Wenn
es im Skispringen so einen Typ gibt wie es im
Fußball Diego Maradona war, dann ist es
Matti Nykänen.
Selten hat ein Sportler, der in seiner Sportart
so herausragendes geleistet hat, im Privatleben
für derartige Schlagzeilen gesorgt wie Matti
Nykänen.
Nykaenen hat Geschichte geschrieben mit seinen
Erfolgen, mit seinen einzigartigen sportlichen
Auftritten die er während seiner aktiven
Zeit hatte.
(In Zahlen ausgedrückt sieht das so aus:
46 Weltcup-Einzelsiege, vier Weltcup-Gesamtsiege,
zwei Tournee-Siege, vier Olympia-Goldmedaillen,
zahlreiche WM-Titel, ...)
Niemand hat in der Summe mehr gewonnen als Matti
Nykänen. Niemand wird, voraussichtlich, jemals
mehr gewinnen als Matti Nykänen. Er ist,
was wenige Hochleistungssportler von sich behaupten
können. Eine Legende.
Und selten hat ein Sportler nach dem Ende seiner
Karriere einen derartig tiefen Absturz erlebt
wie eben dieser Matti Nykänen.
Keine Preisgelder, aber
Schwarz-Weiß TV und Schraubstock
Auch für den frischgebackenen Sieger des
Sommer-Grand-Prix, Thomas Morgenstern ist Matti
Nykänen ein Vorbild, doch der Youngster aus
Österreich schränkt auch gleich ein:
"Nur auf sportlicher Ebene."
Damit bringt Morgenstern das Dilemma des Größten
aller Zeiten auf den Punkt. Was er tat, ist nur
teilweise nachahmenswert. Die Schlagzeilen der
Siege wechselten sich ab mit den Headlines der
Skandale: eine Sauferei da, eine Schlägerei
dort, ein Sex-Erlebnis wieder irgendwo anders,
ein Ausschluss aus dem Team hier und einer da.
Nykänen sorgte für Quote und Leser,
in einer Zeit, in der Skispringen eine Randerscheinung
war, in der er als Bester seiner Zeit in rund
zehn Jahren das verdiente, was heute ein Saisondominator
in einem Winter einstreicht.
Preisgelder gab es keine, dafür praktische
Dinge wie Schwarz-Weiß-Fernseher, Kerzenständer,
Schraubstöcke, Teppiche und anderes. Nichtsdestotrotz
war der Finne für damalige Verhältnisse
wohlhabend, hielt es aber mit dem Geld ganz nach
dem Spruch von Samuel Josef Agnon, einem am 17.
Juli 1888 geborenen israelischen Schriftsteller:
Wenn ein Reicher eine Scherbe nötig hat,
zerbricht er einen Krug. Geld kam bei Nykänen
bei Tür und Fenster herein und verschwand
auf diesem Wege auch wieder.
Falsche Freunde und die
Schnellstraße ins Abseits
Er war umgeben von vielen falschen Freunden und
einigen gutmeinenden Bekannten. Nykänens
Leben nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn
war eine Schnellstraße ins Abseits.
Nur sein Name gibt ihm heute noch zu leben, Exklusiv-Interviews
verkauft er für Tausende von Euros an den
finnischen Boulevard. "Ich bin ehemaliger
Sportler, von meinem Namen profitieren die Medien,
weil ich für Auflage sorge. Warum soll ich
nichts dabei verdienen?", fragt er, aber
es ist eine rhetorische Frage. Nykänen geht
noch einen Schritt weiter: "Ich wäre
für die Einführung eines Gesetzes. Wenn
der Name eines Prominenten in der Schlagzeile
einer Publikation erscheint, muss dieser adäquat
entlohnt werden."
"Mein Leben muss
eine Wende erfahren"
In den letzten Wochen und Monaten hat sich Matti
"Die Legende" Nykänen damit beschäftigt,
seine Lebensgeschichte aufzusetzen. Es sei der
erste ernsthafte Versuch gewesen, seine Springer-karriere
und den darauf folgenden Absturz zu beleuchten,
sagt der Mann aus Jyväskylä.
Nykänen weiß, dass er einen Schnitt
machen muss in seinem Leben. "Ich sehe
dieses Buch als einen Teil meiner Therapie.
Mein Leben muss eine Wende erfahren" sagt
Nykänen.
Entstanden ist mit dem Buch das schonungslose
Bild eines Sportlers, der in den schwierigsten
Momenten seiner Existenz, in jener Zeit des
Wechsels vom einen zum anderen Leben nämlich,
vorrangig allein gelassen wurde.
Das Buch "Grüße aus der Hölle",
das im Oktober 2003 im Verlag Wero-Press, erschienen
ist, beleuchtet die verschiedenen Facetten des
Menschen Nykänen: des Sportlers, des Alkoholikers,
des Sängers, des Ehemanns und ehemaligen
Ehemanns, des Medien-Clowns oder des Privatmannes.
Egon Theiner, der zusammen mit Übersetzerin
Pauliina Jäntti wochenlang in Finnland
auf der Suche nach Matti weilte und dabei mit
rund 30 Personen sprach, warf Blicke hinter
die Kulisse und bietet Erklärungsansätze
zum Leben Nykänens.
Doch vor allem bezwecken seine Aufzeichnungen
eines. Aufzuschreiben, was nicht vergessen werden
darf: die Erfolge eines Heros, und die Gründe
seines Niedergangs. Martin Schmitt, Sven Hannawald,
Adam Malysz, Simon Ammann und andere sind die
aktuellen Erben von Matti Nykänen. Sie
werden es vielleicht nicht gerne hören:
das Wasser reichen können sie ihm alle
nicht.
"Was hier geschrieben steht, ist meine
Wahrheit", sagt Nykänen selbst. Und
fügt an: "Dieses Buch gehört
in jeden Haushalt, gleich neben die Bibel."
Das
Buch können Sie in unserem Shop bestellen
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