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1936 war der Österreicher Sepp Bradl in Planica
als erster Mensch über 100m gesprungen, am 17.
März 1994 segelte Andi Goldberger als erster
über 200 m.
Das Training an diesem 17. März war wie ein Wunder.
Andi Goldberger konnte seinen Sprung auf 202 m nicht
stehen, griff in den Schnee. Toni Nieminen hingegen
stand seinen Flug auf 203 m. Der Finne, der sonst
lieber schweigt, konnte danach nicht mehr aufhören
zu reden. Er lachte von ganzem Herzen.
Auch Christoph Duffner, der bei 207 m gestürzt
war, schilderte mit blutenden Lippen den erstaunten
Reportern den schönsten Flug seines Lebens.
Den inoffiziellen Rekord aber stellte Espen Bredesen
auf, mit einem Sprung auf 209 m. Nun fragt man sich,
weshalb das ein inoffizieller Rekord war.
Nun, die FIS hatte schon 1986 den Weltrekord bei willkürlichen
191 m 'eingefroren', d.h., grössere Weiten wurden
nur als 191 m gewertet.
Als 1987 der Pole Pjotr Fijas auf 194 m sprang, musste
der Speaker dem Publikum die wahre Weite verschweigen!
Der Norweger Thorbjörn Yggeseth, Präsident
des Sprungkomitees der FIS, konnte nur den Kopf schütteln
über seine Kollegen in der FIS. "Einem Abfahrer
sagt man ja auch nicht, dass er die Höchstgeschwin-digkeit
von 100 km/h nicht überschreiten darf!"
meinte er.
Die FIS fürchtete sich vor allzu weiten Sprüngen
und versuchte mit dem 'Einfrieren' des Rekordes die
Weitenjagd zu verhindern und damit die Springer vor
Verletzungen zu schützen - ein guter Vorsatz,
aber leider das falsche Mittel! Denn welchen Flieger
kümmert es, ob die Weite offiziell anerkannt
wird: gestanden ist gestanden!
Diese Regelung wurde dann auch wieder aufgehoben,
und der heutige Weltrekord steht bei 212 m, gehalten
von Lasse Ottesen.
Den weitesten, aber leider nicht gestandenen Flug
erlebte allerdings Dieter Thoma: 213 m!
Die Skiflug-WM 1994 in Planica stand unter einem zwiespältigen
Stern. Einerseits wurden (im Training) Weiten über
200 m erzielt, anderer-seits wurden aber nur Weiten
bis 191 m gezählt! Dies kostete den Italiener
Roberto Cecon den 2. Platz!
Doch zuerst zum Sieger: Jaroslav Sakala zeigte zwei
regelmässige Sprünge auf 189 m und 185 m.
Seine Gesamtpunktzahl betrug 351.3, womit er verdient
Skiflug-Weltmeister wurde.
Roberto Cecon erreichte 160 m und 199 m, und da die
199 m nur als 191 m gezählt wurden, erhielt er
eine Punktzahl von 324.7. Auch mit voller Punktzahl
hätte er Jaroslav Sakala nicht schlagen können,
ABER:
Espen Bredesen sprang 172 m und 182 m, erhielt eine
Punktzahl von 329.8 und somit, nicht ganz verdient,
die Silbermedaille!
Doch der Norweger zeigte Grösse: Zweienhalb Stunden
nach dem Wettbewerb packte er seine Silbermedaille
aus der Tasche, tauschte sie gegen die Bronzene von
Roberto Cecon, der neben ihm sass, und sagte erleichtert:
"Nun geht es mir viel besser." Er zeigte
auf den Italiener und meinte: "Wir beide, wir
wissen, wie die wahren Verhältnisse sind."
Cecon nickte, ja, die Regeln seien eigenartig, das
Publikum wolle 200 m Sprünge sehen, und die Springer
hätten ihren Spass daran.
Wie gesagt, die FIS hob später die 191 m-Sperre
auf, und auch dieses Jahr können wir uns auf
eine Weitenjagd freuen. Hoffen wir auf einen vernünftigen
Entscheid der Jury, dass wir 220 m sehen können
- mit perfektem Telemark und 5x der 20!
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