentournee. Vergleichen lassen sich diese beiden Erfolge nicht miteinander, denn der schweigsame Finne hat sich seit dem Triumph vor vier Jahren sichtbar verändert.
Früher kannte man Janne Ahonen als den "Mann mit der Maske". Sommer wie Winter flog er bei jedem Sprung mit seiner Gesichtsmaske die Schanzen hinunter.

Das Accessoire hatte für Ahonen eine größere Bedeutung als nur eine Schutzfunktion. Er wollte nicht, dass jemand seine Miene sieht und diese vielleicht sogar deuten kann. Falls der zurückhaltende Finne die schützende Gesichtsbedeckung überhaupt einmal abnahm, dann zeigte er trotzdem keinerlei Regung. Eine starre Mimik und ein eiskalter Blick waren die Markenzeichen des 25-Jährigen aus Lahti. So blickte er auch 1998/99 in die TV- und Fotokameras der Journalisten, dabei hatte Janne doch gerade zum ersten Mal in seiner Karriere die Vierschanzentournee gewonnen!
Der Traum vieler seiner Skisprung-Kollegen wurde für ihn wahr, aber Ahonen brachte getreu seinem Leitsatz "Wir sind hier, um zu springen und nicht, um zu lachen!" kein Lächeln zustande.
Dabei hätte er nach dem Triumph bei dem deutsch-österreichischen Traditionsevent zumindest schmunzeln oder hämisch grinsen können, denn Ahonen gewann ohne einen einzigen Tagessieg. Mit dem fünften Platz in Oberstdorf und jeweils Rang zwei in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen triumphierte er vor den beiden Japanern Noriaki Kasai und Hideharu Miyahira. Doch der Mann vom Skiclub Lahden Hiitouseura nahm den Pokal scheinbar gefühllos entgegen.
Zugegeben, bei seinem Sieg vor einigen Wochen führte Ahonen auch kein Freudentänzchen auf oder strahlte unentwegt in jede Kamera. Aber trotzdem hat sich der Finne seit der Geburt seines Sohnes Mico vor knapp einem Jahr verändert.
Er heiratete seine Frau Tiia, gründete eine Familie und baute ein Haus. Innerhalb weniger Monate verwandelte ihn all dies in einen zwar immer noch relativ ruhigen, aber freundlicher und ausgeglichener wirkenden Menschen. Diese Verwandlung erlebten Fans und Medien beim Sommer-Grand-Prix 2002, wo Janne Ahonen plötzlich ohne Maske erschien und in fast alle TV- und Fotokameras schaute. Eine richtig gesprächige Frohnatur ist trotzdem nicht aus ihm geworden. So antwortete er beispielsweise auf die Frage, wer denn der Favorit für die 51. Vierschanzentournee sei, mit einem knappen "Das bin ich", und auch auf die Nachfrage "Sicher?" kam nur ein kurzes "Ja!"

Viele Menschen bekommen durch sein Verhalten vielleicht sogar den Eindruck, Ahonen sei arrogant oder einfach nur mürrisch. Dass dies keineswegs der Fall ist, zeigt unter anderem sein Lebensmotto "Keep Smiling". Selbstironischer als der 1,84m-Mann kann man kaum sein, und wo Ironie wohnt, da ist der Humor nicht weit.
Neben seiner kleinen Familie sind die fahrbaren Untersätze sein ganzer Stolz, und so düst Janne so oft wie möglich mit seiner rasanten Kawasaki-Maschine oder dem BMW M 5 übers finnische Flachland. Zudem verbringt er gerne Zeit mit seinem jüngeren Bruder Pasi, der ebenfalls Skispringer ist und momentan mit dem finnischen B-Kader an den Continentalcupspringen teilnimmt.

Janne Ahonen entdeckte die Liebe zum Skispringen schon als Siebenjähriger. Bei einer Fernsehübertragung war er von diesem Sport so begeistert, dass er ihn selbst ausprobieren und lernen wollte. Mit dem Vorbild seines Landsmannes Matti Nykänen immer vor Augen arbeitete Janne hart an seiner Karriere als Profisportler. Sein Debüt im Weltcup gab er mit 15 Jahren im bayerischen Ruhpolding, bereits 1993 wurde er Juniorenweltmeister.
Seit 1994 gehört der am 11. Mai 1977 geborene Skandinavier zu den zehn besten Athleten der Welt. Ganz große Erfolge neben der Vierschanzentournee 1998/99 waren der Sieg bei der Weltmeisterschaft 1997 und beim Sommer-Grand-Prix 2000. Nachdem es für Janne in der letzten Saison nicht so gut lief, startete er im schweizerischen Engelberg nur eine Woche vor Beginn der Vierschanzentournee wieder voll durch und gewann ein Springen. "Seit März 2000 hatte ich endlich mal wieder einen Erfolg beim Weltcup. Mein Ziel ist es, wieder so gut zu springen wie 1999", so der Finne über seinen 14. Weltcupsieg.
Große Freude auch deswegen, weil es nach dem Trainerwechsel für die finnische Mannschaft steil bergab ging. Janne Ahonen sagt jedoch, dass er seinen früheren Trainer Mika Kojonkoski nicht vermisst und mit der Arbeit von Tommi Nikunen sehr zufrieden sei. Somit ließen weitere gute Sprünge nicht lange auf sich warten.
Bei der Vierschanzentournee zeigte Janne Ahonen dann seine ganze Stärke. Er trotzte dem Rückenwind in Bischofshofen und auch sein Sturz in Garmisch-Partenkirchen konnte ihn von der Mission "Vierschanzentournee-Sieg" nicht abbringen.
Toni Innauer, österreichischer Sportchef, war ihm sogar dankbar für seinen Ausrutscher auf glattem Schnee. "Janne Ahonen hat uns mit seinem Sturz in Garmisch-Partenkirchen einen Gefallen getan, denn sonst wäre er bereits nach diesem Wettkampf uneinholbar gewesen", so Innauer. Ahonen selbst fand den Ausrutscher nach seinem Traumsprung nicht so lustig. "Ich war sehr enttäuscht über meinen Sturz, weil ich so gut gesprungen bin. Vielleicht war der Sprung etwas zu weit und man konnte ihn bei diesen Verhältnissen nicht stehen, trotzdem war ich enttäuscht."

Nach seinem Siegsprung in Innsbruck erlebte man ein Mal mehr den "neuen" Janne Ahonen: die Arme hochgerissen stand er da, ballte die Fäuste, streckte den Zeigefinger in die Höhe. Bei der Siegerehrung lächelte er nicht nur glücklich, sondern reckte auch seinen Daumen senkrecht in die Luft. Ein andächtiges Blinzeln in die Kameras beim Ertönen der finnischen Nationalhymne rundet das Bild eines fast ganz normalen Siegers ab.
Als Topfavorit reiste Ahonen zur letzten Station nach Bischofshofen/Österreich und zeigte sichtbar, wie nervös er war. Trotzdem hatte er gegenüber seinen Konkurrenten einen kleinen Vorteil: "Bischofshofen ist meine Lieblingsschanze", verkündete Janne vor dem Springen. Ein vierter Platz auf seiner heißgeliebten Paul-Ausserleitner-Schanze reichte ihm für den Triumph bei der 51. Vierschanzentournee. "Der Gesamtsieg jetzt bedeutet mir mehr, weil ich diesmal einen Einzelsieg in Innsbruck hatte und 1998/99 gar keinen", erklärte Ahonen. "Ich bin bei der Tournee angetreten, um zu gewinnen. Ich wusste, dass ich es schaffen kann, wenn ich konstant meine Leistung bringe. Ich bin glücklich, dass es geklappt hat", kommentierte der 25-Jährige seinen Sieg knapp. Mit dem Triumph bei der Tournee übernahm Ahonen zudem die Führung im Gesamtweltcup. Grund genug ein paar Gefühlsregungen zu zeigen. Ein kurzes, aber herzliches Lächeln während der Siegerehrung machte genau wie die auf seine Handschuhe geschriebenen Grüße an Sohn Mico klar: Auch hinter einer rauhen, finnischen Schale verbirgt sich ein sympathisch wei-
cher Kern.
(ak)


 




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