Auf diesen Mann prasselte in letzter Zeit eine
Menge ungerechtfertigter Kritik: Miran Tepes,
die rechte Hand von FIS-Renndirektor Walter Hofer.
Der Slowene ist bei den Skispringen der Mann,
der die Ampel für die Springer bedient und
ihnen damit signalisiert, dass sie ihren Sprung
durchführen können. Ihm obliegt die
Koordination von Rennleitung, Starter und Fernsehen
an der Schanze. Und immer wieder wird er kritisiert,
weil er angeblich so manchen Springer bevorzugt
oder andere benachteiligt. So beispielsweise geschehen
beim letzten Springen der Vierschanzen-Tournee
in Bischofshofen,
als sich DSV-Co-Trainer Wolfgang Steiert vor laufenden
Kameras über Tepes beschwerte. Er habe Sven
Hannawald den Sieg gestohlen, weil er ihm trotz
guter Bedingungen kein grünes Licht gab.
Auch der Finne Mika Kojonkoski und andere Trainer
haben bereits Kritik an dem sympathischen Slowenen
geübt.
Zu Unrecht! Denn Tepes, früher selbst
ein erfolgreicher Springer, der sechsmal bei
einem Weltcupspringen Zweiter wurde und 1988
aus Calgary eine olympische Silbermedaille mit
dem jugoslawischen Team nach Hause brachte,
reagiert nur auf das, was ihm die Monitore zeigen.
Die Kenner der Skisprung-Szene sprechen dann
vom "Korridor". Der Korridor, das
ist "das Intervall zwischen maximalem Wind
und minimalem Wind", wie es Tepes im Gespräch
mit skispringen.com erklärt. "Ist
ein Springer außerhalb des Korridors,
warte ich eben. Bei Hannawald in Bischofshofen
war zuviel Aufwind, deswegen habe ich gewartet.
Es war nur zur Sicherheit von Hannawald, denn
ein Springer seiner Qualität würde
sonst unten zerschellen.
Ich habe Rudi Tusch die Aufzeichnung der letzten
30 Minuten gezeigt, da war ein Peak, ein 5-minütiger
hoher Ausschlag in der Kurve. Der zeigte an,
dass da zu viel Aufwind herrschte!"
Für Tepes ist Fairness das oberste Gebot.
Deshalb fühlt er sich ob der Angriffe der
Trainer zu unrecht attackiert. "Die Kritik
ist nicht gerecht. Es gibt Trainer, die versuchen
Druck auf mich auszuüben, aber das lasse
ich nicht mit mir machen. Es gibt Kriterien,
und die sind für alle gleich", rechtfertigt
sich Tepes. Doch nicht nur Bischofshofen, auch
in Liberec wurde mit dem Einzel-Vierten von
Calgary 1988, hart ins Gericht gegangen. Steiert
erneuerte seine Kritik, auch andere Trainer
schossen sich auf Tepes ein. Daraufhin setzte
Hofer in Liberec einen runden Tisch an, und
Tepes bekam die Möglichkeit, zu beweisen,
dass er keine Fehler gemacht hatte.
"Die Trainer haben mir nicht geglaubt.
Da habe ich ihnen dann Protokolle von den letzten
Wettbewerben gezeigt. Angeblich habe ich bei
einigen bei Rückenwind die Freigabe gegeben,
bei anderen bei Aufwind. Aber das ist nicht
wahr. Ich konnte beweisen, dass ich immer richtig
entschieden habe und nie jemanden außerhalb
des Korridors freigegeben habe. Seit Liberec
ist es etwas ruhiger", sagt Tepes mit einem
Lächeln im Gesicht.
Die Springer jedenfalls trauen dem Mann an
der Ampel: "Die Athleten haben viel mehr
Vertrauen zu mir als zu ihren Trainern. Denn
meine Apparaturen, die den Wind registrieren,
sind sicherer als das Gefühl der Trainer.
Die achten eigentlich gar nicht auf die Fahne
des Trainers."
Und Tepes ist wirklich der richtige Mann am
richtigen Ort: Denn bevor ihn Hofer während
eines Segeltörns anrief und fragte, ob
er nicht mit ihm arbeiten wolle, studierte Tepes
Geografie. "Da war auch viel Meteorologie
dabei. Meine Hobbies sind Paragleiten und Segeln,
das hat viel mit Wind zu tun. Ich weiß
immer, was dahintersteckt. Ich arbeite auch
an der Entwicklung dieser Apparaturen mit",
erzählt er. Zuvor hatte Tepes im Marketingbereich
des slowenischen Skiherstellers Elan gearbeitet.
Doch trotz der vielen Kritik hat der Mann,
der 14 Jahre als Aktiver im
Weltcup dabei war, immer noch Spaß an
seinem Job. "Ach, die Trainer sind halt
enttäuscht, wenn sie Misserfolg haben.
Wenn jemand Rückenwind hat, dann bin ich
halt schuld. Sie sind eben auch nur Menschen",
sagt Tepes. Am Schlimmsten seien sowieso seine
Landsleute: "Wenn ich zuhause Zeitungen
lese, habe ich das Gefühl, bei einem anderen
Wettkampf gewesen zu sein."
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