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  Kaltes Kuopio - warmes Kuopio
Der Weltcupauftakt im finnischen Kuopio war mehr als ein Skisprung-Wochenende, es war eine Demonstration in Sachen Sport, Gastfreundschaft und Völkerverständigung. Werbung für das Skispringen, eine Stadt, eine Region und ein ganzes Land.

  Bittere Kälte - herzliche Menschen

Die Temperaturen, die in den Tagen vor den Weltcupspringen in Kuopio herrschten, waren tiefer (zumindest im stürmischen Wind), als wir sie jemals bei einem Springen erlebt hatten.
Am Anfang wundert man sich noch, dass die Finnen wesentlich schneller durch die Straßen gehen als man das selber tut.
Die Finnen sind sicher kein hektisches Volk, für dieses schnelle Gehen gibt es dann auch eine andere Erklärung als Eile oder Hektik, es ist eine gute Methode, um sich bei niedrigen Temperaturen warm zu halten.

Wir waren nach zwei Tagen die schnellsten Fußgänger von Kuopio.

  Eine Woche Kuopio/Finnland

 
Die Stadt - Fakten:
Ca. 400 km nördlich von Helsinki, Fahrzeit mit dem Auto ca. 5 Stunden. Kuopio ist mit knapp 90.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Finnlands. Das Einzugsgebiet der Stadt umfasst ca. 600.000 Menschen. Die Einwohnerzahl von Kuopio steigt im Schnitt um ca. 1.000 Personen pro Jahr.

Wenn man zu dieser Jahreszeit nach Kuopio kommt, ist der erste Eindruck, den man von dieser Stadt erhält, ein langweiliger, grauer, fast schon depressiver.
Plattenbauten vermischt mit wenig reizvoller Architektur, an diesem Eindruck können auch die wenigen schönen Gebäude am Marktplatz im Zentrum nichts ändern.
Diese Mischung im Grau und Grau eines Spät-Novembertages erlebt, können düstere Stimmungen provozieren. Normalerweise wird man auf einer Reise durch Finnland dieser Stadt um diese Jahreszeit kaum größere Beachtung schenken. Wenn man durch Kuopio nur durchfährt, wird man, vorausgesetzt man registriert Kuopio überhaupt, diese Stadt auch sehr schnell wieder vergessen.

Aber durchfahren oder nur einen Kurzbesuch einzuplanen wäre schon fast eine Sünde.

Wahre Schönheit kommt von innen.
Mit dieser Stadt ist es wie mit den Menschen hier, man muss sich Zeit nehmen und man muss den Kontakt suchen, tut man beides, erlebt man die Schönheit von Kuopio.
Sehenswürdigkeiten in einer Vielfalt, die man auf den ersten Blick nicht erahnen kann. Vielfältige Freizeitmöglichkeiten vom reichhaltigen Sportangebot bis hin zur Oper.

Die Menschen von Kuopio
Mehr als irgendwo anders sind es in Kuopio die Menschen, die diese Stadt ausmachen, nicht nur, aber zu einem großen Teil. Und die Menschen von Kuopio beeindrucken mit ihrer natürlichen Freundlichkeit und Herzlichkeit, mehr als es die größte architektonische Meisterleistung dieser Welt je könnte.
Es gibt keine gespielte Freundlichkeit in Kuopio, kein oberflächliches Lächeln, das nach zwei Sekunden wieder zu einer kalten Mine erstarrt.
Es dauert länger als anderswo, bis man das Lächeln in den Gesichtern der Menschen sieht, aber wenn man dieses Lächeln sieht, dann sieht man auch, dass es echt und ehrlich ist.
"Es ist unsere Pflicht, dem Gast von Kuopio die Schönheit dieser Stadt und dieser Region zu zeigen..." So oder so ähnlich steht es im Touristik-Prospekt von Kuopio. Allerdings hat man in keiner Sekunde das Gefühl der Erfüllung einer Pflichtaufgabe, wenn man sich über Kuopio erkundigt - vielmehr bekommt man das Gefühl der Liebe zur Heimat vermittelt.

Und irgendwann wacht man auf und ist begeistert von dieser "grauen und trostlosen" Stadt und von ihren Menschen, ganz ohne Vorwarnung.

Achtung, diese auf den ersten Blick so grau und eintönig wirkende Stadt birgt mit ihren Bewohnern ein ausgesprochen hohes Suchtpotential.

  Sportlich - das Weltcup-Wochenende von Kuopio

 
Eine Sportveranstaltung wie die von Kuopio besteht im wesentlichen aus drei Hauptdarstellern: die Sportler, die Zuschauer, und der Veranstalter - von dem man, je besser er ist, als Zuschauer wenig sieht.

Der Sport: 10 von 10 möglichen Punkten
Und es geht doch - nach zwei ausgesprochen windigen Jahren in Kuopio erlebten wir in diesem Winter gleich zwei Wettbewerbe wie sie besser und fairer nicht hätten sein können. Praktisch windstill, perfekte äußere Bedingungen und eine ebenso perfekt präparierte Schanze.
Die beiden Wettbewerbe konnten nur die besten Athleten ganz vorne sehen, keine Vor- oder Nachteile durch irgendwelche Einflüsse von außen. So stellen sich Athleten, Verantwortliche und Zuschauer die Wettkämpfe vor.

Der Veranstalter: 10 von 10 möglichen Punkten
Es ist immer das beste Zeichen, wenn man von den Aktivitäten der Veranstalter nicht viel merkt, und so war das in den Tagen von Kuopio.
Man muss bedenken, dass es nicht nur ein Springen war, sondern es gleichzeitig Wettbewerbe der nordischen Kombination und der Langläufer/innen, zu organisieren und durchzuführen galt. Nicht nur die Athleten, sondern mit ihnen die angereisten Pressevertreter mussten bei dieser "Mini-WM" zum Saisonauftakt versorgt werden.
Angesichts der Vielzahl von Medienvertretern musste dann auch bei verschiedenen Dingen improvisiert werden - und es wurde ausgezeichnet improvisiert.

Die Zuschauer: 10 von 10 möglichen Punkten
Eine derartige Veranstaltung ist bei uns in Deutschland generell nicht möglich. Es hätten auch 50.000 oder 100.000 Zuschauer an der Pujionen Schanze sein können und es hätte keinerlei Zwischenfälle gegeben, dafür legen wir alle Hände ins Feuer.
Hier in Finnland herrscht sie noch, die familiäre Atmosphäre, die viele Fans bei uns inzwischen vermissen.
Die Zauberworte heißen: Respekt und " nicht ich bin wichtig, sondern die Veranstaltung ist es".
Keine "wichtigen" Helfer und Funktionäre, die mit erhobenem Finger und lauter Stimme Anweisungen erteilen. Jeder Beteiligte ist zu jedem Zeitpunkt bemüht, das Projekt um des Projektes Willen gelingen zu lassen, das reicht.

Was man in anderen Ländern vermutlich mit "guten Manieren" umschreiben würde, ist in Finnland Normalität, die respektvolle Weise in der die Menschen , ob jung oder alt, ob weiblich oder männlich miteinander umgehen. Und das gilt sowohl im normalen Leben als auch bei einer Großveranstaltung wie dem Skispringen.

Bei dieser Art des Miteinander gibt es keine Randale - auch nicht am Rande. Keine Leute, die ihre Saufgelage vom Bahnhof an die Schanze verlagern, Sportler aus anderen Nationen auspfeifen oder anpöbeln, so etwas gibt es hier nicht.
Die Zuschauer wollen (immer mit dem erforderlichen Respekt) - ein Sport-Event erleben - ein Fest feiern, nicht mehr und nicht weniger. Und so wird es dann auch zu einem Fest, das Wochenende von Kuopio.

Die Veranstaltung von Kuopio erhält von uns die Note 1*, sehr schwer zu überbieten, was da vom Veranstalter in Kombination mit den Zuschauern in Kuopio abgeliefert wurde. Der Weltcup-Auftakt von Kuopio ist für uns nach diesem Wochenende genauso zum unverzichtbaren Kult innerhalb des Weltcup-Kalenders geworden wie es das Finale in Planica schon seit Jahren ist.

In Sachen Kuopio darf man übrigens der FIS und insbesondere dem Renn-Direktor Walter Hofer dankbar sein der sich auch nach den beiden "stürmischen" Wintern 1999 und 2000 weiter für den Veranstaltungsort Kuopio ausgesprochen hatte.

Wer irgendwann im Leben die Gelegenheit hat, dieses Land zu besuchen, sollte das auf jeden Fall tun, es muss sicher nicht unbedingt Kuopio sein, aber Kuopio ist ganz sicher eine erstklassige Adresse.
Nehmen Sie auf jeden Fall eine Menge Respekt mit auf ihrer Reise nach Finnland, denn die Finnen sind zu Recht ein stolzes Volk.

Auf Wiedersehen in Kuopio, sicher nicht nur wegen der Sprunganlagen und der Skispringen.

Diese Tage in Kuopio waren nicht nur eine interessante Reise zu einer Sportveranstaltung, es war auch ein gehöriges Stück Lebenserfahrung. Zur Nachahmung, ob mit oder ohne Skispringen, ob Winter oder Sommer, dringend empfohlen.
Bei Nebenwirkungen benötigen Sie auch garantiert keinen Arzt, sondern eher eine Urlaubsverlängerung.




Plattenbauten in Kuopio







































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