| Eine
Wettkampserie im Skispringen wird gerne unter
den Teppich gekehrt, obwohl sie sportlich durchaus
anspruchsvoll und hochwertig ist: Der Continentalcup.
Gerne als 'Zweite Liga' im Skispringen bezeichnet,
nutzten in dieser Saison so viele Athleten wie
noch nie den Continentalcup als Sprungbrett in
den Weltcup. Für Renndirektor Sepp Gratzer
ist dies keine Überraschung: "Die Qualität
ist top. Wenn ein Springer aus dem Weltcup runterkommt,
dann heißt das nicht, dass er im Continentalcup
unter die Top Ten kommt." Vor allem die jungen
österreichischen Shootingstars sammelten
ihre Lorbeeren erst im Continentalcup, ehe sie
im Weltcup Furore machten.
Der Trainer des ÖSV-B-Kaders, Alexander
Pointner, kennt die Stärken seiner Jungs
genau und kann sehr gut einschätzen, wann
einer seiner Springer reif ist für den
Weltcup. So hat ein Thomas Morgenstern erst
die COC-Springen in Liberec gewonnen, ehe er
wenige Wochen später auch das Weltcupspringen
dort gewann. Dies ist auch ein Beleg für
die Qualität, die der Continentalcup hat.
Doch woher kommt der COC eigentlich?
Braunlage und Neustadt heute
die COC Vorzeige-Springen
Mitte der 70er Jahre wurden der Kongsbergcup,
eine Sprungserie mit vier Wettkämpfen in
Gstaad, Engelberg, Chamonix und St. Moritz,
mit der Vierschanzentournee und den übrigen
Springen, wie sie auch damals schon zum Beispiel
am Holmenkollen oder in Lahti stattfanden, zu
einer Weltcupserie zusammengeführt. Der
Österreicher Dr. Franz Sigud war der Vater
dieser Idee. Fortan gab es also eine Weltcup-Wertung
und parallel dazu entstand auch der Europacup.
Aus diesem ging nach mehreren Namensänderungen
schließlich der Continentalcup hervor.
Und aus dem Continentalcup gingen immerhin
Superstars wie Sven Hannawald und Adam Malysz
hervor. Dennoch fristet der COC immer noch ein
Stiefmütterchen-Dasein. Das müsste
nicht sein, glaubt zumindest Gratzer. "Es
wird noch zu wenig Werbung gemacht. Dass man
es besser machen kann, zeigt das Beispiel Braunlage.
Da muss man eine ¾-Stunde zum Stadion
laufen und es waren 5.000 oder 6.000 Zuschauer
da. Auch Neustadt war gut organisiert",
meinte der Österreicher im Gespräch
mit Skispringen.com. Es gibt aber eine Menge
Veranstaltungen, bei denen die Organisation
noch im Argen liegt. Für Gratzer ein untragbarer
Zustand. "Ich verlange einen professionellen
Ablauf. Wenn es heißt, um 12.00 Uhr geht
die Nummer eins über den Bakken, dann muss
das einfach so durchlaufen." Mit diesem
frischen Wind im COC tun sich viele Veranstalter
immer noch schwer: "Am Anfang hat mich
niemand akzeptiert. Die Veranstalter sagten,
was will der denn? Wir machen das doch schon
seit Jahren so."
Parallele Wettkämpfe
müssen weg
Gratzer will den COC revolutionieren. Er denkt
auch an Live-Übertragungen im Fernsehen,
die beispielweise von regionalen Sendern ermöglicht
werden könnten. Vor allem aber will er
den Wettkampf fairer gestalten. Derzeit laufen
noch einige COC-Springen parallel. "Ich
strebe an, dass Veranstaltungen in Japan und
Europa oder Amerika und Europa nicht mehr parallel
laufen", so Gratzer. Noch ist es so, dass
nach jeder Periode die besten 5 COC-Springer
im Weltcup starten dürfen. "So holt
sich ein Springer aus Bulgarien seine Weltcup-Berechtigung
bei einem Springen in den USA, wo eh nur 30
Springer am Start sind. Das verzerrt das Bild,
das entwertet den COC".
Leider ist es nicht möglich, die COC-Springen
immer im Vorfeld der Weltcup-Springen zu veranstalten.
Dies wäre für Trainer und Organisatoren
die beste Lösung. Doch es scheitert an
der Logistik. Die Orte sind jetzt schon an den
Grenzen der Kapazität. Zudem ist es fraglich,
ob die Weltcup-Springer dann auf den bereits
tagelang genutzten Schanzen noch Top-Bedingungen
vorfinden würden.
"Mit viel Werbung kann
man viel erreichen"
Gratzer liegt viel am Wohl der Springer. So
setzte er eine Prämienregelung für
die Athleten durch: "Eine Nation, die in
voller Stärke anreist, bekommt 200 Schweizer
Franken Reisegeld und der Veranstalter muss
für drei von vier Springern die Logis übernehmen.
Die ersten sechs Springer teilen sich mindestens
1.500 Franken." Spärlich zwar, aber
immerhin ein Taschengeld für die Springer.
Insgesamt ist das Interesse am COC zwar gestiegen,
aber noch nicht in dem Maße, wie es sein
könnte. Die schreibende Zunft könnte
sich nach Gratzers Meinung wesentlich mehr engagieren:
"Wer sich im Skispringen auskennen will,
der muss sich ohnehin über den COC informieren,
sonst fehlt ihm der Anspruch auf Vollständigkeit."
Im COC werden die Sieger von Morgen geboren.
"Wir haben schon einen großen Schritt
getan. Die Veranstalter müssen unbedingt
noch zulegen. Mit viel Werbung kann man viel
erreichen. Es ist möglich", fordert
der Macher der Zweiten Liga.
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