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Skisprung-Euphorie
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Malyszmania
- eine Nation steht Kopf |
Die Euphorie, die hierzulande um Martin Schmitt
nach der Saison seines kometenhaften Aufstiegs
1999 herrschte, wiederholt sich derzeit in Polen.
Praktisch identisch sind die Freude und der Fanatismus
der Fans um den Nationalheld in Sachen Skispringen.
Rückblende:
Harrachov, 13. Januar 2001: Adam Malysz ist auf
der Flucht vor seinen Fans, die die Absperrungen
stürmen, um ihrem Star persönlich auf
die Schulter zu klopfen. Erst im Athletengebäude
findet er Ruhe, kann das Chaos hinter sich lassen.
Solche Szenen waren im letzten Winter öfter
zu beobachten, seit Adam Malysz den Weltcup gründlich
umgekrempelt und neue Maßstäbe im Skispringen
gesetzt hat. Selbst Fachleute konnten nur noch
staunen, die polnischen Fans, die zuletzt 1972
beim Olympiasieg ihres Landsmannes Fortuna so
ausgelassen jubeln konnten, waren dankbar für
Malysz´ Erfolge, die Begeisterung kannte
keine Grenzen.
So wurde der Pole nach Gold und Silber bei der
WM in Lahti bei seiner Ankunft auf dem Warschauer
Flughafen wie ein Popstar empfangen. Mehrere TV-Sender
und etliche Journalisten bemühten sich, Interviews
zu ergattern. Zahlreiche Fans schrien seinen Namen,
waren auf der Jagd nach Autogrammen und Erinnerungsfotos
und riefen "Hoch soll er leben".
Schon vor einigen Jahren war Malysz auf dem Weg
gewesen, ein Großer zu werden: er gewann
drei Weltcupspringen und war 1996 Siebter im Gesamtweltcup.
Doch er konnte seine Erfolge nicht richtig verarbeiten,
dem privaten Glück (Heirat mit Isabella,
Geburt von Tochter Karolina) folgte das Mittelmaß
auf den Schanzen. Aber in der letzten Saison hat
er es erneut geschafft, wieder nach oben zu kommen
- und diesmal ganz nach oben.
Und ein zweiter Absturz wird nach der festen Überzeugung
seiner Trainer nicht folgen. Apoloniusz Tajner,
Polens Nationalcoach, vertraut darauf, dass sein
Schützling mittlerweile mit dem Erfolg umgehen
kann: "Der Adam hebt nicht ab, auch wenn
er gefeiert wird. Er war erst halb oben und dann
ganz unten - jetzt ist er seelisch stabil genug,
all den Jubel zu verkraften."
Doch bei dem enormen Rummel um seine Person wird
Malysz es nicht leicht haben. Er hat eine Begeisterung
in seiner Heimat ausgelöst, die dem Skisprungboom
in Deutschland, vor drei Jahren durch Martin Schmitt
hervorgerufen, in nichts nachsteht.
So träumt Jan Poloczek, der Bürgermeister
von Malysz´ Heimatort Wisla, von der Durchführung
eines Weltcup- oder wenigstens eines Continentalcupspringens
in Wisla. Einen prominenten Mitstreiter hat er
in dem Sänger Andrzej Rosiewicz gefunden,
der eine CD mit dem Titel "Adam Malysz, der
weiße Adler" aufgenommen hat. Von jeder
verkauften Scheibe geht 1 Zloty (umgerechnet 0,53
DM) an das Vorhaben "Weltcupspringen in Wisla",
um der Verwirklichung von Poloczeks Traum ein
wenig näher zu kommen.
Adam Malysz selbst tauchte nach der Saison und
dem Gewinn des Gesamtweltcups erst einmal unter
und verbrachte mit seiner Frau Isabella zehn Tage
auf Mauritius. Der Urlaub war extra geheimgehalten
worden. Ganz entspannen konnte sich Malysz allerdings
nicht, da der Aufenthalt von der örtlichen
Luftlinie und einem lokalen Warschauer Fernsehsender
(WOT) gesponsort worden war. Daher rief auch hier
die Pflicht: es wurde ein Film gedreht, und Malysz
mußte bei einer Pressekonferenz Rede und
Antwort stehen.
Die Öffentlichkeit verlangt ständige
Präsenz, ein Star hat zur Verfügung
zu stehen. So fand am ersten Maiwochenende die
Veranstaltung "Wochenende mit Malysz"
in Wisla statt. Zahlreiche Fans pilgerten zu ihrem
Idol, was beinahe in einem Verkehrs-kollaps rund
um Wisla geendet hätte.
Man wollte den Menschen eine Art Volksfest bieten,
und so sorgten dort auch einige Bands für
Stimmung. Adam Malysz präsentierte seine
im Winter errungenen Trophäen und bekam den
Schlüssel für einen Audi A4 (für
seinen Sieg bei der 4-Schanzen-Tournee) überreicht.
Der Höhepunkt der Festivitäten war die
Enthüllung einer Nach-bildung von Malysz
aus weißer Schokolade, Gewicht: 180 kg (mit
Skiern). Seinen süßen Doppelgänger
schenkte Adam der Gemeinde Wisla.
Apoloniusz Tajner sieht den Trubel um seinen Vorzeige-Athleten
bei allem Stolz über die Erfolge des Winters
eher mit gemischten Gefühlen: "Ich habe
gedacht, dass wir nach zwei Monaten Pause mehr
Ruhe haben werden. Adams Popularität wurde
nicht kleiner, er befindet sich die ganze Zeit
im Zentrum des Interesses. Sein Leben hat sich
voll und ganz verändert, das hat nicht unbedingt
einen guten Einfluß auf die Psyche und die
Trainingsbeding-ungen."
Unruhe kam auch durch einen umstrittenen Werbespot
eines Snackherstellers auf, bei dem Malysz und
die DSV-Springer im Mittelpunkt standen (wir berichteten).
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