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Skispringen hat - wie das Wort schon sagt -
etwas mit Springen zu tun. Wenn die Sportart
stattfinden soll, braucht es Leute, die sich
ihre Bretter (auch Ski genannt) unterschnallen,
um damit über eine Schanze zu gehen, weit zu
fliegen und schön zu landen.
Die Skispringer sind es, die dafür sorgen, dass
die Veranstaltung Skispringen stattfindet, die
es Veranstaltern, Medien und Zuschauern ermöglichen,
ein Event zu produzieren. Wegen Ihnen kommen
wir ins Stadion, wegen Ihnen schauen wir Fernsehen
oder in die Zeitung.
Eigentlich sind diese Erkenntnisse derart banal,
dass man sie nicht eigens erwähnen müsste. Der
Athlet steht - das liegt in der Natur der Sache
- an erster Stelle, ohne ihn geht nichts. Man
möchte meinen, das wäre selbstverständlich.
Es gibt allerdings Beispiele, die den Eindruck
erwecken, dass sich die Prioritäten in der Sportart
Skispringen verschoben haben.
Bischofshofen, letzte Station der 50. Vierschanzentournee,
des Highlights im Weltcupzirkus der Springer.
Wie immer ist es schwierig, von Organisationsseite
allen Wünschen der Beteiligten gerecht zu werden,
was Unterkünfte, Parkplätze an und um die Schanze
anbelangt.
Die Anzahl der Personen, die irgendetwas mit
dem Produkt Skispringen zu tun haben, ist sprunghaft
angestiegen. Mehr Medienvertreter, besonders
bei bestimmten Fernsehanstalten, deshalb auch
mehr Sponsoren, mehr Very Important Persons,
die sehr wichtigen Personen, auch VIPs genannt.
An sich ist das natürlich eine zu begrüßende
Entwicklung. Der Boom hat nicht zuletzt auch
den Athleten etwas gebracht, v.a. finanziell.
Vor zehn Jahren gab es Sachpreise, Pokale und
Blumensträuße, inzwischen warten satte Geldpreise
und ein fetziges Autos auf die / den Sieger.
Wer zahlt, bestimmt, auch wenn es um die Organisation
vor Ort geht. Da die Orte wie Bischofshofen
natürlich nicht in dem Tempo mit der Anzahl
der Leute, die beteiligt sind an der Veranstaltung,
gewachsen sind, gibt es mehr und mehr Schwierigkeiten.
Jeder Pressevertreter möchte natürlich gerne
einen Parkplatz so nah wie möglich an der Schanze,
es gibt aber nicht viele. Jeder VIP will nicht
zu weit gehen müssen, um dort hinzukommen, wo
seine Kollegen schon sind.
Wer zahlt, bestimmt, und deswegen findet man
natürlich an den besten (Park)Plätzen auch Unmengen
an Fahrzeugen der Sponsoren und der federführenden
TV-Anstalten.
Allerdings hat alles seine Grenzen. Und die
sind erreicht, wenn diejenigen, die wie gesagt
das Produkt primär bestimmen, nicht mehr an
erster Stelle stehen in der Hierarchie. Ein
Beispiel mit der Überschrift: Odyssee für Finnen,
Irrfahrt ohne Sinn.
Die finnische Mannschaft - am 4.1. von Innsbruck
angereist - musste in Bischofshofen, d.h. genauer
gesagt in Goldegg, ein Hotel beziehen, das gut
25 km vom Ort des Geschehens entfernt liegt.
An sich kein Problem, wenn ein Shuttle bereitgestellt
wird oder man zumindest mit dem eigenen Mannschaftsbus
bis an die Schanze kommt. Das Shuttle gab es
leider nicht, Durchfahrtsgenehmigungen waren
scheinbar auch keine mehr zu bekommen, da die
Anzahl dieser magischen Sesam-öffne-dich-Scheine
schon alle vergeben waren.
Also ersannen sich die von den Wettkämpfen geschlauchten
Finnen um Coach Kojonkoski Plan B: Fahrt bis
zum Pressezentrum und von dort per Shuttle wie
die meisten Presseleute hoch zur Schanze.
Hätte an sich geklappt. Doch am Pressezentrum
in der Ortsmitte durfte natürlich nicht geparkt
werden, weil es da ein Halteverbot und Parkmöglichkeiten
nur mit Ausnahmegenehmigung gibt. Die wenigen
anderen Abstellplätze waren natürlich rar und
besetzt.
Was tun, sprach Zeus ? Die Mannschaft musste
sich also selbst wie gewöhnliche Touristen einen
Parkplatz suchen und wurden gut 3 km vom Pressezentrum
entfernt fündig. Dort sollte nun endlich das
Shuttle hinkommen und es kam auch.
Allerdings dauerte die ganze Aktion noch einmal
eine geschlagene Stunde. Eine verlorene Stunde,
nur um endlich zur Schanze gefahren zu werden
und dort das zu tun, weswegen alle anderen Leute
hier sind.
Es ist ein Beispiel, das zu denken gibt, da
es kein Einzelfall ist, sondern eher eine Entwicklung
kennzeichnet. Schuldige für solche Pannen auszumachen,
ist nicht einfach, da natürlich jeder einen
anderen findet, der dafür verantwortlich ist.
Was bleibt ist die Feststellung, dass es nicht
sein kann, dass die Most Important Persons,
die Springer, derartige Probleme haben, um an
der Veranstaltung Skispringen teilnehmen zu
dürfen.
Die Gleichung ist an sich ganz einfach: Keine
Springer, kein Springen. Vielleicht ist das
mit all den Nebenschauplätzen, die es an der
Schanze inzwischen gibt, in Vergessenheit geraten.
Die Springer machen nach wie vor das Springen
aus, nicht hochgestylte Fernsehübertragungen,
Showevents oder VIP-Parties.
Alles hat seine Berechtigung, aber keine Priorität.
Jedenfalls dann nicht, wenn Skispringen zuerst
Sport sein soll und keine virtuelle Erlebniswelt.
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