zurück ...
 ... unter die Lupe
 
 home
 Aktuelles
 Terminplan
 Ergebnisse
 Archiv
 Nachwuchs
  
 Interaktiv
 Gästebuch
 Forum
 Chat
 

  



 
  Weiche Sohlen für Sven Hannawald
  Der Hinterzartener Orthopädie-Schuhmacher Jörg Isele baut      die Sprungstiefel der Adler zu Hightech-Geräten um
 
Er zerlegt fabrikneue Stiefel in ihre Einzelteile, schneidet und schleift, versetzt und fixiert. Dann klebt Jörg Isele, der Schuh-macher der deutschen Springerelite, die Stückwerke wieder fein säuberlich zusammen und legt sie acht Stunden in die Druck-presse.
So umgebaut sollen die Stiefel ihren Besitzern zu größeren Weiten und neuen Titeln verhelfen. Begonnen hat die Beziehung zu den Schwarzwald-Adlern im Sommer 1996: damals betrat Dieter Thoma die kleine Werkstatt in der Freiburger Strasse 5 in Hinter-zarten.
 
Was bislang exclusives Know-how eines Spezialisten in Ober-
Österreich war, sollte doch auch in der Heimat der "Schwarzwald-Adler" machbar sein - das Anpassen eines neuen Springerstiefels an die spezifischen Bedürfnisse seines Trägers. Orthopädie-Schuhmacher Jörg Isele ("ich hatte bis dahin mit so etwas keine Erfahrung") ließ sich die Wünsche der einstigen Nummer eins der deutschen Weitenjäger erklären. Dann machte sich der 33-Jährige in bester Tradition Schwarzwälder Tüftler ans Werk.
 
Da Dieter Thoma einen ungleichen Absprung hatte - das rechte Bein ging sofort ins "V", das achtmal operierte linke erst mit einer gewissen Verzögerung - musste eine Lösung gefunden werden, die diesen Nachteil ausglich. Isele setzte den Adapter, das wichtigste Bindeglied zwischen Stiefelspitze und Skibindung, in einer leichten X-Stellung neu ein. Durch diese Veränderung kam nun auch der linke Ski rasch in die V-Stellung, das Problem war gelöst. Es blieb aber nicht die einzige Aufgabe des Schuh-spezialisten.
 
Der Adapter wurde gleichzeitig verkürzt und rahmenbündig gesetzt. Dies hatte zur Folge, dass sich einerseits das Gefühl des Ski-springers für die Führung des Skis verbesserte, zugleich die von der Stiefelspitze aus gemessene Vorderskilänge vergrößerte, was wiederum mehr Auftrieb und geringeren Luftwiderstand bedeutete. Zur Verbesserung der Flexibilität der oft steifen Stiefel vom Fließ-
band wurden die Zwischenböden im Ballenbereich, exakt dort, wo beim Absprung Bewegung stattfindet, dünner geschliffen.
 
Um Gewicht einzusparen, musste zudem im Mittelfuß- und Fersenbereich ein Teil der Zwischensohle weichen - eine extra leichte Laufsohle wurde aufgeklebt. Willkommener Nebeneffekt: der Schuh war 200 Gramm leichter und wog mithin weniger als ein Kilo. Gleichwohl durfte der Stiefel nichts an Stabilität einbüßen. Trotz Spezialklebstoff wurde der Adapter noch mit drei Nieten versehen. Leichte Alu-Beschläge sollen das Zwischenstück aus Kunststoff im Fersenbereich vor Abrieb beim Laufen schützen.
 
Jörg Isele will seine Tätigkeit nicht überbewertet wissen: "Ich bin nur ein kleines Rädchen in einem großen Uhrwerk." Aber seine saubere Arbeit sprach sich in Skispringerkreisen rasch herum und es dauerte nur kurze Zeit, bis neben Thoma auch Hansjörg Jäkle und Christof Duffner ihre Schuhe lieber im Schwarzwald als in "Austria" umbauen ließen. Für eine kurzzeitige Unterbrechung zwischen Schuster und Schuhträger sorgte die Auseinander-setzung zwischen einem unzufriedenen Vater eines jungen Athleten.
Die Angelegenheit war bald geklärt und die Springer, inzwischen auch Sven Hannawald und dann Martin Schmitt, ließen in der kleinen Werkstatt ihre Stiefel für Olympia, Weltmeisterschaft und Weltcup herrichten.
 
Isele: "Bei Hanni und Martin müssen die Adapter exakt rechtwinklig sitzen, weil sie mit beiden Beinen gleichstark abspringen. Die zwei bevorzugen extrem weiche Sohlen im Ballenbereich." Inzwischen springen auch Weitenjäger aus Japan, Finnland oder Norwegen in Spezialanfertigungen.
 
Im Vorfeld des FIS-Sommer-Grand-Prix, der am kommenden Wochenende in Hinterzarten beginnt, betonte Walter Hofer, Renn-direktor des Internationalen Skiverbandes (FIS): "Die technischen Möglichkeiten an den Springeranzügen und Skiern sind ausge-reizt. Ein Innovationsschub ist nunmehr im Schuhbereich denkbar." Dabei hat er wohl weniger an den britischen Tüftler Trovor Baylis gedacht, der kleine Elekrokraftwerke in Schuhe einbaut.
 
Die neue Idee für Skispringer ist viel mehr: wenn die Springer-stiefel im Schaftbereich flexibler sind, könne die Bewegungs-freiheit des Knöchelgelenks erweitert und damit das hintere Halteband zwischen Schuh und Ski verkürzt werden. Dies hätte
zur Folge, dass der Fuß im Flug näher beim Ski bleibt. Davon versprechen sich die Skispringer zwei Vorteile: verbesserte Führung der Ski und leichte Reduzierung des Luftwiderstands.
 
Das Problem:
bei der Landung muss der Schaft den vollen Druck des Springers aufnehmen und dabei stabil bleiben. Jörg Isele weiß: "Darüber muss jetzt nachgedacht werden." Vorsorglich ließ der Schuh-macher aus Hinterzarten schon mal Spezialschrauben drehen.
Ein Prototyp soll bereits existieren, ausreichen erprobt ist er wohl noch nicht.
 
Kontaktaufnahme:
Jörg Isele - Freiburgerstrasse 5 - 79856 Hinterzarten
Telefon: 07652 - 5852

(Bericht von Dieter Maurer, Badische Zeitung, vielen Dank)
 

 zurück